Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVI. Jahrgang

1914/1915

Nr. 7. 13. November 1914

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NEKROLOGE
Durch den Heldentod des Bildhauers Gregor von
Bochmann d. J. hat die Düsseldorfer Künstlerschaft einen
besonders schmerzlichen Verlust erlitten. Er fiel, wenige
Tage vor seinem 36. Geburtstage, am 20. September in den
Kämpfen an der Aisne, während er als Offizier-Stellvertreter
eines Landwehr-Infanterie-Regiments seinen Zug gegen
den Feind führte. Bochmann war als Sohn des berühmten
Landschaftsmalers am 23. September 1878 in Düsseldorf
geboren. An der Akademie war er Schüler des Bildhauers
Karl Janssen. Die Motive für seine figürliche Plastik fand
der Künstler vielfach im holländischen Fischerleben. Seine
vielleicht glücklichste Schöpfung istanderer Art: die Brunnen-
gruppe eines nackten trinkenden Knaben, die vor dem Kgl.
Gymnasium in Düsseldorf aufgestellt ist und dort eine
berechtigte Volkstümlichkeit erzielt hat. Die stadlischen
Kunstsammlungen in Düsseldorf bewahren seit kurzem
e'ne Kleinplastik in Bronze von G. v. Bochmann, einen
weiblichen Akt «Auf der Lauer«. c

An den Folgen einer am 22. Oktober in Douvrin bei
La Bassee erlittenen Verwundung starb im Alter von
36 Jahren der Düsseldorfer Maler Ludwig Heinrich
Heyne, Offizier-Stellvertreter im 53. Infanterie-Regiment
(geb. am 25 August 1878 in Düsseldorf). Er war ein
Schüler der Düsseldorfer Akademie und hat hauptsächlich
den Unterricht von Claus Meyer genossen. Wie dieser
setzte Heyne das Düsseldorfer Genre fort; seine zahl-
reichen Gemälde, mit denen er regelmäßig die Düssel-
er er Ausstellungen beschickte, zeichneten sich durch vor-
zügliche Charakteristik und gewähltes Kolorit aus. Ein
Beispiel war »Die Freundinnen« auf der Großen Kunst-
ausstellung 1Q13. i„ Düsseldorf genoß der so früh dem
Leben Entrissene besonderes Ansehen durch seine Be-
mühungen um die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage
der Künstler. c.

Der Wiener Bildhauer Rudolf Ritter von Weyr,

1 rofessor an der Technischen Hochschule und ehemaliger
langjähriger Vorsitzender der Wiener Künstlergenossen-
schaft, ist im 86. Lebensjahr gestorben. Weyr war in Wien
a|n 22. März 1827 geboren, hat an der dortigen Akademie
studiert. Seine bekanntesten Werke sind größtenteils in Wien,
vor allem der Bacchuszug am Hofburgtheater, dann die
Reliefs am Grillparzer-Denkmal, der Brunnen an der Hof-
burg, ferner Dekorationen am Hofmuseum u. a. m.

PERSONALIEN
Die Leitung des Rauch-Museums in Berlin wurde
dem Bildhauer August Kraus übertragen. Diese Nach-
richt, die durch die Presse bekannt gegeben worden ist,
Wingt äußerst befremdlich. Das nach langen Kämpfen
allgemein anerkannte Prinzip, daß an die Spitze von Kunst-
sammlungen nicht Künstler, sondern Gelehrte gehören, ist
damit aufs neue durchbrochen worden. Es handelt sich
gewiß nur um ein bescheidenes und verborgenes Museum,
aber grundsätzlich muß doch gegen diese Wahl aufs
schärfste protestiert werden. Es heißt, daß Professor
Mackowsky, der als Nachfolger des 1905 verstorbenen

Bildhauers Rudolf Sietnering das Museum leitete, durch
seine neue Tätigkeit bei der Bildnissammlung der Königl.
Nationalgalerie an der weiteren Führung der Geschäfte
verhindert war. Das ist zu bedauern, da Mackowsky durch
seine besonderen Interessen der berufene Leiter des Rauch-
Museums gewesen ist. Ob ein Bildhauer wie August
Kraus allerdings gesonnen sein wird, für die Leitung des
Museums mehr von seiner Zeit zu geben, als Mackowsky
neben seiner Tätigkeit in der Bildnissammlung imstande
war, bleibt sehr zu bezweifeln. Sicher aber hätte unter der
großen Zahl der jüngeren Kunsthistoriker sich ohne
Schwierigkeit eine geeignete Persönlichkeit ausfindig
machen lassen, und das Museum hätte einen Direktor
bekommen können, der gewillt gewesen wäre, sich ganz
einer Aufgabe zu widmen, die zunächst nicht eben lohnend
scheinen mag, die aber mancherlei Möglichkeiten in sich
birgt. Steht doch die Überführung der von Mackowsky
neugeordneten Sammlung an eine andere Stelle bevor, und
liegt der Gedanke der Erweiterung in manchem Sinne
gerade damit sehr nahe. Zudem kann ein schaffender
Künstler durch Verwaltungsgeschäfte, die er nebenamtlich
führen soll, nur belastet werden, während andererseits die
Museumsstellungen nicht so zahlreich sind, daß man den
Kunsthistorikern eine dieser praktischen Betätigungsmög-
lichkeiten, zu denen sie vorgebildet sind, entziehen dürfte.

Die Nachfolger von Hermann Prell und Hans
Erlwein in Dresden. Der akademische Rat hat der
Königl. Staatsregierung empfohlen, vorläufig die Stelle
Hermann Prelis an der Königl. Kunstakademie nicht wieder
zu besetzen. Es liegt angesichts der geringen Schülerzahl
keine Notwendigkeit dazu vor, das Atelier für Monuinental-
malerei während des Krieges aufrecht zu erhalten. Auch
die Stelle eines Stadtbaurats für Dresden dürfte nicht sofort
wieder besetzt weiden. Der Gedanke, einen Techniker
oder etwa wieder einen Architekten zu berufen, dessen
Stärke mehr in der Verwaltungstätigkeit bestünde, die bau-
lichen Aufgaben der Stadt aber Privatarchitekten zu über-
tragen, erscheint durchaus verwerflich. Nachdem man er-
kannt hat, was eine wahrhaft künstlerische Persönlichkeit,
wie sie Erlwein war, für eine Stadt wie Dresden zu be-
deuten hat, kommt selbstverständlich nur ein Baukünstler
in Frage, der seine Aufgabe genau so auffaßt wie Erlwein,
nämlich vom Standpunkte moderner Städtebaukunst aus
und mit dem Ziel, alle neuen städtischen Bauten har-
monisch in das Dresdener Stadtbild einzupassen. Es dürfte
gar nicht zu schwer sein, für Dresden einen solchen Bau-
künstler zu finden. Stadtbaudirektor Fritz Schumacher in
Hamburg, dessen Name viel genannt wird, dürfte bei
seiner starken Bautätigkeit in Hamburg schwerlich geneigt
sein, seine Stellung dort aufzugeben. ^

Professor Max Slevogt ist als Maler auf dem west-
lichen Kriegsschauplatz zugelassen worden.

Ludwig Putz ist als Schlachtenmaler auf dem russi-
schen Kriegsschauplatz tätig.

Konrad v. Kardorff, der bekannte Berliner Maler
und Mitglied der Freien Sezession, wurde durch das Eiserne
Kreuz ausgezeichnet.
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