Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbe.

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Gruss, das Haupt des Sterbenden zu küssen. Welch
ein schneidender Kontrast, dies Drama von Schuld
und Herzeleid, dies blühende junge Leben, das sich
verblutet, und die goldene Morgensonne, die sich
strahlend am Horizont emporhebt, heute wie alle Tage
ihren licht- und segenspendenden Siegeszug über die
Erde zu halten!

Mit dem Eindruck dieses nachdenklich stimmen-
den Gemäldes, das auch in der malerischen Aus-
führung die geübte und fleissige Künstlerhand verrät,
mag man getrost »die Gärten von Venedig" verlassen.
In zwei Jahren werden sie sich wieder öffnen, denn
es kann kein Zweifel sein, dass durch diese zweite
Ausstellung, an welcher sich alle Nationen in so
glänzender Weise beteiligt haben, und welche auch
äusserlich wahrhaft überraschende Erfolge zeitigte,
der Lagunenstadt ihr Salon für die nächsten Decen-
nien gesichert ist.

NEKROLOGE.

T. In Philadelphia starb am 25. Oktober im 89. Lebens-
jahre der in England geborene Maler und Kupferstecher
John Sartain, 1843 wurde er Eigentümer von Campbeils
Foreign Semimonthly Magazine, und 1848 erwarb er die
New Yorker Zeitschrift Union Magazine, deren Namen er
in Sartains Union Magazine umwandelte. Während des vier-
jährigen Bestehens der letzteren, die seiner Zeit sehr ver-
breitet war, ging eine Unmenge vorzüglicher Kupferstiche
zu Bücherillustrationen aus Sartains Hand hervor. In Phila-
delphia war Sartain der Mittelpunkt des dortigen Kunstlebens.
Während der Weltausstellung daselbst (1876) hatte er die
Obhut über das Kunstdepartement, wodurch er sich haupt-
sächlich bekannt gemacht hat. Ihm verdankt man auch die
Entwürfe zahlreicher Denkmäler, so des Washington- und
Lafayette-Monuments in Philadelphia.

München. — Der frühere langjährige Direktor des Kgl.
Bayer. Nationalmuseums Geheimrat Prof. Dr. Wilhelm Hein-
rich von Riehl, hauptsächlich als Kulturhistoriker bekannt, ist
am 16. November im Alter von 74 Jahren in München ver-
storben.

Rom. — Im Hospiz St. Michael starb im Alter von
80 Jahren der Bildhauer Luigi Amici, der Schöpfer des Grab-
denkmals Gregor XVI. in St. Peter. Eine kleine zu dem
Kreuz des Verdienstordens von Savoyen gehörige Pension
schützte den Künstler zwar nicht vor Armut, aber wenigstens
vor dem Verhungern. v. a.

T. Paris. — Am 11. November verstarb im Alter von
72 Jahren der Maler Aug. Boulard, ein Freund Jules Dupre's,
seiner künstlerischen Richtung nach der französischen Schule
vom Jahre 1830 angehörend. Boulard war ausserordentlich
vielseitig, er malte Porträts, Landschaften, Stillleben und
Genrescenen. Dem grossen Publikum war er vor der Bil-
dung der Societe du Champ de Mars fast unbekannt, erst
durch die jährlichen Ausstellungen derselben, sowie durch
eine Kollektivausstellung seiner Werke im letzten Jahre
lernte man ihn eigentlich kennen.

PERSONALNACHRICHTEN.

*„* Dr. Adolf Brüning ist zum Direktorialassistenten
am Kgl. Kunstgewerbemuseum in Berlin ernannt worden.

