Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

Seite: 369
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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine.

HERAUSGEBER:

t CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58. Yorkstraße 20.

Verlag von SEEMANN & Co. in LEIPZIG. Gartenstr. 17. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VIII. Jahrgang.

1896/97.

Nr. 24. 13. Mai.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerlieblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, a 30 Pf- für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

In Folge des Ablebens des Herrn Professor v. Lützow in Wien ersucht die unterzeichnete
Verlagsbuchhandlung die Herren Mitarbeiter, ihre Beiträge für die Zeitschrift für bildende Kunst
und die Kunstchronik bis auf weiteres ihr nach Leipzig, Gartenstrasse 17 zuzusenden.

SEEMANN & Co.

august strater.

Am 13. Februar starb zu Aachen im sechsuud-
achtzigsten Lebensjahre Dr. August Sträter. Seine
Kupferstichsammlung zählte zu den besten und gewähltesten
in Deutschland, und wenn er sie auch seit Jahren nicht
mehr wesentlich bereicherte, so war es dem intimeren
Kreise der Kunstfreunde wohl bekannt, dass sie das
Beste enthielt, was um die Mitte
unseres Jahrhunderts an kostbaren
Abdrücken besonders der großen
niederländischen Radirer: Rein-
brandt, Ostade, Ruysdael, Potter,
Berghem, Everdingen, Waterloo auf
den Markt gekommen war. Die
Perlen der Sträter'schen Sammlung
stammten aus den Auktionen Ver-
stolk van Soelen, Six, Alferoff, Ga-
lichon, Guichardot, Firmin -Didot,
Heimsoeth, Habich, Bucclengh, Sey-
mour Haden und Mitchell

Dr. Sträter wurde am 13. Juni
1810 zu Rheine in Westfalen ge-
boren. Er entstammte einer be-
güterten Kaufmannsfamilie, die ein
Zweiggeschäft in Amsterdam besaß.
Von dort kam eine Reihe alter Ge-
mälde und Stiche in das elterliche
Haus, die das Interesse des Kindes
für Kunst weckten und seine Neigung

August Sträter; nach einer Photographie

schon damals gerade auf das Gebiet der holländischen
Kunst des siebzehnten Jahrhunderts lenkten. Noch wäh-
rend seiner Studienzeit unternahm er in den Jahren 1829
und 1831 Kunstreisen nach Italien. — Als thätigem
Mitglied der Allgemeinen deutschen Burschenschaft in
Bonn und Heidelberg, drohte ihm ein politischer Prozess,
dem er sich im Jahre 1832 durch die Flucht entzog, um
sich dann etwa sechs Jahre lang in Paris, Wien, London
und Amsterdam an dortigen Kliniken
weiter für seinen Beruf auszubilden.
1838 begnadigt, ließ er sich ein
Jahr später als praktischer Arzt in
Aachen nieder, wo er fast sechs
Decennien, bis zu seinem Tode blieb,
nur seinem Berufe und der Kunst
lebend. Im Jahre 1851 vermählte
er sich mit Bertha von Forckenbeck,
einer Cousine des nachmaligen Reichs-
tagspräsidenten und späteren Ober-
bürgermeisters von Berlin, die ihm
1891 im Tode voranfging. Vier
Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter,
sind dieser glücklichen Ehe ent-
sprossen. Innige Freundschaft ver-
band Sträter mit einem anderen
bekannten Aachener Kunstfreund:
Barthold Suermondt, ebenso mit
Rigal, Dutuit und dem unvergess-
lichen Liphart, den er noch 1885
als Fünfundsiebzigj ähriger gelegent-
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