Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Bücherschan. — Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbe. — Sammlungen und Ausstellungen.

stammt aus den dreissiger Jahren des 17. Jahr-
hunderts.

Das durch die Datierung (1624) besonders inter-
essante männliche Porträt von Frans Hals ist ein
gutes und charakteristisches Werk aus der lichten,
freudigen Zeit des Meisters. Der kleine „Ostade" ist
ganz besonders hübsch und vereinigt mit einer diesem
Maler speciell eigenen Kunst Schärfe der Durchfüh-
rung mit malerischer Weichheit der Erscheinung.

Die Ausstattung der Publikation ist genau ebenso
wie die des Schweriner Galeriewerkes. Alles, was
zum Lobe jener Mappe gesagt wurde, gilt auch von
dieser, die etwa noch dankenswerter erscheint, weil
sie einer Privatsammlung gewidmet ist.

MAX J. FRIED LA ENDER.

BÜCHERSCHAU.

Der Cicerone. Eine Anleitung zum Qenuss der Kunst-
werke Italiens von Jacob Burchhardt. Siebente verbesserte
und vermehrte Auflage unter Mitwirkung von C. v. Fabriczy
und anderen Fachgenossen bearbeitet von Wilhelm Bode.
Leipzig, E. A. Seemann, 1898.
Die kürzlich erschienene siebente Auflage des Cicerone
zeigt in der äusseren Gestalt und in der Anordnung des Stoffes
keine erhebliche Abweichung von der letzten Auflage des
Jahres 1893, nur dass im ersten Bande des zweiten Teiles
jetzt die Plastik der Architektur vorangeht, während es in
den früheren Auflagen umgekehrt war. Das ganze Werk
besteht wieder aus vier Bänden, von denen der erste die antike
Kunst behandelt. Die übrigen drei Bände sind dem zweiten
Teil, der neueren Kunst, gewidmet. Plastik und Architektur
füllen den einen, die Malerei den anderen Band, während
der dritte den Registern des zweiten Teiles, der neueren
Kunst, vorbehalten ist. Die letztere Einrichtung hat sich im
Laufe der Jahre sehr bewährt und allseitige Anerkennung
gefunden. Man kann dieses nur circa 150 Seiten starke Buch
an Ort und Stelle sehr gut als kurzen, das Hauptsächlichste
enthaltenden Katalog benutzen und sich nachträglich nach
den beigefügten Seitenzahlen im Text über die betreffenden
Kunstwerke orientieren. Eine neue Auflage des Cicerone
war gerade deshalb sehr wünschenswert, weil durch Ven-
turi's rastlose Thätigkeit in den italienischen Sammhingen
während der letzten Jahre zahlreiche Umwälzungen und
Verbesserungen vorgenommen worden sind, welche zu be-
rücksichtigen waren und auch gewissenhaft berücksichtigt
worden sind. Auch an Umfang hat der Cicerone gewonnen,
wenigstens der zweite Teil, die neuere Kunst, der, gegen die
845 Seiten der sechsten Auflage, 928 Seiten zählt. Besonders
der Plastik und Architektur ist diese Erweiterung zu gute
gekommen. In dem der Malerei gewidmeten Bande ist ein
ganz neuer kleiner Abschnitt, den Kupferstich und Holz-
schnitt behandelnd, eingeschoben worden, die bis jetzt
im Cicerone ganz vernachlässigt wurden. Das Register lehrt
uns, dass auch eine ganze Reihe kleinerer Städte aufge-
nommen worden ist, ein Umstand, der besonders den Kunst-
gelehrten, die abgelegenere Gebiete aufsuchen, willkommen
sein wird. Der gesamte Inhalt ist auch diesmal einer genauen
Revision unterworfen worden, um die Künstlerbestimmungen
mit den neuesten Forschungen in Einklang zu bringen und
neu gefundene oder erworbene Kunstwerke einzureihen.
Wilhelm Bode hat auch diese siebente Auflage des wichtigen

Werkes bearbeitet, mit einer ganzen Reihe von Mitarbeitern,
unter denen diesmal C. von Fabriczy besonders mitgewirkt
hat. Der Name Bode's, welcher Italien kennt wie kein zweiter
deutscher Kunstgelehrter und der mit weit umfassendem
Blick alle Gebiete der Kunst beherrscht, bürgt uns dafür,
dass der Cicerone in wissenschaftlicher Beziehung auf der
Höhe steht und dem Laien sowohl als dem Forscher in der
That als Führer und Leiter durch Italiens Kunstschätze
dienen kann. u. n.

NEKROLOGE.

Budapest. — Der Genremaler Otto Koroknyai (geb.
1856), der in den letzten Jahren auch Porträts und Historien-
bilder malte, ist in Budapest am 27. April gestorben.

N.

f Petersburg. — Der bekannte Schlachtenmaler N. D.
Dmitrijew-Orenburgski, geboren 1838 in Nishni-Nowgorod,
ist am 21. April gestorben. 1871—1874 arbeitete derselbe
bei Knaus und Vautier in Düsseldorf, dann längere Zeit in
Paris. Der russisch-türkische Krieg veranlasste ihn, sich der
Schlachtenmalerei zu widmen, in der er Bedeutendes leistete.
Er malte unter anderem einen Cyklus von 30 Bildern aus
dem russisch-türkischen Kriege, der sich im Besitze des
russischen Hofes befindet. 1883 wurde er zum Professor der
Schlachtenmalerei ernannt.

PERSONALNACHRICHTEN.
München. — Die durch den Tod Alexander von Liezen-
mayer's erledigte Professur für kirchliche Malerei an der
Akademie der bildenden Künste ist dem Maler Martin t iHir-
stein, geboren 1856 im Elsass, übertragen worden.

WETTBEWERBE.

f Preisausschreiben für einen monumentalen Brunnen in
Bromberg. Das preussische Kultusministerium hat für einen
monumentalen Brunnen auf dem Weltzie'nplatz hinter der
Paulskirche in Bremberg für preussische und in Preussen
lebende andere deutsche Bildhauer einen Wettbewerb aus-
geschrieben, in dem drei Preise von 3000, 2000 und 1000 M.
zur Auszahlung kommen und dem Preisgericht vorbehalten
ist, höchstens fünf weiteren Bewerbern für anerkennenswerte
Arbeiten Entschädigungen von je 600 M. zuzusprechen. Für
die Gesamtkosten der Ausführung des Brunnens, dessen
Bildwerke in Bronze hergestellt werden sollen, stehen 80000
bis 100000 M. zur Verfügung. Die Entwürfe sind bis zum
1. Dezember 1898, nachmittags 3 Uhr in der Kgl. Akademie
der Künste in Berlin, Unter den Linden 38, kostenfrei einzu-
senden. Die Entscheidung erfolgt durch die Landes-Kunst-
kommission, welcher zu diesem Zwecke zwei Vertreter der
Stadt Bromberg mit Stimmrecht beitreten. Ein Plan des
Weltzienplatz.es und seiner Umgebung sowie ein Abdruck
des Preisausschreibens, das die näheren Bestimmungen ent-
hält, können bei dem Bureau der Kgl. Akademie der Künste
in Berlin, Universitätsstrasse 6, in Empfang genommen
werden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Paris, Behufs Einreihung der Neuerwerbungen ist das
Luxembourg-Museum Ende März vierzehn Tage lang ge-
schlossengewesen. Direktor Benedite hat diese Zeit zu umfang-
reichen Veränderungen benutzt. Zunächst sind sämtliche
Bilder des Museums niedriger gehängt worden und eine
grosse Anzahl hat günstigere Plätze erhalten. Ferner hat im
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