Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

Seite: 471
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471 Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

sehen Verständnis für das Wesentliche der Erscheinung
durchgeführt. Die Zeichnung Ernst Walther's, eines Künst-
lers, der sich schon wiederholt in der Stilisierung von Blumen
mit Glück versucht hat, ist offenbar durch den Druck ver-
dorben worden. Wenigstens ist uns glaubhaft versichert
worden, dass das Original einen wesentlich günstigeren Ein-
druck gemacht hätte. So aber, wie diese „Paeonien" in der
Lithographie gekommen sind, mit dem schmutzig violetten
Hintergrund und der unklaren Linienführung in der Wieder-
gabe der Blumen selbst, werden sie niemandem Freude be-
reiten. Wir meinen, es wäre besser gewesen, dieses Blatt
zurückzuziehen. Die Radierung Hans Unger's, eine Land-
schaft mit Pappeln bei bewölktem Himmel, ist wiederum
sehr geschickt gemacht, aber doch nur eine etwas oberfläch-
liche Arbeit, die keinen Fortschritt in der Entwicklung des
Künstlers bezeichnet. Hans Hochmann hat die Hauptpartie
seines Ölbildes „Feierabend" radirt, aber es ist ihm nicht
gelungen, die sonnige Heiterkeit und malerische Kraft des
Originals in der Nachbildung festzuhalten, obwohl er ein
technisch flott behandeltes und für bescheidene Ansprüche
genügendes Blatt geschaffen hat. — In Zukunft soll nach
einem unlängst gefassten Beschluss des Vereins das Format
der Vierteljahrshefte verkleinert werden, eine Massregel, die
die meisten Abnehmer im Interesse der bequemeren Auf-
bewahrung mit Freuden begrüssen werden. Die Hefte
werden nach wie vor im Kommissionsverlag von E. Arnold,
Hofkunsthandlung (A. Gutbier), Dresden, Schlossstrasse er-
scheinen. H. A. UER.

NEKROLOGE.

f Am 26. Mai ist in Rilly la Montaigne bei Reims der
1838 in Koblenz geborene Maler Ruinart de Brimont ge-
storben. Er wurde an der Düsseldorfer Akademie unter
Achenbach ausgebildet und kehrte nach grossen Reisen 1870
nach Frankreich zurück. Bei einem Preisausschreiben des
Figaro über den Vorwurf „Paris in der Zukunft" erhielt sein
Bild den eisten Preis.

f Am 12. Mai starb in Petersburg der russische Karika-
turzeichner N. A. Bogdanow. Er wurde 1842 in Kiew ge-
boren und siedelte, nachdem er dort das Gymnasium besucht
hatte, nach Petersburg über. Bogdanow galt als der erste
russische Karrikaturzeichner und war Mitarbeiter vieler
humoristischer Zeitschriften, auch als Miniaturmaler zeichnete
sich der Verstorbene aus..

*,* Der Kunstschriftsteller und Maler August Dem min,
dessen Specialität Kunstgewerbe und Waffenkunde war, ist
am 16. Juni in Wiesbaden im Alter von 81 Jahren gestorben.

* „ * Der englische Maler Edward Barne-Jones, einer der
letzten aus der Schule der Präraffaeliten, ist plötzlich am
16. Juni, im 65. Lebensjahre, gestorben.

London. — Am 28. Mai starb in Woodcroft in der Nähe
Londons, im Alter von 56 Jahren, Mr. Leopold Lowenstam,
einer der hervorragendsten Radierer Englands. In Amster-
dam geboren, begann er daselbst seine Studien, und widmete
sich schon dort frühzeitig der Kupferstichkunst. Im Jahre
1871 erhielt er von der schwedischen Regierung einen Ruf
nach Stockholm und errichtete hier eine Radiererschule.
Im Jahre 1873 siedelte der Meister endgültig nach London
über. Seine Radierungen bestehen meistens aus Arbeiten nach
Gemälden von Alma Tadenia, Rosa Bonheur, L. Marks,
Dandy Sadler, Sir E. Poynter, Sir J. Linton und J. Israels.

v. s.

