Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 12.1901

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Wettbewerbe. — Sammlungen und Ausstellungen.

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so zu ehren, begann bald nach seinem Tode und ist mit
geringer Unterbrechung durch vier Jahrhunderte hindurch
festgehalten worden. Aber erst die Anbringung der Ge-
dächtnistafel in den Quaderboden der Piazza gab Gelegen-
heit den Verbrennungsplatz endgültig festzulegen, den man
bald näher, bald entfernter am Palazzo Vecchio gesucht
hat. Gleichzeitig ist ein neues Werkchen über den Do-
minikaner erschienen: Fra Girolamo Savonarola e il luogo
ove fu arso inaugurandosi una memoria sulla Piazza della
Signoria, mit einer Relation von Del Lungo, Gherardi und
Corazzini. e. St.

WETTBEWERBE

Berlin. In der grossen Berliner Kunstausstellung sind
bis zum 14. Juli die Entwürfe ausgestellt, welche infolge
zweier vom Staate unter einigen Bildhauern ausgeschrie-
benen Konkurrenzen eingeliefert und kürzlich von der Lan-
deskunstkommission unter Beteiligung von Vertretern der
beteiligten Städte einer Prüfung unterzogen worden sind.
Ein im vorigen Jahre ausgeschriebener allgemeiner Wett-
bewerb für einen in der Stadt Oppeln zu errichtenden
Monumentalbrunnen hatte zu einer engeren Konkurrenz
zwischen den Bildhauern Felderhoff, Gomanski, Klinisch,
Wenck und Wernekinck geführt. Als Sieger aus diesem
Wettbewerb ist der Bildhauer E. Gomanski in Berlin her-
vorgegangen, dessen Entwurf mit einigen unwesentlichen
Änderungen zur Ausführung bestimmt worden ist. Zur
Gewinnung von geeigneten Entwürfen für zwei an der
Aussenseite der im Bau begriffenen Oberlausitzer Ruhmes-
halle in Görlitz aufzustellende Figurengruppen, den Krieg
und den Frieden darstellend, war ein Wettbewerb zwischen
den Bildhauern Professor Behrens (Breslau), Professor
Calandrelli, Günther-Gera, Hidding und Lederer ausge-
schrieben worden. Auf Grund des Urteils des Preisgerichtes
ist einer der von dem Bildhauer Hugo Lederer in Berlin
eingesandten beiden Doppelentwürfe zur Ausführung an-
genommen worden. -r-

Diisseldorf. Nachdem Pariser Maler vorangegangen
sind, verschmähen es heute selbst die berühmtesten Künstler
nicht, Entwürfe für Reklame-Plakate, Kalender, Zugabe-
bildchen etc. anzufertigen. Die Firma Quack & Fischer in j
Düsseldorf hat daselbst im Kunstgewerbemuseum eine
Ausstellung von Entwürfen für Wandkalender und Zugabe-
bildchen veranstaltet, die sämtlich auf ein von ihr erlassenes
Preisausschreiben eingegangen sind. Die zur Prämiierung
ausgesetzten 4500 M. wurden wie folgt verteilt: Für je
einen Wandkalender: 1000 M. an Paul Leuteritz-Paris;
750 M. an Helmann Pfeiffer-Budapest; 500 M. an Franz
Kuczera-St. Petersburg. Für je eine Serie von 6 Reklame-
bildchen: 1000 M. an Karl Plückebaum-Düsseldorf; 750 M.
an Wilhelm Wulff-Stuttgart; 500 M. an August Zinkeisen-
Düsseldorf. Die Jury bildeten die Herren Direktor Janssen,
Professor E. von Gebhardt und Jul. Bergmann von der
Akademie in Düsseldorf und Professor Carlos Grethe von
der Akademie in Stuttgart. Ganz besonders reizvoll und
poetisch in der Idee und Ausführung ist die mit dem
[. Preise gekrönte Serie von Reklamekarten mit dem Motto:
Im Frühling« von Plückebaum. — Zum Schlüsse sei noch
erwähnt, dass die Ausführung der Wandkalender und Zu-
gabebildchen in Dreifarben-Buchdruck gedacht ist; um das
Verfahren den Besuchern vor Augen zu führen, hat die
Firma Quack & Fischer einige ihrer Erzeugnisse auf diesem
Gebiete zur Ausstellung gebracht.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN

Venedig. Die diesmalige Kunstausstellung hat bewiesen,
dass in den einzelnen Landschaften Italiens auch in der

