Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Sammlungen und Ausstellungen.

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Saale der vorübergehenden Schwarz- und Weiss-Ausstellungen
der Radierer Bracquemond dem höchst interessanten Erneuerer
des Kupferstichs Gaiüard (1834—1887; vgl. über ihn den
Aufsatz Benedites in der Chronique des Arts vom 16. April)
Platz gemacht. Die nächste Ausstellung soll den Litho-
graphien Fantin-Latour's gewidmet sein. — Die Neuer-
werbungen erstrecken sich auf alle Gebiete. 1) Gemälde
und Pastelle. In die kleine Reihe der im Luxembourg
vertretenen ausländischen Künstler ist der Genfer Baud-
Bovy mit einer von der Abendsonne überstrahlten Gebirgsee-
landschaft und der junge Amerikaner Tanner mit seiner
„Auferweckung des Lazarus", die im vorigen Salon berech-
tigtes Aufsehen erregte, aufgenommen worden. Im Saale I
hat das schöne Porträt seines Vaters von Francais, im Saale II
die trefflich gemalte, an Bonvin erinnernde „Wirtschaftsfrau"
von Joseph Bai!, auch aus dem vorigen Salon bekannt, im
Saale III das Bildnis Dumas' von Meissonnier und eine
grosse stimmungsvolle Landschaft von Boudot („die goldene
Jahreszeit") Aufstellung gefunden. Die nicht übermässig
wertvollen neuen Bilder des Saales V — das Francais-
Bildnis von Carolas Daran und das Porträt seines Vaters
von dem kürzlich verstorbenen Boalard — sind wohl beide
Schenkungen. Äusserst zahlreich, aber von sehr verschie-
denem Werte, sind die Neuerwerbungen der beiden hin-
tersten Säle. Das bemerkenswerteste Bild im Saale VIII ist
ein Werk von Lunois, eine jener spanischen Scenen, die durch
seine Lithographien so bekannt geworden sind; nächstdem
erregen ein Pastellporträt von Roll, ein kleines Herbstbild
aus dem Parke von Versailles von Helleu, der als Zeichner
und Radierer weit bekannt ist, und ein — man verzeihe den
Ausdruck — „fesches" Pastell eines halbausgekleideten Mäd-
chens von Vidal unser Interesse. Weniger erfreulich ist der
liegende „Heilige Hieronymus" von Benner, das grosse
Damenbildnis von Baschet und besonders die geleckte „Dame
am Klavier" von Mochard. Die vier neuen Bilder des
Saales IX sind alle trefflich. Die vielleicht ein wenig zu
ideal aufgefassten, stark an Harrisson erinnernden „Hand-
werksburschen am Bache" von Muenier (Marsfeldsalon 180,7)
wie die kräftige Freilichtmalerei „In der Stierkampfarena*
von Rivhon-Brunet, desgleichen die koloristisch äusserst
kühne „Bitte an die Jungfrau" von Bompard, wie die vom.
zartesten Goldschimmer überhauchte Dämmerungslandschaft
„Der Herbst" von Rene'Menard (Pastellisten-Ausstellung 1897).
Saal XI endlich enthält ausser der wundervollen „Nacht"
von Fantin-Latour, vielleicht dem schönsten Bilde des vor-
jährigen Salons der Champs Elysees, ein grosses Familien-
bildnis von Carolas Daran (Marsfeld 1897), eine Mond-
scheinlandschaft von Chudant und minder bedeutende Werke
von Ordinaire, Brandau und Sabatte.— 2) Skulpturen. Die
schöne Marmorgruppe „Hagar und Ismael", die ihrem
Schöpfer im vorigen Jahre beinahe die Ehrenmedaille ein-
getragen hätte, hat wegen ihrer Grösse nur im Vorgarten
des Museums aufgestellt werden können. In den Skulpturen-
saal ist eine zarte Mädchenfigur „Auf dem Felde" von
Boueher, eine grosse realistisch aufgefasste Frauengestalt „Die
Verzweifelung" von Captier (beide von den Champs Elysees
1897) und die kleine Reiterstatue Napoleons von Geröme auf-
genommen worden. — 3) Die Sammlung moderner Medaillen
ist durch die Aufnahme eines Rahmens mit Medaillen von
Patey und von 50 Medaillen von Chapu sowie von neuen
Werken von Vernier zur grössten Frankreichs geworden. -
4) Unter den kunstgewerblichen Gegenständen sind eine
grosse japanisierende Vase von Allonard und verschiedene
neue Erzeugnisse der Manufaktur von Sevres hervorzuheben.

