Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Personalien — Wettbewerbe — Denkmäler — Ausstellung

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statt. Dieser Maler gehört zu den bekanntesten Namen
der amerikanischen Kunstwelt. Er ist als bedeutender
Lehrer tätig und leistet besonders im Porträtfache Hervor-
ragendes.

Mit Frederick Remington verschied im Januar in Ridge-
field, Connecticut, eine der eigentümlichsten Figuren
unter den amerikanischen Künstlern. Derselbe begann seine
Laufbahn als Oeschäftsdiener, wurde dann Cowboy im
wilden Westen, bis er schließlich seine eigentliche Begabung
für die Bildhauerei entdeckte. Er machte diesbezügliche
Studien und wurde durch seine Wild-West-Figuren bekannt.
Remington betätigte sich auch als Schriftsteller.

Im Januar starb in Paris Mr. George A. Lucas,
der bekannte amerikanische Kunstfreund. Er war 1824
in Baltimore geboren, kam 1857 nach Paris, um dort
einige Tage zu weilen, blieb aber dann sein ganzes Leben
lang. Der exzentrische alte Herr war in Kunstkreisen viel
gesehen und brachte eine namhafte Sammlung von modernen
französischen Kunstwerken zusammen. Besonders wertvoll
sind seine Kupferstiche und Radierungen. Seine Sammlung
erbt das Museum der Stadt Baltimore.

Eine für die Geschichte der Miniaturmalerei höchst
bedeutsame Ausstellung findet in der Nationalgalerie in
London statt. Dieselbe ist von dem bekannten Sammler
Mr. Yates Thompson geliehen und enthält die schönsten
Stücke seiner Sammlung. Die ausgestellten Miniaturen
umfassen das 14., 15. und 16. Jahrhundert. Eine der
wichtigsten Handschriften, dortselbst ausgestellt, sind die
»Horae« des Bonaparte Ghislieri von Bologna, die unter
anderen Miniaturen von der Hand Peruginos und Amico
Aspertinis enthalten.

Der Nationalgalerie von Irland in Dublin wurden
neuerdings zwei bemerkenswerte Bilder geschenkt. Das
eine, ein Damenporträt in Dreiviertelfigur, wird bald dem
Anton Mor, bald dem älteren Coello zugeschrieben. Das
zweite Bild stellt den sog. »Rembrandts Vater« dar und
ist von der Hand Jan Lievens. Ein diesem zweiten Bilde
überaus ähnliches Stück wurde am 23. Februar bei Lepke
in Berlin versteigert. Bernath.

PERSONALIEN
Köln. Als Nachfolger Halmhubers wurde Direktor
Thormählen-Magdeburg zum Direktor der Städtischen
Kunstgewerbeschule ernannt.

-f München. Dem Maler Fritz Strobentz wurde der
Titel eines kgl. Professors verliehen.

® Dr. M. J. Binder, bisher Assistent an der Städtischen
Galerie zn Frankfurt a. M., ist an Stelle des am 1. April
ausscheidenden Dr. Hans Posse zum Direktorialassistenten
bei der Gemäldegalerie der Königlichen Museen zu Berlin
ernannt worden.

WETTBEWERBE
-j- München. Die drei Preise des Wettbewerbes für
ein Luise-Hensel-Denkmal in Paderborn fielen sämtlich
Münchener Künstlern zu. Den ersten Preis erhielten
Architekt Wilhelm Erb und Bildhauer Rudolf Henn, den
zweiten Preis Bildhauer Hans Geist und Bildhauer Emil
Wagner, den dritten Preis Bildhauer Franz Hofer. Im
ganzen waren gg Arbeiten eingelaufen.

Das zur Prüfung der Entwürfe für einen Kunstmu-
seums-Neubau in Basel bestellte Preisgericht zeichnete
von den siebzig eingegangenen Arbeiten sechs mit je einem
Preise von je 2500 Fr., drei weitere mit einer lobenden
Erwähnung aus. Die Preisgewinner sind die Herren Rieder
(Basel) in Wilmersdorf, Joß und Klauser (Bern), Widmer
und Erlacher (Basel), Holzer und Hanauer (Zürich und
Berlin), A.u. H. Bräm (Zürich u. Berlin), Huber (Basel) und
Werz (Wiesbaden).

