Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Vermischtes

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drei Jahre lang als wissenschaftlicher Attache der deutschen
Gesandtschaft in Peking beigegeben war.

Die Reorganisation des South-Kensington-Mu-
seums, dessen fabelhafter Zustand wohl keinem Kunst-
historiker unbekannt sein wird, ist die interessanteste Tages-
frage der Kunstkreise in England. Das Projekt, unter Cecil
H. Smiths Präsidium von einer Kommission ausgearbeitet,
ist abgeschlossen worden. Mr. Smith war lange Jahre
Direktor der klassischen Altertümer im Britischen Museum.
Ein ausführlicher Bericht über dieses Projekt befindet sich
im Februarheft des »Museums-Journal« (London, Dulau).
— Das British Museum feierte im Februar sein 150 jähriges
Bestehen. m. h. Bernath.

James McNeill Whistlers hölzernes Geburtshaus in
Lowell, Mass., ist vom »Whistler-Memorial-Komitee« der-
selben Stadt angekauft und als ein Whistler-Museum ein-
gerichtet worden. M. h. Bernath.

Das Städtische Museum in Elberfeld hat ein Ge-
mälde von Angelo Jank, »Jockey-Hürdenrennen«, als Stiftung
des Wuppertaler Rennvereins erhalten.

Der isländische Bildhauer Einar Jonsson hat seinem
Heimatland seine gesamten Werke, Statuen und Reliefs,
überwiesen mit der Bedingung, ein isländisches Kunst-
museum zu errichten. Die Regierung hat das Anerbieten
angenommen, und es soll mit der Errichtung in Kürze
begonnen werden.

VERMISCHTES

X Adolf Brütts jüngstes großes Marmorwerk, die
Gruppe »Die Nacht«, die auf der vorjährigen Großen
Berliner Kunstausstellung Aufsehen erregte, ist vom Groß-
herzog von Sachsen-Weimar angekauft worden.

Neudruck von Smiths Catalogue Raisonne.
W. Roberts, der bekannte englische Bibliograph, widmet im
Athenaeum vom 6. März einem Neudruck von John Smiths
»Catalogue raisonne of the works of the most eminent Dutch,
Flemish and French Painters« einen ausführlichen Aufsatz. Es
ist in der Tat erstaunlich, daß ein Referenzbuch noch nach
80 Jahren als unanfechtbare Autorität seinen Rang bewahrt
hat. Denn der erste Band des großen Werkes war 1829
herausgekommen, der neunte allerdings erst 1842. Es ist
sicher das einzige in englischer Sprache erschienene Nach-
schlagebuch, das eines so langen Lebens sich erfreuen darf,
und auch Hofstede de Groots Katalog niederländischer
Maler kann Smith nicht durchaus ersetzen, da der hollän-
dische Gelehrte die flämischen und französischen Künstler
über Bord geworfen hat. Außer dem wissenschaftlichen
Interesse, das die Firma Sands & Co. veranlaßt hat, einen
ganz genauen Enbloc-Neudruck der neun Bände machen zu
lassen, war es natürlich auch das kaufmännische; denn
die alte Auflage von Smiths Katalog war im Jahre 1901

