Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 13.1902

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Wettbewerbe. — Denkmäler. — Vom Kunstmarkt.

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Aufstellung. Freilich ist in der modernen Abteilung der
Galerie durch die erwähnten häufigen Ankäufe einige
Raumnot. P- S.

Die Dresdner Kunstgenossenschaft hat beschlossen,
im Jahre 1903 während der Deutschen Städte-Ausstellung
eine Ausstellung von Werken sächsischer und in Sachsen
lebender Künstler in den Räumen des Ausstellungsgebäudes
auf der Brühl'schen Terrasse zu veranstalten, um den zu
dieser Zeit voraussichtlich sehr zahlreichen Fremden in
Dresden in einer kleinen gewählten Sammlung vorzuführen,
was unser engeres Vaterland zum künstlerischen Gesamt-
schaffen Deutschlands zu seinem Teile beiträgt. — Zum
Vorsitzenden der Dresdner Kunstgenossenschaft wurde
wiederum der Bildhauer Friedrich Offermann gewählt —
ein Zeichen, dass der neue Kurs in der Kunstgenossen-
schaft beibehalten werden soll. Diese umfasst jetzt sämt-
liche Dresdner Künstler, nachdem längere Zeit hindurch
grössere Spaltungen unter diesen geherrscht halten. Von
der Secession hatte sich seiner Zeit eine kleinere Secession
abgezweigt, deren Mitglieder nicht sofort mit in die
Kunstgenossenschaft eintraten, als diese sich wieder mit
der Secession verschmolz. In den letzten Wochen ist als
letzter dieser Secessionssecessionisten Sascha Schneider
wieder in die Genossenschaft eingetreten, nachdem der
Beschluss der Jury, sein grosses Gemälde »Um die Wahr-
heit« in Düsseldorf als Hauptbild der Dresdner Abteilung
auszustellen, unter den jüngeren Künstlern einen lebhaften
Sturm erregt hatte. ^

Aus Holland. Eine Reihe von Frühjahrsausstellungen
sind zu melden: in Rotterdam eine grosse Kunstausstellung,
die sogenannte vierjährige, weil sie jedes Jahr abwechselnd
in einer von vier dazu bestimmten Städten stattfindet. In
Amsterdam eine Ausstellung in Arti und im Malerverein
St. Lucas. Ferner im Haag eine Aquarell- und Zeich-
nungen-Ausstellung in Pulchri, und in Leyden eine Aus-
stellung von modernem Amsterdamer Kunsthandwerk.
Viele der grösseren Kunsthändler veranstalten Sonder-
ausstellungen.

WETTBEWERBE

Das akademische Reisestipendium der Königlichen
Akademie der bildenden Künste zu Dresden auf das Jahr
1903 fällt den Bildhauern zu. Bewerben dürfen sich Bild-
hauer, welche die Staatsangehörigkeit im Königreich
Sachsen besitzen, wenigstens die Oberklasse der Dresdner
Akademie besucht haben oder einem akademischen Atelier
noch angehören oder zur Zeit der Entschliessung des
akademischen Rates aus einem solchen seit nicht länger
als vier Jahren ausgeschieden sind. Bewerber haben sich
bis zum 13. November dieses Jahres bei dem Akademie-
Sekretariat zu Dresden zu melden. Die näheren Be-
stimmungen über die akademischen Preisbewerbungen
können von der Akademiekanzlei bezogen werden.

Der Vorstand des Sächsischen Kunstvereins hatte
zu einem Wettbewerb mit Skizzen zur Darstellung ge-
schichtlicher Vorgänge aufgefordert. Die Entscheidung ist
jetzt gefällt worden. Den ersten Preis (500 M.) erhielt
Georg Müller-Breslau in Loschwitz für seine Skizze »Die
heilige Elisabeth unter den Armen und Krüppeln«, den
zweiten (300 M.) Emil Rieck für die Skizzen »Kunz von
Kauffungen wird gefangen in Zwickau eingebracht« und
»Die Gemahlin Friedrich's des Streitbaren fordert auf den
Feldern vor Freiberg die Sieger auf zum Kampfe gegen
die Hussiten. Das Bild von Müller-Breslau und das zweite
von Rieck müssen nach dem Wortlaut des Preisausschreibens
in den Besitz des Sächsischen Kunstvereins übergehen.
Offenbar ist durch den Wettbewerb, wie gewünscht, erreicht

worden, dass sich eine Anzahl Dresdner Künstler um die
Herstellung von Skizzen zu historischen Darstellungen
bemüht haben. Sonst sieht man kaum derartige Bilder,
sei es im Sächsischen Kunstverein, sei es in den sonstigen
Dresdner Kunstausstellungen, ein Beweis, das die Künstler
von selbst sich nicht gedrungen fühlen, ihre Stoffe aus der
Geschichte zu wählen. Es wird auch schwerlich viel
herauskommen bei dieser künstlichen Neubelebung der
Historienmalerei. «»

DENKMÄLER

Ein Denkmal der Kaiserin Elisabeth ist soeben
in Territet-Montreux aufgestellt worden, das die Verstorbene
sitzend mit einem Buche in der Hand darstellt. Der
Schöpfer des Denkmals heisst Antonio Chiattone.

