Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Nekrologe. — Wettbewerbe. — Denkmäler.

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und des Luini in Saronno, der Bilder Borgognone's in Lodi
und vor allem des grossartigen Altargemäldes von Zenale
und Butinone im Dom von Treviglio. Venedig und Um-
gebung ist eine Specialität der Firma, hier ist nur das schon
Vorhandene nach allen Richtungen hin ergänzt, aber in
Assisi, Orvieto, Perugia und Spello hat Anderson im letzten
Sommer zum ersten Mal sein Glück versucht. Und die
italienische Sonne ist ihm treu geblieben. Es ist erstaunlich,
was hier alles in wenig Monaten und Wochen zu stände
gebracht ist, wie trefflich jede Aufnahme gelungen ist, wie
vorzüglich die unzähligen Details gewählt sind. Natürlich
nimmt die Kirche des h. Franz das Hauptkapitel von Assisi
ein, die ganzen Freskoreihen sind im normalen Format
photographiert, die berühmten Allegorien über dem Hoch-
altar der Unterkirche auch in Folio. In Orvieto beschränken
sich die Aufnahmen auf den Dom und die Opera del Duomo,
die Fassadenskulpturen des LorenzoMaitani, die letzten Dinge
des Luca Signorelli sind meisterhaft in zahllosen Blättern
ausgeführt. Ja selbst die wenigen hoch interessanten Reste
von Malereien Pinturicchio's im Chor hat Anderson zu finden
gewusst und mit den köstlichen Madonnen des Gentile da
Fabriano, des Lippo Memmi in seine Sammlung aufge-
nommen. Aus Perugia sind die Skulpturen des Duccio an
San Bernardino hervorzuheben und die Aufnahmen der
ganzen reichen Pinakothek, in Spello endlich wurden Pin-
turicchio's mit jedem Jahre mehr dem Verfall sich nähernde
Fresken in S. Maria Maggiore in zahlreichen Ganz- und
Detailaufnahmen photographiert. Die Arbeit dieses Jahres
wird uns leider noch nicht die allseitig gewünschte Ergänzung
der Sammlung von Florenz und Toskana bringen, sondern
Aufnahmen aus den kleineren Städten Oberitaliens, wohin
den tüchtigsten, thätigsten und gewissenhaftesten aller ita-
lienischen Photographen ältere Verbindlichkeiten rufen.

ST.

NEKROLOGE.

(f London. — Im Juli d. J. verstarb hierselbst Thomas
Kershaw. Er besass bedeutenden Einfluss auf die eng-
lische dekorative Kunst unserer Zeit, und erhielt im Jahre
1851 auf der Weltausstellung den Hauptpreis für deko-
rative Kunst. Infolgedessen wurde Kershaw zum Ehren-
bürger von London ernannt. Der Verstorbene war 1819 in
Standish geboren und erlangte als junger Künstler bereits
solchen Ruf, dass er für städtische dekorative Arbeiten, viel-
fach von den grösseren Gemeindekorporationen Englands,
Aufträge erhielt. Auch, auf der Pariser Ausstellung erhielt
er eine Medaille. Durch seine Ausführungen im South
Kensington-Museum wird sein Dekorationsstil am besten er-
sichtlich.

f Der Radierer Felicien Rops ist am 22. August auf seiner
Villa bei Paris im Alter von 70 Jahren gestorben.

f Der französische Landschafts-und Marinemaler Eugene
Boudin, ein Schüler Troyon's, ist im Alter von 73 Jahren
in Deauville gestorben.

f Der französische Landschaftsmaler Eugene Gluck, ein
geborener Elsässer, ist am 10. August 78 Jahre alt in Paris
gestorben.

