Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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255 Nekrologe. — Wottbcwerbungen. — Sammlungen und Ausstellungen. 256

NEKROLOGE.

x. Artliur Pabsf, weiland Direktor des Kunstgewerbe-
museums in Köln und Begründer unseres Kunstgewerbeblattes,
ist am 11. Februar d. J. in der l'rovinzial-Heilanstalt Grafen-
berg bei Düsseldorf nacb längerem Leiden gestorben. Sein
früher Tod erweckt die Erinnerung an sein liebenswürdig
lebhaftes Wesen, seine gründliehe Belesenheit und Kenner-
schaft, verbunden mit steter Rührigkeit, die in den letzten
Jahren seines Wirkens vor allem dem Kunstgewerbemuseum
in Köln zugute kam. Der Verewigte hat dies Institut in
kurzer Zeit durch seine Thiitigkeit zu einer hohen Stufe
emporgehoben.

PERSONALNACHRICHTEN.

%* Michael Mimkacsy hat sich bestimmt entschlossen,
die ihm von der ungarischen Regierung angebotene Stellung
eines Direktors der Kunstakademie anzunehmen und Ende
April von Paris nach Budapest überzusiedeln. Vor seinem
Abschiede von Paris wird er dort noch sein neuestes Bild
„Ecce homo!" ausstellen.

*** Die königliehe Alcademie der Künste in London hat
Adolf Menzel und den Bildhauer Paul Dubais in Paris zu
auswärtigen Mitgliedern ernannt.

%* Der Bildhauer Paul Schulz in Berlin ist mit der
Ausführung der Medaille für die Berliner internationale
Kunstausstellung beauftragt worden.

O Die Ernennung eines neuen Direktors der Berliner
Nationalgalerie ist endlich erfolgt, ohne dass sich jedoch
eine der zahlreichen, in den Berliner Zeitungen aufgetauchten
Vermutungen bestätigt hat. Es ist weder ein Maler, noch
einer der Kunstschriftsteller gewählt worden, die sieb durch
lebhafte Propaganda für die „neueste Kunst" hervorgethan
haben. Die Wahl ist auf einen Kunstbeamten gefallen, der
schon seit 1884 im Dienste der kgl. Museen steht, auf den
bisherigen Direktorialassistenten an der Gemäldegalerie Prof.
Dr. Hugo von Tschudi. Kr ist aus Osterreich gebürtig,
stammt aber aus einer schweizerischen Familie und siedelte
vor etwa elf Jahren von Wien nach Berlin über. Seine
Studien waren bisher nur der alten Kunst, insbesondere
der italienischen Renaissance gewidmet. Am Tage vor seiner
durch den „Reichsanzeiger" veröffentlichten Ernennung hat
die offiziöse „Berliner Korrespondenz" eine kgl. Ordre vom
29. Januar bekannt gemacht, nach der die bisherige Stellung
der Nationalgalerie innerhalb der Kunstverwaltung wesent- j
lieh geändert worden ist. In der Ordre wird bestimmt, dass
die Nationalgalerie der General Verwaltung der Museen in
Berlin unterstellt wird, zu deren Geschäftskreis schon bisher
das Alte und das Neue Museum am Lustgarten, das Museum ;
für Völkerkunde und das Kunstgewerbemuseum gehörten. Die
Ankäufe für die Galerie werden indes auch in Zukunft durch
das Kultusministerium nach Anhörung der in jedem Früh-
jahr und sonst nach Bedürfnis zusammentretenden Landes
kunstkommission bewirkt werden. Der Direktor der National-
galerie, der also jetzt Abteilungsdirektor bei den königlichen
Museen ist, ist zugleich Mitglied der Landeskunstkommission
und des Senats der Akademie der Künste in Berlin. Dr. von
Tschudi steht im Alter von 45 Jahren.

%* Baurat Ludwig Hoffmann, der Erbauer des Reichs-
gerichtsgebäudes in Leipzig, ist zum Stadtbaurat von Berlin I
gewählt worden.

WETTBEWERBUNGEN.