auf Auktionen bis zu 1000 Mark bezahlt worden, ist aber
im Hinblick auf den zu erwartenden Neudruck jetzt bereits
auf 10 Pfund heruntergegangen. Der Wert des Smithschen
Catalogue raisonne ist natürlich nicht mehr derselbe, der
er zur Zeit seines Entstehens war: denn mit Ausnahme
der in öffentlichen Sammlungen und im Fürstenbesitz befind-
lichen Bilder haben 80 Prozent der bei Smith aufgeführten
Gemälde ihre Besitzer gewechselt. Roberts gibt bei der
Gelegenheit auch einige biographische Daten über den Ver-
fasser des Catalogue raisonne, die bis jetzt noch nicht be-
kannt waren. Man wußte z. B. nicht, daß er 1781 geboren
und am 8. August 1855 gestorben ist. Smith war sein
ganzes Leben hindurch Bilderhändler gewesen und er hat
in der Bildung der in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts
vereinigten Sammlungen fast durchweg seine Hand gehabt.
Als Mitarbeiter hatte er bei den meisten dieser geschäft-
lichen, aber auch der wissenschaftlichen Arbeiten einen
gewissen George Stanley, der in seinem 67. Jahre 1856
oder 1857 gestorben ist. Stanley war Kunstauktionator in
Bondstreet gewesen, und viele hervorragende Sammlungen
sind während seiner Geschäftstätigkeit in seinen Räumen
unter den Hammer gekommen, unter anderen im Jahre
1816 die Kollektion des Prinzen Luden Bonaparte. Als
ein interessantes Geschäft von Smith und Stanley führt
Roberts den Ankauf des berühmten Rubensschen Gemäldes
»Le Chapeau de Paille« (Poil) auf, das die beiden im Juli
1822 auf einer Auktion in Antwerpen für ungefähr 3000
Pfund kauften. Smith erzählt, daß niemals während der
vielen Ausstellungen, die bei ihm stattgefunden haben, ein
Bild größeren Anklang gefunden hat. Für Eintrittsgelder
nahm er 2000 Pfund ein und das Bild ging nachher für
3500 Guineen in die Sammlung von Sir Robert Peel über.

m.

Der große Preis (6000 Mark) der Akademie der
bildenden Künste in Dresden ist an Paul Schönfeld-
Leipzig, einen Schüler von Professor Gotthard Kuehl, für
sein Ölgemälde »Begegnung«, verliehen worden. Die große
Medaille nebst Geldpreis von 500 Mark bekam Ernst Bur-
mester-Ratzeburg, ebenfalls ein Schüler Kuehls, für seine
Aktgruppe »Ringkampf«.

Die beiden Preise des Vereins Villa Romana, be-
stehend aus Wohnung und Atelier in dem genannten Ge-
bäude in Florenz und einem Barbetrag von 2000 Mark, sind
den Malern und RadierernPaulBaum inSt. Anna-Holland und
Adolf Schinnerer-Karteruhe zuerkannt worden. Außerdem
wurde vom Vorstand des Vereins Villa Romana ein gleicher
Preis dem bekannten Maler und Graphiker Willi Oeiger-
München zugesprochen.

X Hugo Lederer hat die Totenmaske Alfred Messels
abgenommen und die rechte Hand des Entschlafenen abge-
formt. Lederer hat auch die Dekoration der Matthäikirche
zu der Trauerfeier für Messel am 27. März geleitet.

CASPER'S KUNSTSALON, BERLIN

Behrenstraße J7 :: Eintritt 50 Pfg.

Neu ausgestellt:

Kollektion des Vereins für farbige Originalradierungen
und das Werk von R RENOUARD

Inhalt: Die Neuordnung der vatikanischen Pinakothek. Von Federico Hermanin. — Alfred Messel t; Alexander Charpentier t. — Personalien. —
Wettbewerbe: Verwaltungsgebäude der Handwerkerkammer in Berlin; Rathaus in Oleiwitz; Gymnasium in Höxter; Stadthalle mit Schau-
spielhaus in Hagen; Reform-Realgymnasium in Elbing. — Heinrich von Kleist-Denkmal in Frankfurt a. O. — Ausstellungen in Berlin,
Dresden, Wien, Magdeburg, Mannheim, Graz, Löwen, New York. — Erwerbungen des Kaiser-Friedrich-Museums m Magdeburg; Bau eines
ostasiatischen Museums in Kiel; Reorganisation des South-Kensington-Museums; Whistler-Museum in Lowell; Stiftung für das Museum in
Elberfeld; Isländisches Kunstmuseum. — Vermischtes.

Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E, A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf. o. m. b. h. Leipzig
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