Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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535 Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe —■

Denkmäler — Archäologisches — Ausstellungen

Es ist von diesem Bilde behauptet worden, es enthielte
italienische Reminiszenzen. Rembrandt hat nur noch einmal
ein Reiterportät gemalt, es ist dies der sogenannte »Graf
von Turenne« bei Lord Cowper in Paushanger. Von der
Signatur sieht man noch die Buchstaben Re auf einem
Stein in der rechten Ecke der Leinwand. 1898 war dies
Bild in Amsterdam ausgestellt. b.

NEKROLOGE
o Düsseldorf. Am 7. Juli starb der Genremaler Pro-
fessor Hubert Salentin im hohen Alter von 88 Jahren.
Mit ihm ist wohl der letzte der eigentlichen Alt-Düssel-
dorfer dahingegangen. Er war im Jahre 1822 in Zülpich
geboren und kam, nachdem er 14 Jahre lang Schmiede-
geselle gewesen war, schon 28 Jahre alt, an die Düssel-
dorfer Akademie. Viele seiner immer sehr sorgfältig be-
handelten Gemälde sind in deutschen Museen.

PERSONALIEN

Düsseldorf. Die Maler Fritz von Wille und Her-
mann Emil Pohle sind zu Professoren ernannt worden.

Dem Bildhauer Gustav Schmidt-Cassel in Berlin ist
für das von ihm für die Stadt Riga gelieferte Reiterdenk-
mal Peters d. Gr. der Stanislausorden II. Klasse verliehen
worden. ■-«.

Hannover. Dr. phil. Albert Neukirch ist am 1. Juli
als Volontär beim Kestner-Museum eingetreten.

WETTBEWERBE

Der Entwurf des Bildhauers Gustav Adolf Bredow
aus Stuttgart, welcher beim Wettbewerb für einen Monu-
mentalbrunnen in Buenos Aires, für den die Deutschen
Argentiniens eine viertel Million Mark gesammelt haben,
den ersten Preis erhalten hat, ist, wie die Gesellschaft
für deutsche Kunst im Auslande mitteilt, nunmehr auch
vom Deutschen Komitee für die Jahrhundertfeier Argen-
tiniens definitiv zur Ausführung bestimmt worden. Der
Künstler ist nach Argentinien abgereist, um mit den Vor-
bereitungen zu beginnen.

Für die beste wirtschaftliche Ausnutzung eines Grund-
stückes an der Potsdamerstraße in Berlin wurde vom
Vorstand der Vereinigung Berliner Architekten ein Ideen-
wettbewerb unter den Mitgliedern erlassen. Für vier
Preise stehen 3000, 2000, 1500 und 1000 Mark, für drei
weitere Ankäufe je 500 Mark zur Verfügung. Preisrichter
sind Architekt Albert Geßner, Regierungsbaumeister Hirte
und Baurat Wolffenstein in Berlin.

Für eine Zehlendorfer Oberrealschule mit Turn-
halle und Direktorwohnung erläßt der dortige Gemeinde-
vorsteher einen Wettbewerb für alle in Zehlendorf an-
sässigen Atchitekten bis zum 1. August. Für drei Preise
stehen 3500, 2500, und 1000 Mark zur Verfügung. Dem
Preisgericht gehören unter anderen Ludwig Hoffmann, Otto
March und R. Kiehl an.

DENKMÄLER
o Köln. Im Herbst wird die Enthüllung von Tuaillons
Denkmal Kaiser Wilhelms II. an der neuen Dombrücke
vor sich gehen. Das Standbild wird seinen Standort auf
massivem Steinsockel aus rauh behauenem Muschelkalk-
stein am Kopfe der Galerie vor dem rechten Portalturm
erhalten, hat eine Höhe von b1^ Meter und zeigt den
Monarchen in der Uniform der Gardes du Corps auf einem
schreitenden Streitroß von ausgezeichneter Modellierung.
Das Haupt ist bedeckt mit dem Adlerhelm. Während die

linke Hand fest die Zügel hält, trägt die Rechte bei energi-
scher Rückbewegung des Armes den Marschallstab.