WETTBEWERBE.

t In dem von der Firma Benziger & Comp, ausge-
schriebenen Wettbewerb um ein Titelblatt für die Zeitschrift
„Alte und Neue Welt" sind 42 Entwürfe eingeliefert worden.
Der erste Preis wurde nicht ausgegeben, der zweite zwischen

J. A. Seiler (München) und Loose (Leipzig) geteilt. Den
dritten Preis erhielt H. Bek-Gran (München).

Danzig. — Der Allgemeine Gewerbeverein zu Danzig
erlässt ein Preisausschreiben für Ansichtspostkarten für
Danzig und Umgebung. Die zehn besten Original-Entwürfe
werden mit Preisen ausgezeichnet (zwei Preise zu je 50 M.,
vier zu je 30 M. und vier zu je 20 M.). Die Entwürfe sind
bis zum 1. November 1898 abends 6 Uhr an den Vor-
sitzenden des Allgemeinen Gewerbevereins Herrn Julius
Momber, Danzig, Langgasse 60/61 einzusenden, von welchem
auch Abzüge des Preisausschreibens mit specielleren Angaben
kostenlos zu erlangen sind.

v. T. Budapest. — Wettbewerb für die Erbauung eines
Museums für bildende Künste. Das Museum ist zu errichten
gegenüber dem Künstlerhaus am linken Ende des Andrässy-
Boulevards auf dem von der Stadt zu diesem Zwecke über-
lassenen Terrain von 25716 qm. Das Gebäude selbst soll
einen Flächeninhalt von 12000 qm haben, von Park-
anlagen umgeben sein und mit einem Kostenaufwand von
1200000 Gulden hergestellt werden. Das Museum soll ent-
halten : 1. Die Gemäldegalerie alter und moderner Meister
(4500 qm). Die Gipsabguss- und Architekturabteilung
(4400 qm). III. Das Kupferstichkabinet (900 qm). IV. Die
Beamtenwohnungen u. s. w. (2200 qm). Zugelassen sind
Künstler ungarischer Nationalität. Ablieferungstermin für
die Pläne: 1. März 1899. Ausgesetzt sind drei Preise: 3000,
2000, 1000 Gulden. Das Preisgericht zählt elf Mitglieder,
darunter drei ausländische Architekten. Näheres zu erfahren
bei der Direktion der Gallerie Nationale (Akademiepalais).

Magdeburg. — Am 12. und 13. August tagte das Preis-
gericht für die Beurteilung der Entwürfe zu einem Neubau
des städtischen Museums der bildenden Künste. Das Preis-
gericht bestand aus den Herren Oberbürgermeister Schneider,
Stadtrat Duvigneau, Baurat Peters, stellvertr. Stadtver-
ordneten-Vorsteher Jänsch, Stadtverordneter Goedecke, Mu-
seumsdirektor Dr. Volbehr (sämtlich aus Magdeburg), sowie
der Herren Geh. Baurat Prof. Dr. Wallot-Dresden, Professor
von Thiersch-München und Stadtbaudirektor Professor Licht-
Leipzig. Eingegangen waren 7g Entwürfe. Prämiiert wurden
fünf Arbeiten, drei Arbeiten wurden zum Ankauf vorge-
schlagen. Den ersten Preis (4500 M.) erhielten die Archi-
tekten Kader und Müller, Strassburg i. E.; einen zweiten
Preis (je 2000 M.) erhielten 1. stud. architect. Georg Risse,
Dresden-Radebeul, 2. die Architekten Joh. Schmidt und
Fritz Hcssemer, München; einen dritten Preis erhielten 1. die
Architekten Meier & Werte, Berlin, 2. Architekt Thyriot,
Südende bei Berlin. Zum Ankauf für je 600 M. wurden
empfohlen die Entwürfe von Architekt Paul Burghardt,
Leipzig, von den Reg.-Bauführern Hans Riese und Franz
Schenck, Frankfurt a. M., und von Architekt L. Paffendorf,
Köln.

DENKMÄLER,
c? London. — Es hat sich hier ein Centralcomiic ge-
bildet, mit Zweigvereinen in den meisten grösseren Städten
Englands, um Brahms ein Denkmal in London zu errichten.
Unter lobender Anerkennung des Meisters erfolgte in der
Tages- und Fachpresse ein Aufruf für bezügliche Zeich-
nungen, die bereits sehr reichlich angemeldet wurden.
Unter den Comite-Mitgliedern sind hervorzuheben: Sir E.
Poynter, Alexander Siemens, Alma Tadema, J. Dewar, Lord
Herschell, E. Speyer, Rodewald und Paul Rottenburg.
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