%* In dem Wettbewerb um ein Plakat für die internatio-
nale Kunstausstellung zu Dresden 1897 sind von den Preis-
richtern folgende drei Preise verteilt worden: der erste Preis
im Betrage von 000 M. mit der Zuweisung der Ausführung
an Albert Klingner in Berlin, der zweite Preis im Betrage
von 400 M. an Osmar Schindler in Dresden, der dritte Prei^
in gleicher Höhe an C. R. Weiß in Karlsruhe.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

A. R. Aus den Berliner Kunstausstellungen. Es ist
leider kein erfreuliches Bild, das uns die Ausstellungen im
Januar und Februar geboten haben. Streng genommen sollte
man an dieser Sammelstelle, in der in jedem Jahreslaufe
selbst nur das Beste von den nur auf Wochen und Monate
bemessenen Ausstellungen flüchtig skizzirt werden kann,
überhaupt von Veranstaltungen schweigen, deren Zweck ent-
weder nur das Marktgeschäft oder die Sensation um jeden
Preis ist. Bei Eduard Schulte werden beide Zwecke immer ge-
schickt verflochten. Im Oberlichtsaal giebt es immer eine „Sen-
sation", etwas zum Aufregen, zum Bewundern und Streiten,
während in den vorderen Räumen die „marktgängige Ware"
angepriesen und feilgeboten wird. Hier herrschen die
malenden Damen, die ihre schnell fertig gemachten Bild-
nisse ausstellen, um möglichst bald einen neuen Auftrag von
der durch die Säle flanirenden Aristokratie und reichen
Bourgeoisie zu erhaschen. Daneben noch Landschaften fin-
den Wandschmuck und Fächermalereien für die Ballsaison.
Die echte und rechte Künstlerschaft wurde bis zum 15. Febr.
im Oberlichtsaal durch die Ausstellung des „Künstler-West-
klubs" vertreten. Was diese Genossenschaft eigentlich will, wird
mit jeder neuen ihrer Ausstellungen immer unklarer. Wenn
sie den Zweck hat, dass ihre Mitglieder alljährlich einmal
den unverkäuflichen Rest ihrer Atelierstudien vor dem
Publikum ausbreiten, so ist dieser Zweck noch niemals so
vortrefflich erreicht worden, wie in diesem Jahre. Die
Heiterkeit, die diese Erzeugnisse erregen, ist so billig, dass
wir sie nicht schildern wollen. Unter den Mitgliedern des
Westklubs befinden sich aber auch ernste Künstler, und sie
sollten sich nicht dazu hergeben, Atelierspäße oder auch
wirklich ernst gemeinte, aber noch unreife Versuche öffent-
lich auszustellen. Mit Rücksicht auf sie nennen wir keinen
der Kobolde, die unter dem Namen „Westklub" ihr loses
Spiel mit dem Publikum getrieben haben. — Man erzählt
sich in Berlin, dass alle Künstler und Künstlerinnen das
Beste ihres Schaffens für die große Ausstellung zurückbe-
halten haben. Damit wird auch der klägliche Gesamtein-
druck beschönigt, den die Ausstellung des Vereins der
Künstlerinnen im Akademiegebäude macht. Hier haben
selbst Künstlerinnen versagt, die sich im Porträt und in der
Landschaft eine Stellung erobert hatten, dass man ihnen
gegenüber nicht mehr die geringschätzige Nachsicht zu üben
brauchte, mit der man sonst gut gemeinte Leistungen eines
schwächlichen Dilettantismus bemäntelt. So ist, um nur ein
Beispiel hervorzuheben, die sonst sehr tüchtige Porträt-
malerin Frau Poppe - Lüderitx,, zugleich eine treffliche
Zeichnerin, an einer Aufgabe idealen Stils, einer lebens-
großen Sappho auf einem Ruhebett, von ihren Dienerinnen
umgeben, völlig gescheitert. Auch die italienischen Land-
schaften der Frau Begas-Parmcnticr stehen nicht auf der
Höhe des Könnens, an das uns dieses wahrhaft männliche
Talent gewöhnt hatte. Am auffallendsten aber ist, dass die
Künstlerinnen selbst in ihrer eigenen Domäne, im Blumen-
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