Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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73 Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbungen. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen. 74

schrieben, die jener nicht gesehen, deren Beschreibungen
aber nach anderer Mitteilungen aufgenommen hatte; ferner
hat er sehr viele bei Muller nicht vorkommende Zeichnungen
und Drucke so genau wie möglich beschrieben. Bin sorg-
fältig gearbeitetes Register soll das Werk abschließen. Die
Reihenfolge, in der die Stücke aufgeführt werden, ist die bei
Muller zu findende, jedoch sind diejenigen Blätter, die bei
letzterem fehlen, mit „Nicht bei Muller" bezeichnet und an
der gebührenden Stelle eingeordnet worden. Im ganzen
umfasst der erste Band des Kataloges 1067 Nummern, dar-
unter von Nr. 8—32 Sammlungen oder Werke mit je hun-
derten von Blättern. R-

NEKROLOGE.

%* Der aus Dresden gebürtige Architekturmalcr Max
Hauschild ist am IG. Oktober in Neapel im Alter von
85 Jahren gestorben. Bis 1850 war er Professor an der
Dresdener Kunstakademie gewesen, legte aber sein Lehramt
nieder, um seinen Wohnsitz in Italien zu nehmen. Die
Dresdener Galerie besitzt von ihm eine Bewirtung von
Mönchen in einem Karthäuserkloster nach einem Motiv von
Santa Scholastica in Subiaco.

PERSONALNACHRICHTEN.

0 Zum Nachfolger des Geh. Oberregierungsrats Dr.
Jordan, der, wie schon gemeldet worden, sein Entlassungs-
gesuch eingereicht hat, ist der Nordd. Allg. Ztg. zufolge der
Geh. Regierungsrat v. Moltke bestimmt worden, der ersteren
bereits während seines Urlaubs vertreten hat. Geh. Rat v. Moltke,
der die juristische Laufbahn durchgemacht hat, hatte bisher
im Kultusministerium vorzugsweise die Interessen der kirch-
lichen Kunst zu wahren.

*** Michael Munkaesy soll die Absicht haben, seinen
Wohnsitz in Paris aufzugeben und nach seiner ungarischen
Heimat zurückzukehren. Wie Budapester Blätter melden,
will ihm die Regierung in der ungarischen Hauptstadt ein
Atelier erbauen und ihm die Stelle des Leiters eines neuen
Kunstmuseums geben.

WETTBEWERBUNGEN.

Der Magistrat der Stadt Hannover hat von den Ent-
würfen betr. den bildnerischen Schmuck des Holzmarktes
die Entwürfe der BildhauerBonin in Karlsruhe, Kretxschmar-
Plaucn in Berlin, Wacgener in Hann. Münden wegen ihres
künstlerischen Wertes angekauft.

DENKMÄLER.

*** Die Ausführung einer Statue der „Sprea", der
Personifikation des Spreeflusses, die in der Vorhalle des
Magistratssitzungssaales im Berliner Rathause aufgestellt
werden soll, ist dem Bildhauer Christensen in Charlottenburg
übertragen worden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Suasso-Museum in Amsterdam. Am 14. September 1895
wurde vom Bürgermeister Vening Meinesz das neue Museum
von Amsterdam, schlechthin Suasso-Museum genannt, feier-
lich eröffnet. Eine reiche Dame, Fräulein Lopez Suasso,
die zu den Sonderlingen ihres Geschlechtes gehörte, hatte
ihr großes Vermögen und ihre reichen Kunstsammlungen der
Stadt Amsterdam vermacht, um die „Sophia-Augusta-Stiftung"

