Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Personalien — Krieg und Kunst — Ausstellungen

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v. Diez). Seine meist in lebhaften Farben gemalten Genre-
bilder sind seit 1869 auf allen bedeutenden Ausstellungen
erschienen und durch zahlreiche Reproduktionen bekannt
geworden. Die Motive holte er sich meist aus Venedig und
aus der Bretagne. Größere Werke von ihm besitzt U. a. die
Neue Pinakothek, die Dresdner Galerie und das Leipziger
Museum, letzteres eines seiner bekanntesten Bilder »Ver-
lassen«, reproduziert in den »Meister der Farbe« Jahrg. 1911.

Gefallene Architekten. Auf dem Felde der Ehre
sind weiterhin folgende Architekten gefallen. In Preußen:
Stadtbaurat HeinrichSchürmannaus Stettin; Regierungs-
baumeister Rudolf Balhorn, Vorsteher des Hochbauamtes
in Glatz; Regierungsbaumeister im Baupolizeiamt des Kreises
Niederbarnim Felix Schmidt aus Berlin; Regierungsbau-
meister Hosemann, Lektor für landwirtschaftliche Bau-
kunde an der Universität in Königsberg ;AlexanderQuantz
aus Celle; Martin Kröcher aus Treptow a. d. Rega und
Rudolf Kleybolte, bisher in Breslau; Dr.-lng. Georg
Strach, Leiter der Stadterweiterungsabteilung in Königs-
berg i. Pr.; Regierungsbaumeister Albert Dender, Hein-
rich Wemhöner. In Bayern: Regierungsbaumeister Sieg-
mund von Hartlieb gen. Walsporn in Burg i. D.;
Bauamtmann Johann Hühnlein, Vorstand des Straßen-
und Fluß-Bauamtes Kronach, Regierungsbauassessor Fritz
von Oelhaven in München. In Sachsen: Regierungs-
baumeister Hans Kolb aus Dresden. In Württemberg:
Gotthold Karft, Hermann Moosbrugger aus Heil-
bronn; Robert Herr mann, Assistent an der Technischen
Hochschule in Stuttgart; Ernst Schneider; Baumeister
Ludwig Storz aus Schramberg. In Baden: Prof. an der
Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe Max
Philipp. In Hessen: Großherzogl. Reg.-Baumeister
Adolf Gnauth, bisher in Köln-Mülheim; Privatdozent an
der Tech. Hochschule in Darmstadt Dr.-lng. Ernst Preuß.
In Braunschweig: Herzog!.Reg.-Baumeister Friedr. Peters
aus Wolfenbüttel.

PERSONALIEN
Hans Thoma vollendete am 2. Oktober sein 75. Lebens-
jahr. So ist er heute auch an Jahren der Nestor der deut-
schen Künstlerschaft. Es wäre unnütz, an dieser Stelle neue
Worte zu seinem Ruhme zu finden, mehr noch, seine
künstlerische Stellung zu umschreiben. Denn Thomas
Name ist allen kunstliebenden Kreisen Deutschlands ein
fester Begriff geworden, seine Kunst ein dauernder Besitz
des deutschen Volkes. — Thoma wurde vom badischen
Großherzog zum wirklichen Geheimen Rat mit dem Prä-
dikate Exzellenz ernannt.

Professor Artur Kampf vollendete am 28. September
sein 50. Lebensjahr. Kampf hat sich im Berliner Kunst-
leben eine führende Stellung geschaffen. Er ist Vor-
steher des Meisterateliers für Geschichtsmalerei und Senator
der Berliner Akademie der. Künste. Als Vorsitzender des
Wirtschaftlichen Verbandes bildender Künstler wirkt er
auf sozialem Gebiete ebenso für seinen Stand, wie er als
Leiter mancher Ausstellungen sich trefflich bewährt hat.
Mit Dankbarkeit gedenkt man der Zeit seiner Präsidentschaft
der Akademie, die eine Blüte bedeutete im Gegensatz zu
der Untätigkeit, in der nach seinem Scheiden aus dem Amte
diese Körperschaft wieder zurücksank. Berlin sah damals
in den ausgezeichneten Räumen am Pariser Platz eine statt-
liche Reihe bedeutsamer Ausstellungen, die die wichtigsten
Ereignisse im hauptstädtischen Kunstleben darstellten. So
ist es die Hoffnung vieler, daß bei den nächsten Wahlen
Artur Kampf in seine Stellung als Akademiepräsident zurück-
kehren möge. Nach dem Kriege wird dort mehr noch als
zuvor ein Mann von starker Initiative vonnöten' sein. Und

gerade als Vermittler wird Kampf auch seiner künstlerischen
Überzeugung nach dort am Platze sein, wenn es gilt, das
Kaiserwort auch für die bildende Kunst wahr zu machen
und diese aus der Zersplitterung in Parteien zu einer
neuen Einheit zu führen.

