Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Literatur

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im Text behandelte Bauten eingezeichnet sind, sowie zur
Vergleichung, vor allem bezüglich der verschwundenen
Straßenzüge, eine Nachbildung von Zocchis Plan von 1783.

Wer je architekturgeschichtlich gearbeitet hat, wird
den großen Wert dieser mühsamen lexikographischen Arbeit
nach Gebühr zu schätzen wissen und mit dem Referenten
in dem Wunsche übereinstimmen, es möchte das gute
Beispiel in anderen Städten gleich sorgfältige Nachahmungen
veranlassen. Baum.

Friedrich Naumann, Form und Farbe. Berlin 1909. Buch-
verlag der Hilfe.

Unter diesem Titel wurde eine bunte Fülle verschiedener
Aufsätze über alte und neue kirchliche und profane Kunst,
über Maler, Bildhauer und Architekten mit allerhand all-
gemeinen Erörterungen über Kunstprobleme zu einem
kleinen Sammelwerk verbunden.

Das Buch ist wie alles, was Naumann uns bietet, in
höchstem Maße fesselnd und lesenswert, auch für den, der
auf ganz abweichendem Standpunkt steht. Drei Vorzüge
hat Naumann: Er ist ein wirklicher Empfinder, ein Bilder-
seher, er ist ein feiner Denker, ein Philosoph mit theolo-
gisch-poefischem Einschlag, ein sinnvoller und geistvoller
Bilderdeuter und zum dritten ist er in höchstem Maße der
Rede mächtig in Wort und Schrift, ein gewandter und
fesselnder Bildererklärer.

Das ist sicherlich genug, um sein Buch zu einer Er-
holungs- und Erbauungsschrift für denjenigen zu machen,

der zwischen anderen Arbeiten Augenblicke der Muße ge-
schmackvoll ausfüllen möchte. Man liest es, als ob man
mit einem Manne plauderte, mit dem man zwar in vielen
Dingen durchaus nicht einer Meinung ist, der aber seinen
Degen so schön und vornehm zu führen versteht, daß es
ein Genuß und eine Ehre ist, gegen ihn zu fechten.

M. Schmitt.

Jahrbuch der bremischen Sammlungen, i. Jahrgang
1. und 2. Halbbd. 72 und 82 Seiten mit vielen Tafeln
Bremen, F. Leu wer, 1908.
Dies Jahrbuch stellt sich die Aufgabe, bei der bre-
mischen Bürgerschaft regere Teilnahme für die Staats-
sammlungen zu wecken. Der erste Band enthält in bunter
Mischung eine Menge Kleinigkeiten von lokalem Inter-
esse, dazwischen auch einige Arbeiten von allgemeiner
Bedeutung. So die des Herausgebers Dr. Pauli. In I. 68 f.
tritt er mit guten Gründen für die Echtheit der Dürer-
schen Zeichnungen der Herkulestaten von 1511 in der
Kunsthalle ein. In IL 26—33 weist er die Quellen des
Hauptfrieses am Rathaus in zeitgenössischen Kupfer-
stichen nach und empfiehlt mit frischen Worten die
neuerworbenen Gemälde (Thoma, Lang, Liebermann,
Kalckreuth und andere). Die Studie Waldmanns über
die Rathausskulpturen ist inzwischen vollständig als Buch
bei Heitz erschienen (s. auch Sp. 570). Beachtung verdient
noch die Beschreibung der ostfriesischen Bauernstube im
Gewerbemuseum von K- Schaefer. Wir wünschen dem
Unternehmen rüstigen Fortgang. Bergner.

