Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Vermischtes

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in Kloster Altenberg bei Wetzlar vor, der, in der Literatur
gewöhnlich irrtümlich datiert, sicher um die Mitte des
13. Jahrhunderts entstanden ist, was auch durch den ur-
kundlichen Befund vollauf bestätigt wird. — Endlich gab
Herr Deri eine Anregung zum wirtschaftlichen Zusammen-
schluß der Kunsthistoriker, der in den jetzigen Zeiten be-
sonders erwünscht sei, da eine Reihe von Kollegen der
Unterstützung dringend bedürftig ist. Es wurde ein Aus-
schuß zur vorläufigen Beratung der Frage gebildet, und
es ist sehr zu hoffen, daß bald ein positives Resultat der
Besprechungen mitgeteilt werden kann.

In der Hauptversammlung des Kunstvereins für die
Rheinlande und Westfalen am 26. Oktober wurde durch
den Verwaltungsrat und den Ausschuß beschlossen, Ende
November eine Ausstellung Düsseldorfer Künstler zu ver-
anstalten und auf dieser die Ankäufe für die nächste Ver-
losung zu machen. Von größeren Aufträgen, die der Verein
erteilt hat, erwähnen wir die Ausschmückung der Aula des
Realgymnasiums zu Altenessen, des Kurhausneubaues zu
Aachen, dessen Vestibül durch Prof. Ederer ausgemalt wird,
die Ausmalung eines Saales daselbst, für die ein Preis-
ausschreiben erlassen werden soll; im Wege des Preis-
ausschreibens wird ferner ein Wandgemälde für den Kreis-
haussaal in St. Wendel vergeben. Als Vereinsgabe an die
Mitglieder, deren Zahl infolge des Krieges auf 12087
zurückgegangen ist, werden Originalradierungen in Aus-
sicht genommen. Auch hierfür hat man ein Preisaus-
schreiben erlassen. b.

VERMISCHTES
Zur Eröffnung der Universität Frankfurt. Das

Wort ni>fo(ios itaTtiQ navTiav, der Krieg ist der Vater aller
Dinge, beherrscht unser ganzes Fühlen und Denken.
Während jenseits unserer Ost- und Westgrenzen der große
Weltkrieg tobt, ist das deutsche Volk sich dessen bewußt
geblieben, daß die deutsche Wissenschaft stets eine unserer
besten Waffen in der Welt gewesen ist. Freilich ist die
Zeit nicht dazu angetan, Feste zu feiern. Aus diesem
Grunde ist die jüngste Pflanzstätte deutscher Wissenschaft,
die Universität Frankfurt, ohne großes Gepränge am 25. Okto-
ber eröffnet worden.

Die besonderen Existenzbedingungen dieser aus einer
Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften hervor-
gegangenen Universitas litterarutn sind allgemein bekannt;
deshalb sei hier nur daran erinnert, daß zum Unterschiede
von den übrigen deutschen Universitäten, an denen nur
der eigentliche Unterrichtsbetrieb von den Fakultäten ver-
waltet wird, in Frankfurt auch die sonst dem Staat über-
lassene Geldbeschaffung dem Großen Rat und dem Uni-
versitätskuratorium anvertraut ist.

Für die Förderung der beiden den Lesern dieser
Blätter besonders am Herzen liegenden Fächer der Archäo-
logie und der neueren Kunstgeschichte dürfen wir von der
jüngsten deutschen Hochschule Gutes erhoffen. Als Ver-
treter der klassischen Archäologie ist der bisherige Wiener
Ordinarius und Direktor der dortigen Antikensammlung
H. Schräder, als Vertreter der neueren Kunstgeschichte
Rudolf Kautzsch von der Universität Breslau berufen
worden. Das von Georg Swarzenski vortrefflich verwaltete
Städelsche Kunstinstitut und die städtische Galerie haben
wohlverdienten Ruf und bieten reiches Anschauungsmaterial,
wie außer Berlin und München keine deutsche Univer-