KRIEG UND KUNST

Mehrere holländische Kunstfreunde haben sich kürzlich
mit Wissen der niederländischen Regierung an den Ge-
neralgouverneur in Belgien, Freiherrn v. d. Ooltz, ge-
wendet und um die Erlaubnis gebeten, eine »Kunstambu-
lanz« zur Bergung der in Löwen und an anderen bel-
gischen Orten noch vorhandenen Gemälde und anderen
Kunstschätzen entsenden zu dürfen. Die Kosten des Unter-
nehmens, das sich unter die deutsche Oberaufsicht stellen
wolle, würden einige Kunstfreunde tragen. Den Herren
ist darauf von der deutschen Zivilverwaltung aus Brüssel
folgendes Schreiben zugegangen: Brüssel, 16. September
1914. Auf das gefällige Schreiben vom 10. d. betreffend
den Schutz und die Rettung bedrohter Bauwerke und Kunst-
denkmäler habe ich die Ehre, unter dem Ausdruck tief-
gefühlten Dankes für Ihr hochzuschätzendes Interesse, er-
gebenst zu antworten, daß die gewünschten Maßregeln
bereits durch die kaiserliche Verwaltung ergriffen sind.
Deutsche Sachverständige werden ganz im Geiste Ihrer
dankenswerten Anregungen unter Beistand der belgischen
Fachleute, die ich um ihre Mitwirkung ersucht habe, alle
nötigen Vorkehrungen zum Schutz der bedrohten Kunst-
werke zu treffen suchen. Unter wiederholtem Ausdruck
meines aufrichtigsten Dankes sehr ergebenst Dr. v. Sandt.

Ein holländischer Architekt für die deutschen
»Hunnen«. Gegen Kiplings Aufruf an England: »Erhebe
dich und mache dich auf zum Kriege, der Hunne ist an
der Pforte« richtet jetzt der hervorragende holländische
Architekt Eduard Cuypers, der Sohn des Erbauers des
Amsterdamer Reichsmuseums, einen nachdrücklichen Protest.
Er sagt: »Ich habe, wie es mein Beruf mit sich brachte,
die meisten Länder von Europa besucht. In Deutschland
habe ich 30 Jahre lang das Streben und Schaffen des deut-
schen Volkes beobachtet. Ich habe das Glück gehabt, die
persönliche Bekanntschaft der bedeutendsten deutschen
Architekten zu machen, die mir wiederholt ihre Verehrung
und Bewunderung der flämischen und holländischen Kunst
ausdrückten, die nicht müde wurden, durch Wort und Schrift
ihren Schülern Liebe und Achtung vor den Schönheiten
einzuflößen, welche Belgien und Holland auf jedem Ge-
biete der Kunst der Welt geschenkt haben. Und wenn
wir ferner wissen, daß in beinahe jedem kleinen Platz in
Deutschland die Vereinigung »Heimatschutz« ängstlich über
die Erhaltung des kleinsten altertümlichen Gebäudes wacht,
also das Volk zur Würdigung der alten Kunst erzieht, wer
glaubt dann noch, daß die Verwüstung von Löwen absicht-
lichem Vernichtungstrieb zugeschrieben werden kann? Ich
möchte deshalb den wohlgemeinten Rat geben, mit dem
Urteil solange zurückzuhalten, bis die offizielle Untersuchung
uns einen richtigen Überblick über den wahren Sachverhalt
gibt.«

AUSSTELLUNGEN
Böcklin-Ausstellung in der Nationalgalerie in
Berlin. Die beiden Böcklin-Säle im Erdgeschoß sind
durch drei wertvolle Leihgaben von privater Seite be-
reichert worden. Eines der Bilder, »Altrömisches Maifest«
getauft, wurde schon vor Monaten hergeliehen und neuer-
dings kamen zwei andere hinzu: ein seit 1909 bekannter
Entwurf zur großen Pietä der Galerie und das lebensgroße
| Bildnis der Weimarer Tragödin Fanny Janauschek, die als
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