ARCHÄOLOGISCHES
Masperos Bericht über ägyptische Ausgrabungen.

Masperos Jahresbericht über die archäologische Tätigkeit
des »Service« an die Academie des inscriptions erwähnt
die außerordentliche Mühe und Sorgfalt, die der ägyptische
Service des antiquites angewandt hat, um die nubischen
Denkmäler zu schützen, die durch die Erhöhung des
Dammes'von Assuan in Gefahr geraten waren. 14 Tempel
zwischen Philae und Wady Haifa sind nun in einer Weise
gesichert, daß sie von jeder möglichen Gefahr aus der
Überschwemmung geschützt sind. Der weitere Schutz von
Philae und Elefantine ist von ihm Barsanti übertragen
worden, der sich in Giseh sowohl wie an anderen Stätten
außerordentlich bewährt hat. — Die Eingeborenenhäuser
vor dem Tempel zu Esneh sind nun endlich in den Besitz
des Services des antiquites übergegangen und so wird man
jetzt mit der Aufklärung des Pronaos beginnen. — Weigall
hat im alten Theben bei den Felsengräbern zu Schech
Abd-el-Gurna ebenso vorzüglich gearbeitet wie Baraize,
der in vierjähriger schwieriger Arbeit den Tempel wie das
Stadtgebiet des Ramesseums gänzlich ausgeräumt hat.
Baraize hat nunmehr die kleinen Thoth-Tempel zu Medinet-
Habu und Deir-el-Medine in Angriff genominen. Legrains
hervorragende Tätigkeit zu Karnak gipfelte in der letzten
Zeit in der vollendeten Rekonstruktion des großen Pylonen
Ramses I. und Ramses II. Nunmehr beginnt er die Re-
staurierung des südlichen Teils der großen Hypostylhalle.
— Zu Saqqarah hat Quibell den Sand von dem Kloster
des hl. Jeremias gänzlich abtragen können mit dem Resul-
tat, daß die koptischen und byzantinischen Sammlungen
des Service mehr als verdoppelt worden sind. Über die
nicht offiziellen Ausgrabungen wird Maspero später be-
richten. — Die Besucher des vorjährigen Archäologenkon-
gresses von Kairo hatten Gelegenheit, bis Assuan an allen
diesen Stätten die fortgeschrittene Arbeit zu bewundern.

m.

AUSSTELLUNGEN
O Elberfeld. Aus Anlaß der Dreihundertjahrfeier der
Stadt Elberfeld wurde im städtischen Museum eine Aus-
stellung von Kunstsammlungen aus Elberfelder Privatbesitz
eröffnet. Als Sammler, von denen jeder in einem eigenen
Räume ausstellt, sind vertreten die Herren A. Freiherr von
der Heydt, C. A. Jung, Fr. Bayer, Fr. Reimann, Ad. Simons
und P. Boeddinghaus jr. Ein näherer Bericht folgt.

Bromberg. Die Abteilung für Kunst der hiesigen
Deutschen Gesellschaft hatte vom Mai bis Juni d. J. eine
Kunstausstellung veranstaltet, zu der die deutschen Künst-
ler öffentlich eingeladen waren. Nach Ausscheidung einiger
Meldungen gelangten 145 Gemälde von 45 Malern und
32 Plastiken von 11 Bildhauern zur Ausstellung. Der
materielle Erfolg für die Künstler ist für hiesige Verhält-
nisse sehr günstig gewesen: es wurden 20 Gemälde und
9 Bronzen angekauft.

In der I. Ausstellung der Künstlervereinigung
Dresden, welche vom 1. September bis 1. Dezember in
den Räumen des Sächs. Kunstvereins stattfindet, sollen
auch solche Künstler ihre Werke vorführen können, welche
der Vereinigung nicht angehören. Besonderer Wert wird
darauf gelegt, daß junge, bisher unbekannte Künstler hier
zu Wort kommen. Anfragen und Anmeldungen sind zu
richten an Herrn Prof. Wrba, Ammanstr. (Atelier). Die
62 Mitglieder der Vereinigung werden sich ohne Ausnahme
an der Ausstellung beteiligen. Auch das Kunstgewerbe
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