sitätsstadt; zu ihnen gesellt sich das Kunstgewerbemuseum
mit seinem reichen Bestände an Büchern und Tafelwerken
(16000 Bücher und Mappen) und einer Einzelblattsammlung
von 160000 Blättern, ferner das historische Museum, das
nicht nur ein umfassendes Bild der heimischen Kultur gibt,
sondern auch eine Sammlung von 400 griechischen Vasen
der klassischen Archäologie, der neueren Kunstgeschichte,
eine Auswahl von Keramiken des Mittelalters und späterer
Zeiten, vor allem aber eine nahezu vollständige Sammlung
der namentlich durch T. P. Melchior berühmt gewordenen
Höchster Porzellane zur Verfügung stellt. Eine wichtige
Studienstätte für Kunsthistoriker ist auch das Goethe-
museum mit einer graphischen Sammlung von 6000 Blatt
und einer Bibliothek von annähernd 40000 Bänden. Die
Kulturwissenschaften werden auch von der Stadtbibliothek
mit Verständnis gepflegt. Ihr Bestand mag gegenwärtig
375000 Bände betragen. Schließlich kommt dazu noch die
75000 Bände umfassende Freih. Carl von Rothschildsche
Bibliothek und die Bücherei der römisch-germanischen
Kommission des Kaiserlichen Archäologischen Institutes.
Eine besondere Anziehungskraft dürften auch die künst-
lerischen Genüsse ausüben, die drei große Frankfurter
Theater, darunter eine Oper von Weltruf, den Musen-
söhnen versprechen, und die unvergleichlich schöne Lage
der Stadt am Ufer des Flusses, der lange Zeit Nord- und
Süddeutschland trennte. — Für Frankfurt bedeutet die Er-
öffnung der neuen Hochschule die Erfüllung eines lang
gehegten Wunsches; für unser Vaterland den Ausblick auf
neue Zukunftsmöglichkeiten gedeihlicher geistiger Entwick-
lung; darum sei ihr auch an dieser Stelle ein herzlicher
Willkommengruß geboten. Bb.

Prof. Arthur Kampf, der in diesem Frühjahr in der
neuen Aula der Berliner Universität damit begann, sein
Monumentalbild »Fichte als Redner an die deutsche Nation«
auf die Kathederbank zu malen, hat seine Arbeit an dieser
vaterländischen Aufgabe in den Kriegsmonaten rüstig ge-
fördert und ist jetzt dem Abschluß nahe. In wenigen
Tagen dürfte das große Werk vollendet sein.

Düsseldorf. Die Stadtverordneten haben für den
Neubau der Kunstakademie 2023000 M. bewilligt. Mit den
Arbeiten für das Hauptgebäude soll schon in der nächsten
Zeit begonnen werden. Leiter der Bauausführung ist Ar-
chitekt Karl Wach.

Preis der Stadt Leipzig für die zeitgenössische
Graphik auf der Bugra. Der Oberbürgermeister und der
Rat der Stadt Leipzig hatten für die Abteilung »Zeit-
genössische Graphik«; der Leipziger Weltausstellung einen
Ehrenpreis von 5000 Mark bestimmt. Der Preis sollte zu
gleichen Teilen auf die Deutsche Kunstgenossenschaft und
den Deutschen Künstlerbund fallen. Die Jury des Deut-
schen Künstlerbundes hat nunmehr die ihm zustehende
Hälfte des Preises verteilt, und zwar je 1250 Mark an die
Graphiker Wilhelm Laage in Betzingen (Württemberg) und
Will Howard in Leipzig. Die Allgemeine Deutsche Kunst-
genossenschaft hat die 2500 Mark dem Radierer Paul Herr-
mann zuerkannt.

Druckfehler-Berichtigung. Bei der Besprechung des
lithographierten Greiner-Porträts in der vorigen Nummer
war auch von den beiden radierten Selbstbildnissen Klingers
die Rede. Sie sind aber von 1909 und nicht, wie es infolge
eines Druckfehlers hieß, von 1904.

Inhalt: Die Gerechtigkeit des Kaisers Trajan. — Josephe Dechelette f. — Personalien. — Instandsetzung der Stadtbefestigung von Zülpich. —
Krieg und Kunst. — Ausstellung deutscher Bildnisse im Kupferstichkabinett zu Berlin; die geplante Ausstellung »Düsseldorf ,1915« aufge-
geben. — Oktobersitzung der Berliner Kunstgeschichtlichen Oesellschaft; Hauptversammlung des Kunstvereins für die Rheinlande und West-
falen. — Vermischtes.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E.A.Seemann in Leipzig, Hospitalstraße IIa
Druck von Ernst Hedrich Nachf., o. m. b. h., Leipzig
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