London. — Am 29. Mai starb Lord Playfair, der 1819
geboren und im Jahre 1892 zum Mitgliede des Hauses der

Lords ernannt worden war. Erstudierte unter Liebig in Giessen
Chemie, erhielt aber, als 1853 in England das „Department of
Science and Art" eingerichtet wurde, die Stelle als Sekretär
daselbst. 1857 wurde der Verstorbene zum Generalinspektor
aller Staatsmuseen und sämtlicher Schulen für Kunst und
Wissenschaft ernannt. Die von ihm in dieser Eigenschaft
herausgegebenen Kataloge und Bücher füllen mehrere Seiten
in den Verzeichnissen des British-Museum. Lord Playfair war
Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften, Ehrendoktor der
Universität Giessen, Inhaber der Ehrenlegion, des Franz
Joseph-Ordens, einer württembergischen Dekoration und
vieler anderer Auszeichnungen. v-

PERSONALNACHRICHTEN.

* * * Der Kaiser hat aus Anlass der Vollendung des
ersten Jahrzehntes seiner Regierung folgenden Künstlern und
Kunstgelehrten Auszeichnungen verliehen: dem Professor
Carl Justi in Bonn den roten Adlerorden 3. Kl. mit der
Schleife, dem Maler Professor Emil Doepler d. J. in Berlin
die Krone zum roten Adlerorden 4. Kl., dem Direktor an
den Königl. Museen in Berlin, Professor Kckule von Stradonitz
den Kronenorden 2. Kl. und dem Marinemaler Professor
C. Saltzmann in Berlin den Kronenorden 3. Kl.

DENKMÄLER.

* „ * Für die Berliner Siegesallee sind noch acht Marmor-
gruppen anzufertigen, zu denen die Aufträge noch nicht
vergeben worden sind. Um ihre Ausführung sollen sich
etwa 200 Künstler aus allen Teilen des Reiches beim Ober-
hofmarschallamt beworben haben.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Krefeld. — Im Kaiser-Wilhelm-Museum haben zur Zeit
mehrere Berliner Künstler eine Reihe von Bildern zur Aus-
stellung gebracht. Unter ihnen ist Walter Leistikow mit
einem dekorativen Gemälde, betitelt „Corvi noctis" und einem
andern „Der Hafen". Curt Herrmann bringt verschiedene
seiner eigenartigen, reizvollen Stillleben, von denen zwei
„Apfel" und „Citronen" von einem Kunstfreund dem Museum
zum Geschenk gemacht wurden. Ferner das Porträt
„Meunier's" und dasjenige von „Van der Velde", sodann
den Studienkopf einer alten Frau. Dora Hitz hat zwei
Frauenbildnisse und die Gemälde „Mutterliebe" und „Der
Kelch" ausgestellt.

G. Im Louvre ist vom Konservator E. Molinier ein
neuer französischer Saal des 18. Jahrhunderts eingerichtet
worden. Er enthält Möbel von Riesener und Levasseur,
Bronzen von Thomire, Vasen und. Schalen von Gouthiire,
Terrakotten von Clodion, chinesisches Porzellan mit Bronze-
arbeiten des 18. Jahrhunderts u. s. w. Den Hauptschmuck
des Saales bilden ein Plafond von Boucher und vor allem
ein grosser ganz prachtvoll erhaltener Gobelin „Angelika
und Medor" nach Coypel.

Düsseldorf. — Im Lichthofe des Kunstgewerbemuseums
waren hier zwei Wochen lang die Entwürfe zu dem Wettbewerb
der Ausmalung des Rittersaales im Schloss Burg an der
Wupper ausgestellt. Die Konkurrenz war von dem Kunst-
verein für die Rheinlande und Westfalen ausgeschrieben, und
es waren vier Preise ausgesetzt. Ein erster, welchem die Aus-
führung zu teil werden sollte, in fünf Jahren für die Summe
von 50000 M. zu vollenden, dann drei Geldpreise für die
nächstbesten Entwürfe von 1500, 1000 und 500 M. Der
letzte Preis wurde von der Jury zweimal ausgezahlt und
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