VOM KUNSTMARKT

Stuttgart. Die in den Tagen vom 12. bis 15. Mai
unter der Leitung der Kunsthandlung H. G. Gutekunst
abgehaltene Auktion von Kupferstichen, Radierungen, Holz-
schnitten und Handzeichnungen alter Meister war von
Museumsvorständen, Sammlern und Händlern zahlreich
besucht und hat einen sehr animierten Verlauf genommen.
Von den erzielten Preisen verzeichnen wir: Nr. 28. Ano-
nymer florentiner Meister des 15. Jahrhunderts, Die Marter
des heiligen Sebastian M. 3250; Nr. 29. Anonymer vene-
zianischer Meister des 15. Jahrhunderts, 47 Tarockkarten
M. 3650; Nr. 35. Jacopo de' Barbarj, Satyr mit Dudel-
sackpfeife M. 720. Von den Stichen von Hans Sebald
Beham, dessen Werke in seltener Vollständigkeit und
Schönheit vertreten waren, erzielten viele ganz ausser-
gewöhnlich hohe Preise, so Nr. 52. Das sitzende Jesus-
kind M. 630; Nr. 68. Cimon und Pero, Radierung M. 360;
Nr. 78. Genius auf einem Delphin reitend M. 700; Nr. 104.
Die beiden Spielleute und das Mädchen M. 555; Nr. 105
Der Eierbauer M. 300; Nr. 112. Der Narr und die beiden
Liebespaare M. 270; Nr. 122. Der Triumphzug der Kinder
M. 290; Nr. 129 und 130. Zwei Ornamente M. 665;
Nr. 159. Ferdinand Bol, Porträt eines Mannes M. 310;
Nr. 194. Theodor de Bry, Das römische Alphabet M. 350
und Nr. 195. Stein- und Wappenbüchlein M. 340; Nr. 196.
Hans Burgkmair, Kaiser Maximilian, Clair obscur, M. 770;
Nr. 265. Lukas Cranach, Luther als Junker Georg M. 1050;
Nr. 304. Albrecht Dürer: Maria mit dem Kinde M. 2520;
Nr. 306. Der Apostel Paulus, unvollendeter nur in einem
Exemplar bekannter Probedruck, M. 1760; Nr. 307. Apollo
und Diana M. 980; Nr. 311. Die drei Bauern M. 700;
Nr. 338. Die Philosophie, Holzschnitt, M. 1050; Nr. 342.
Kaiser Maximilian, Holzschnitt, M. 710; Nr. 426. Pieter de
Grebber, Die Verspottung Christi M. 480; Nr. 456 und
457. Anonyme Holztafeldrucke aus der zweiten Hälfte des
15. Jahrhunderts, alt koloriert, M. 3810 und M. 4050;
Nr. 509. Lukas von Leyden, Die zwölf Könige Israels,
Holzschnitte, M. 480. Israel van Meckenem: Nr. 536.
Der Stammbaum Christi M. 1460; Nr. 537. Maria mit dem
Kinde M. 1740; Nr. 713. Raimondi, Paulus predigt zu
Athen M. 910. Rembrandt: Nr. 754. Rembrandt mit auf-
gestütztem Arm M. 680; Nr. 766. Der Eulenspiegel M. 1290;
Nr. 770. Die Landschaft mit der Schafherde M. 475. Nr. 848.
Barthel Schoen, Bauer eine Frau im Schubkarren fahrend
M. 1195; Nr. 850. Martin Schongauer, Die Geisselung M. 525;
ferner ein unbeschriebenes Blatt, Brustbild einer Frau,
M. 610; Nr. 856. Schrotblatt, Ecce homo M. 510; Nr. 913.
Wechtlin, Ritter zu Pferd und ein Landsknecht M. 810.
Von den Zeichnungen sind zu erwähnen: Nr. 1163. Van
Dyck, Gewandstudie M. 165; Nr. 1165. Freudeberg, Damen-
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