1 .............O. ,

Lübeck. — Im September d. J. veranstaltet der Lübecker
Kunstgewerbeverein eine internationale Ausstellung von Pla-
katen und modernem Buchschmuck. Anmeldungen und
Auskünfte durch Architekt Max Metzger, Lübeck, Sophien-
strasse 24, und Otto Grautoff, Stettin, Bogislavstrasse 7 II.

München. — Die Jury der Jahresausstellung 1898 im
Kgl. Glaspalast hat sich folgendermassen konstituiert. Sektion
Malerei: Hans Petersen, Vorsitzender, Heinrich Rettig,
Schriftführer; Angelo Graf v. Courten, Emil Hellrath, Karl
Gustav Herrmann, Professor Johann Herterich, Frank Kirch-
bach, Dr. Franz v. Lenbach, Albert Müller-Lingke, Franz
Pemat, Emil Rau, Ernst Schmitz, Leopold Schmutzler, Pro-
fessor Otto Seitz, August Splitgerber. Sektion Bildhauerei:
Karl Georg Barth, Vorsitzender, Fritz Christ, Josef Menges,
Franz Schneider, Julius Zumbusch. Sektion Architektur:
Professor Josef Bühlmann, Vorsitzender, Martin Dülfer,
Professor Georg Hauberrisser, Professor Heinrich Freiherr
v. Schmidt, Professor Emanuel Seidl, Professor Gabriel Seidl.
Sektion vervielfältigende Künste: Wilhelm Rohr, Vorsitzender,
Georg Hensinger, Josef Holzapfel.

London. — Eröffnete Sommerausstcltungen. Bis jetzt sind
unter der Flut von Kunstausstellungen als die wichtigeren für
die kommende Saison, die nachstehenden zu bezeichnen: Im
„ BurlingtonFineArt Club", Gemälde der altenMailänderSchule.
Im ganzen 75 Bilder aus englischem Privatbesitz, von denen
etwa 40 bisher niemals öffentlich ausgestellt wurden. — Die
„New-Gallery" zeichnet sich aus durch mehrere Porträts
von Sargent, sowie durch Werke von Watts, Burnc-Jones,
Walter Crane und Alma Tadcma. — Die Stützen in der dies-
jährigen „Ausstellung der Aquarellisten" bilden die Arbeiten
von Thorne Waite, W. Allan, Goodwin, E. Walker, Mar-
shall, Pilsbury, Miss Montalba und last not least, die ihres
Präsidenten Ernst Watcrlow. Die Landschaft dominiert,
dagegen fehlen Porträts fast gänzlich, wenn man als solches
nicht den berühmten Ägyptologen Petrie betrachten will,
der bei Theben Ausgrabungen leitend dargestellt ist. Walter
Crane hat ein nicht recht verständliches Werk in Gestalt
eines an eine Thür klopfenden Engels geliefert. — England
ist das Land der Specialitäten, und so sehen wir im „Alpen-
Klub" hier zur Sache Gehöriges von Mac Whirier und
A. Parsons. In der Ausstellung bei Dunthorne dagegen
nur Bilder von Kairo bis Assouan. —In der „Fine Art Society"
hat der französische Karikaturist Caran d'Ache der Aus-
stellung seinen Stempel aufgedrückt. — „Die Gesellschaft
der Freunde französischer Miniaturen" hat in der „Hannover-
Gallery" ihre Sammlungen dem Urteil des Publikums vor-
gelegt. — In der „Dowdeswell-Gallery" sind in diesem Jahre
nur Aquarellen von englischen Kathedralen zu sehen. Die
besten Arbeiten stammen von Mr. und Mrs. Hine. — Mr.
Goode in South-Audley Street hat eine historische Aus-
stellung ins Leben gerufen, die Porzellan, Wappenmalerei,
alte Emails, Krönungs- und Wappengläser enthält. Besonders
bemerkenswert sind alte Emails nach Flaxman, von Thomas
Bott ausgeführt. Ebenso sind Arbeiten nach Raphael, Guido
Rem', Thorwaldsen und Gibson vorhanden. — Im Krystallpalast
hat der Prinz von Wales eine photographische Ausstellung
eröffnet, die in jeder Beziehung eine Übersicht von Daguerre
bis zum heutigen Tage gewährt. v. Schleinitz.

Amsterdam. — Die Rembrandt-Ausstellung; welche zu
Ehren der Krönung der jugendlichen Königin Wilhelmina
hier stattfinden wird, verspricht nach den bisherigen Zu-
sagen glänzend zu werden. Die englischen Rembrandt-
besitzer, dem Beispiele ihrer Königin folgend, stellen in
liberalster Weise ihre Schätze zur Verfügung. Die Herzöge
von Westminster und Devonshire, die Earls of Northbrook,
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