-f- München. Der Münchener Architekt Oswald Eduard
Bieber hat bei dem Wettbewerb für ein Kriegerdenkmal
in Bad Dürkheim den ersten Preis erhalten.

Im Anschluß an das alte Rathaus in Elberfeld soll
ein großes Geschäftshaus errichtet werden, für das der
Oberbürgermeister der Stadt zur Erlangung von Vorschlägen
ein Preisausschreiben erläßt. Die Frist läuft bis zum 31. Mai,
für 4 Preise stehen 3000, 2000 und zweimal 1000 Mark zur
Verfügung. Dem Preisgericht gehören u. a. Paul Wallot
in Dresden und Ludwig Hoffmann in Berlin an.

Der Ablieferungstermin für die Wettbewerbentwurfe
zum Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe
bei Bingen ist bis zum 30. November tgio verschoben
worden. Zur Erlangung eines Plakates werden drei Preise
zu 2000 Mk., 1000 Mk. und 500 Mk. ausgeschrieben. Ein-
lieferungstermin ist der 12. Mai 1910.

DENKMÄLER

Das Grabdenkmal für Ernst von Wildenbruch,

eine Schöpfung des Berliner Bildhauers Georg Kolbe,
geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Es wird im Laufe
der nächsten Tage im Mausoleum zur Aufstellung gelangen,
das Professor Schultze-Naumburg auf dem Grabe des
Dichters in Weimar errichtet hat. Der monumentale Denk-
stein trägt das Relief eines Sämanns.

AUSSTELLUNGEN
O Wiesbaden. Da bereits am 31. März die vom
Nassauischen Kunstverein im Festsaale des Rathauses ver-
anstaltete Ausstellung alter Gemälde aus Privatbesitz
geschlossen wird, sei noch einmal nachdrücklich auf
diese recht sehenswerte Veranstaltung hingewiesen. Be-
sonders bei den Altniederländern und Deutschen, sowie
bei den Holländern des 17. Jahrhunderts sind manche bis-
her ganz unbekannte oder nur einem kleinen Kreise von
Kunstgelehrten bekannte wichtige Stücke hervorzuheben.
Den »Clou« bildet die vielbewunderte Madonna des
Petrus Cristus aus dem Besitze des Grafen Matuschka-
Greiffenklau auf Schloß Vollrads, deren eigentümliche Ent-
deckungsgeschichte vor einigen Monaten hier nach der Zeit-
schrift f. christl. Kunst erzählt wurde. Ein Bildnis Albrechts
von Brandenburg, des vielgemalten Mainzer Erzbischofs,
hat zuerst L. Scheibler dem Jan van Scorel gegeben (Bes.
Frau Ph. Abegg); zu Unrecht dagegen wird diesem Maler
das figurenreiche Kreuzigungs-Triptychon zugeschrieben,
das seit alter Zeit im Besitze der aus Holland stammen-
den freiherrlichen Familie Ritter zu Gruensteyn sich befindet
und auf den Flügeln Bildnisse von deren Vorfahren wieder-
gibt. Der Maler ist eher in der Nähe des Engelbrechtszen
zu suchen. Bei den altdeutschen Bildern fesseln am
meisten die beiden durch hohe Qualität ausgezeichneten
Bildnisse des älteren B. Bruyn aus der Sammlung von
Frau A. Mandl und ein 1527 datiertes, hier dem L. Cranach
gegebenes Porträt eines blondbärtigen Mannes, der durch
den um sein Barett geschlungenen Kranz dunkelroter Nelken
auffällt (Bes. L. Hees). Das interessante Fragment einer
hl. Barbara ist charakteristisch für die besonders im Museum
von Darmstadt gut vertretene mittelrheinische Malerei der
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Bes. von Förster); sonst
sind vom Mittelrhein noch einige gute Skulpturen zu sehen.
Die im Katalog vermerkte »Dornenkrönung« von Matthias
Grunewald aus dem Besitze von Herrn Rechtsanwalt Laaff
ist eine aus dem 16. Jahrhundert stammende genaue Kopie
des kürzlich in der Münchner Universität entdeckten Ge-
mäldes, über das zuerst die »Kunstchronik« berichtet hat.
Zurzeit befindet sich dieses Bild in München, wo es bei
der Restauration des Originals gute Dienste geleistet hat.
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