Soeben erschien im Verlage von
E. A. Seemann in Leipzig

Geschichte der Malerei Neapels

vom Geheimen Hofrat Dr. Wilhelm Rolfs

Quart, 26 Bogen Text mit einem

Titelbild in Heliogravüre
und 138 Abbildungen auf 112 Tafeln

Elegant broschiert 25 Mark

p\er Verfasser hat bei dem jahrelangen Durchforschen der kunst-
^ geschichtlichen Denkmäler von Neapel und Umgebung Ge-
legenheit gehabt, eine Unmenge Irrtümer aufzudecken, welche
sich insbesondere in bezug auf die neapolitanische Malerei fort-
gesetzt aus einem Handbuche ins andere schleppen. Vor allem
beleuchtet er an der Hand seiner archivalischen Forschungen
und durch seine genaue Kenntnis aller Denkmäler Neapels die
Fälschungen des Bernardo de Dominici und rottet die Erfindungen
und Verdrehungen, durch welche dieser Mann die Kunstgeschichte
in vollständige Verwirrung gebracht hat, so eingehend aus, daß
das vorliegende Werk die Grundlage aller späteren Darstellungen
auf dem Gebiete der neapolitanischen Malerei bilden wird. Do-
minici hatte den Ehrgeiz, der Vasari Neapels zu sein und ersetzte
durch Phantasie, was ihm an Kenntnissen fehlte, ja bemühte sich
sogar vielfach, hervorragende Meister italienischer Malerei für
Werke, die in Neapel zu finden sind, ohne weiteres in Anspruch
zu nehmen, um so den Ruhm Neapels zu mehren. Er tat dies
mit solchem Geschick, daß nur eine ganz gründliche Unter-
suchung aller in Betracht kommenden Tatsachen genügen konnte,
Klarheit und Sicherheit bei der Beurteilung dieses Teiles der
italienischen Malerei zu erlangen. Rolfs hat sich bemüht, die
neapolitanische Malerei so zu schreiben, als ob der genannte
Fälscher nie existiert hätte; denn er zieht jede Tatsache, die dieser
anführt, in Zweifel und hat auf diese Weise erst die wahre Grund-
lage gegeben, die für die Zukunft bei der Beurteiluug dieser
Kapitel der Geschichte der Malerei maßgebend sein werden.
Die Bibliotheken und die Kunsthistoriker werden demnach das
vorliegende Werk als hauptsächlichstes Quellenwerk schätzen,
zumal es nicht nur kritisch verfährt, sondern eine große Zahl
von bisher unbekannten photographischen Aufnahmen, welche
der Verfasser selbst ausgeführt hat, beibringt
Der Herstellung des Werkes wurde die größte Sorgfalt gewidmet.

In der Sammlung

Berühmte Kunststätten

(Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG)

werden In Kürze zwei neue Bände erscheinen:

Band 51: = TOLEDO^

Von Dp. AUGUST L MAYER

ca. 10 Bogen mit 118 Abbildungen
Taschenformat
in biegsamem Einband, gebunden 3 Mark

Band52: REGENSBURG

Von Dr. HANS HILDEBRANDT

17 Bogen mit 195 Abbildungen
Taschenformat
in biegsamem Einband, gebunden 4 Mark

Auch diese beiden neuen Bände der Sammlung ,,Berühmte
Kunststätten" sind treffliche, tiefgehende Arbeiten, die
auf selbständiger Kenntnis der Denkmäler und Archive
beruhen und von der Kunstentwickelung der beiden
Städte eine Schilderung liefern, die den Fachmann be-
friedigt und den Laien und Besucher der Kunststätte zum
richtigen Verständnis und Genuss der Schätze anleitet.

Inhalt: W. Weisbach, Impressionismus; St. Beissel, Geschichte der Verehrung Marias; P. Kutter, Joachim von Sandrart als Künstler; August.Mau,
Pompeji in Leben und Kunst; O. Münsterberg, Chinesische Kunstgeschichte; J.Braun, Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten; Oster-
reichische Kunsttopographie; J. Wilpert, Die Papstgräber; E. Waldmann, Die gotischen Skulpturen am Rathaus zu Bremen; W. Rothes, An-
fänge und Entwicklungsgänge der altumbrischeu Malerschulen; Chr.[Rauch, Die Traute; Die ersten Darstellungen der unbefleckten Empfängnis ;
W. Limburger, Die Gebäude von Florenz; Fr. Naumann, Form und Farbe; Jahrbuch der bremischen Sammlungen. — Anzeigen.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von e. A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von ernst Hedrich nachf., o. m. b. h., Leipzig
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