ins Leben treten zu lassen, welche von einem Amsterdamer
Mäcen, C. P. van Eeghen, gegründet worden war, um eine
Sammlung moderner Kunst anzulegen. Das großartige Ge-
bäude, das in nicht ganz drei Jahren vollendet worden ist,
steht in einer Seitenstraße der P. J. Hoofstraat, also hinter
dem Reichsm useum, und ist ungemein geräumig, denn im ersten
Stockwerke zählt man nicht weniger als 26 Säle, während
der linke Flügel ausschließlich für die Suasso-Sarnmlungen
bestimmt ist. Von diesen 26 Sälen sind augenblicklich 17
von der sogenannten „dreijährigen Ausstellung" moderner
Künstler eingenommen; diese hatte bis jetzt noch kein eigenes
Heim, sondern musste in verschiedenen, oft mit Mühe zu er-
haltenden Räumlichkeiten, in der letzten Zeit in eigens dazu
gebauten größeren Holzschuppen untergebracht werden. Die
Hinterbliebenen des genannten Herrn van Eegher haben dem
neuen Museum bereits eine Anzahl wertvoller Gemälde der
hervorragendsten Meister zum Geschenk gemacht und die
dem Reichsmuseum bisher leihweise überlassenen Gemälde
der Sophia-Augusta-Stiftung sind nun ebenfalls in das neue
städtische Museum gebracht worden. Daselbst befindet sich
auch die früher im sogenannten Broekerhause untergebrachte
Sammlung. Da das Erdgeschoss überdies einen Raum von
4000 m darbietet, der ebenfalls zur Aufnahme von Kunst-
gegenständen bestimmt ist, so ist in absehbarer Zeit nicht
an Raummangel zu denken. Fraglicher ist, ob die städtischen
Finanzen auch noch auf die Beförderung von Kunstzwecken

reichen. _:_

Dresden. — Das K. Sachs. Ministerium des Innern hat auf Vor-
schlag des akademischen Rats beschlossen, für hervorragende
Kunstwerke der diesjährigen akademischen Kunstausstellung
in Dresden, die goldene Staatsmedaille: dem Maler Max
Klinger in Leipzig, dem Maler Karl Bantzer in Dresden und
dem Kammermedailleur Anton Scharff in Wien; die silberne
Staatsmedaillc: dem Maler Karl Moll in Wien, dem Maler
Max Hoenoic in Berlin, dem Bildhauer Prof. Emil Hund-
rieser daselbst und dem Bildhauer Karl Seffner in Leipzig
zu verleihen.

Stuttgart. Das Jahr 1896 wird auch für Stuttgart ein
Ausstellungsjahr sein. Das neuerbaute großartige Gewerbe-
museum wird durch eine gewerblich-elektrische Ausstellung
eröffnet; die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft wird in
diesem Jahre ihre Ausstellung in Stuttgart abhalten; verschie-
dene andere Veranstaltungen, wie ein großes Sängerfest u. s. w.,
schließen sich an. Einen Hauptanziehungspunkt wird die im
Frühjahr stattfindende Internationale Gemälde-Ausstellung
bilden, die in ähnlicher Weise wie die Stuttgarter Ausstellung
von 1891 geplant ist. Der König, unter dessen Ehren-
präsidium im Jahre 1891 die damalige Ausstellung ihren
glänzenden Erfolg erzielte, hat der Bitte zur Übernahme des
Protektorats entsprochen und bringt der nächstjährigen Aus-
stellung gleichfalls das lebhafteste Interesse entgegen. Eine
weitere Bürgschaft für das Gelingen ist die sichere Fun-
dirung des auch von der königl. Regierung geförderten und
in staatlichen Räumen geborgenen Unternehmens: Die Leiter
desselben, an deren Spitze der kunstfreundliche Prinz Herr-
mann zu Sachsen-Weimar steht, sind zur Zeit bemüht, das
Beste, was für die Ausstellung zu haben ist, durch persön-
liche Einladungen an namhafte Künstler des In- und Aus-
landes zu gewinnen. Für Ankäufe stehen namhafte Mittel
des Anschaffungsfonds zur Verfügung; desgleichen ist eine
Lotterie in Aussicht genommen. Es zeigt sich daher auch
überall, im In- und Ausland, eine erfreuliche Bereitwilligkeit
der angerufenen Künstlerkreise, die Ausstellung zu beschicken.
Dies ist den Künstlern um so angenehmer gemacht, als der
Anfangs- und Schlusstermin, 1. März bis Mitte Mai, so früh
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