Gegenwart noch mehr künstlerisches individuelles Leben
herrscht, als man glauben möchte. Aus diesem Grunde
ist eine Anregung des Prinzipe A. Giovanelli in Lonigo,
dem intellektuellen Schöpfer der Galleria Internazionale
d'Arte moderna in Venedig, lebhaft zu begrüssen. Er hat
der Galerie neuerdings die Summe von 10000 Lire zuge-
wandt, von der die Hälfte für den Ankauf eines Werkes
oder von Werken venezianischer Künstler bestimmt sind,
die von einer besonderen Jury bezeichnet werden. Der
Principe hofft, dass sein Vorgehen in weiteren Kreisen
Nachahmung finden wird, und in den einzelnen italienischen
Provinzen sich Vereinigungen bilden werden, welche den
Ankauf von Werken einheimischer Künstler ermöglichen
werden. o.

Wien. Die erst geplante Moderne Galerie in Wien hat
bereits zwei sehr wertvolle Geschenke erhalten. Max Klinger's
Urteil des Paris, das sich bisher im Besitze des Architekten
Alexander Hummel in Triest befand, ist von diesem dem
Kultusministerium für die genannte Galerie unter der Be-
dingung geschenkt worden, dass Klinger's Christus im
1 Olymp ebenfalls für die Galerie erworben würde. Infolge-
dessen hat ein zweiter Kunstfreund, der nicht genannt
werden will, sich bereit erklärt, der Galerie den Christus
im Olymp zu schenken. * » *

Dresden. Für die Kgl. Gemäldegalerie sind in der In-
ternationalen Kunstausstellung aus den Mitteln der Proell-
Heuer-Stiftung angekauft worden: Graf Reichenbach, mein
Haus in Wachwitz; Haidn, Landschaft mit heimkehrendem
Ritter; Schindler, im Kunstlampenschein; Lührig, Pelikan;
Frenzel, Abend in der Marsch; Herterich, der Erlöser;
Moll, vor dem Diner; Schramm-Zittau, Hühner im Stalle;
Bios, Interieur; Schröter - Meissen, Wintersonne; Karl
Mediz, Cypressen am Ufer; Sandreuter, Landschaft bei
Basel. Ausserdem ist mit grosser Freude zu begrüssen,
dass die ausgestellten Abgüsse von Meunkr's grosser
Reiterfigur »die Tränke« und Rodin's Bruchstück den Mann
mit dem Schlüssel darstellend, der Bürger von Calais, von
Kunstfreunden angekauft und dem Albertmiiseum geschenkt
worden sind. e. z.

Karlsruhe. Im hiesigen Kunstverein ist für längere Zeit
eine vom Karlsruher Radierverein veranstaltete Sammlung
1 von Origiiialradierungen und Stichen ausgestellt. U. a. sind
Klinger, Leibi, Whisilcr, Strang, Zorn, Stauffer-Bem, G.Jahn,
Liebermann, Wolff mit älteren und neueren Werken ver-
treten.

Unter unsern einheimischen Künstlern ist Hans Thoma
mit einer besonders interessanten Kollektion aufgetreten:
eine reiche Fülle von poetischen Einfällen und eine her-
vorragende Kompositionsgabe zeichnen seine Blätter aus.
Seine Technik ist das Eingravieren mit der kalten Nadel
in die verstählte Zinkplatte. Damit erzielt man einen
charakteristischen, rauheren aber zugleich breiteren und
darum weicheren Strich als auf der Kupferplatte. Intim
aufgefasste Landschaften brachten Daur, Conz, v. Volkmann
sehr anziehende kleine Blätter voll Humor und Wahrheit
der Stimmung und Beobachtung Haueisen, eine in Aqua-
tinta ausgeführte Landschaft und ein männliches Bildnis
(Sickingen) von edler monumentaler Auffassung und male-
risch breiter Behandlung O. Graf (München). Von her-
vorragendem Interesse ist eine grosse Kollektion von
Franzosen, sowohl wegen ihrer unübertrefflichen Beobach-
tungs- und Darstellungsgabe als wegen des koloristischen
Reizes ihrer Arbeiten. Ihr Verfahren ist zum grossen
Teil ein Farbendruck, bei welchem die Farbe mit Pinsel
und Hand auf die bearbeitete Kupferplatte aufgetragen
wird. Es wird damit eine Feinheit des Tons und der Mo-
dellierung erzielt, die auf anderem Wege unerreichbar wäre.
Höhepunkte dieser Art bezeichnen die Interieurs von
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