WETTBEWERBE

*, * Von der Berliner Kunstakademie. Der Wettbewerb
um den grossen Staatspreis für das Jahr 1898 ist für Archi-
tekten ausgeschrieben worden. Der vom Senat der Akademie
stiftungsgemäss auszuschreibende Wettbewerb um den Preis
der ersten Michael Beer'schen Stiftung ist für das Jahr 1898
für jüdische Maler aller Fächer eröffnet worden. Der Preis
der zweiten Michael Beer'schen Stiftung für Bewerber ohne
Unterschied des religiösen Bekenntnisses ist für das Jahr
1898 für Kupferstecher bestimmt worden. — Aus der Ernst
Reichenheim-Stiftung, die der Kaufmann Ferdinand Reichen-
heini zum Andenken an seinen verstorbenen Sohn, den Maler
Ernst Reichenheim begründet hat, und die für junge be-
fähigte Maler aus den höheren Semestern der akademischen
Hochschule, ohne Unterschied der Konfession, bestimmt ist,
wurden zwei Stipendien von je 600 Mark: 1) dem Maler
Oskar Heller aus Stauding in Mähren, 2) dem Maler Franz
Triebsch aus Berlin, dem ersteren zum zweiten Male, für das
Jahr 1897/1898 verliehen.

* „ * Zur Erlangung einer Hochzeits-Medaille oder
-Plakette hat der preussische Kultusminister einen Wettbe-
werb für preussische und in Preussen lebende andere deut-
sche Künstler ausgeschrieben, aus dessen näheren Bedin-
gungen wir die folgenden wiedergeben: Verlangt wird ein
Wachsmodell in der drei-, vier- oder fünffachen Grösse der
Ausführung, dessen Durchmesser oder längstes Mass min-
destens 20 cm beträgt und 30 cm nicht überschreiten darf.
Die Form der Medaille oder Plakette ist dem Ermessen des
Künstlers anheimgestellt. Es können eine oder beide Seiten
künstlerisch ausgeführt werden. Auf einer Seite ist Raum
vorzusehen für eine einzugravirende Inschrift, welche min-
destens das Datum der Eheschliessung, thunlichst aber auch
die Namen des Ehepaares enthalten soll. Das Modell muss
sorgfältig durchgearbeitet sein, so dass es nach Verkleinerung
durch die Maschine für Herstellung des Stempels benutzt
werden kann. Die Inschrift ist in einem beliebig gewählten
passenden Beispiele vollständig zu entwerfen. Dem Modell
ist eine Photographie beizugeben, welche es in der von dem
Künstler für die Ausführung beabsichtigten Verkleinerung
zeigt. Jeder Entwurf muss mit einem Kennwort versehen
sein. Ausserdem ist ein geschlossener, dasselbe Kennwort
tragender Briefumschlag beizugeben, in welchem sich die
Angaben über Namen und Wohnung des einsendenden
Künstlers befinden. Die Einlieferung der Modelle hat bis
zum 23. April 1898, nachmittags 3 Uhr im Bureau der
Königlichen Akademie der Künste in Berlin NW., Univer-
sitätsstrasse 6 zu erfolgen. Für den besten Entwurf wird
ein Preis von 2000 Mark ausgesetzt. Ferner werden dem
Preisgericht noch 3000 Mark zur Verfügung gestellt, um
weitere Preise zu verteilen, so weit befriedigende, eines
Preises würdige Lösungen eingehen. Als Preisgericht ist die
preussische Landes-Kunstkommission bestellt. Der Minister
beabsichtigt und behält sich das Recht vor, den durch den
ersten Preis ausgezeichneten und geeigneten Falls noch andere
preisgekrönte Entwürfe in Bronze oder Silber ausführen zu
lassen und für amtliche Zwecke, besonders zu Geschenken
für öffentliche Sammlungen oder Anstalten zu vervielfältigen.

O Der Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen
in Berlin hatte unter seinen Mitgliedern einen Wettbewerb
um ein Plakat ausgeschrieben, das für die nächstjährige
Kunstausstellung des Vereins bestimmt ist. Der Wettbewerb
hatte ein so lebhaftes Interesse erregt, dass über 60 Ent-
würfe eingelaufen sind, von denen die Jury dem des Fräu-
lein Wahl den ersten Preis und dem des Fräulein Schütz
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