Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Vereine — Vermischtes — Anzeige

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turen betrifft, nicht in so großer Verschiedenheit wie bei
Frederik Muller auf seiner augenblicklichen Ausstellung.
Ein feines hell-braunrot gemaltes Teegeschirr aus der Ber-
liner Fabrik fällt aber besonders auf.

Von guten Delfter Fayencen sieht man einen Satz von
fünf großen polychromen Vasen, von denen die Deckelvase
die Marke des Lambertus van Eenhoorn (vielleicht auch der
des Lowijs Fictoor) trägt. Dann eine Sammlung von blauen
und polychromen Bürsten, kleinen Schuhen und Teebüchsen
in verschiedenen Techniken, eine dieser Teebüchsen in der
Technik des Rochus Hoppesteyn.

Auch eine italienische Schüssel mit figürlichen Dar-
stellungen von Urbino ist ausgestellt.

Von den Möbeln nennen wir: ein deutsches Bett aus
Palisanderholz mit eingelegter Elfenbeinarbeit, das noch
den Stil vom Ende des 16. Jahrhunderts zeigt. Ein hollän-
discher Lehnstuhl aus schwarzem Ebenholz trägt die ge-
schnitzte Jahreszahl 1638. Ein holländischer Schrank
»Beeldenkast« aus Eichenholz mit Schnitzarbeiten (allego-
rische Tragfiguren und Darstellungen aus dem Leben der
Susanna), datiert von ungefähr 1640. Holländische Lehn-
stühle und Stühle aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind
bezogen mit selten gut erhaltenen Gobelinarbeiten mit
Blumenmuster. Außerdem befinden sich in den Zimmern
noch ein Kunstschrank aus dem 17. Jahrhundert, Sekretäre,'
Kommoden und Konsolentische, teilweise französische
Möbel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von
den Uhren seien noch erwähnt eine große Standuhr in
Boullearbeit, eine Konsolenuhr aus vergoldeter Bronze
im Stile Ludwigs XV. und eine Wanduhr im Stile Lud-
wigs XVI. Ein Taufbecken in eleganter Form zeigt den
Stil Ludwigs XVI. Die eingangs genannten Empiremöbel
aus dem Besitz der Königin bestehen aus: Bett, Spinett,
Kommoden, Waschtisch, Stühlen, großem Standspiegel,
Leuchtern, Uhren, Kandelabern und Oirandolen, alles aus
Magahoniholz mit vergoldeten Bronzebeschlägen.

Ein Zimmer im Stile Ludwigs XVI. im Wohnhause
der Familie Six ist mit den zugehörigen Stühlen auch als
Ausstellungszimmer eingerichtet, während sich in den
anderen Zimmern u. a. ein englischer Kamin mit reicher
Bildhauerarbeit'aus dem Ende des 18. Jahrhunderts befindet.

Nennen wir zuletzt noch die Bucheinbände, Manu-
skripte und Miniaturen aus Manuskripten; darunter ver-
schiedene niederländische Stundenbücher aus dem 15. Jahr-
hundert. In demselben Wandschrank befindet sich das
Album amicorum des Jan Six, die »Pandora« mit zwei
Zeichnungen Rembrandts. Dr. Elisabeth Neurdenburg.

In der Kunsthütte in Chemnitz findet eine Ausstellung
von Gemälden von Franz Bunke, Ober-Weimar statt, dessen
zartsinnig ehrliche Landschaften eingehende Vertiefung und
Liebe des Beschauers verdienen. Einer von den Wenigen,
deren Schaffen im schlichtesten Kleide die höchste Innig-
keit verbirgt, und dem die schwülstig, übertriebene Art der
Einführung, die ihm seinerzeit A. Egger-Lienz anläßlich
der Wiener Ausstellung bei Pisko 1914 zukommen ließ, nur
Unrecht tut.

Im Gegensatze dazu wirkt Eichler-München in seiner
oft allzu manierierten und manchmal leider auch nach Ver-
flachung hinweisenden Art fast befremdend, wenn auch aus
vielem noch die große Tüchtigkeit des sonst so beliebten
und geschätzten Künstlers hervorleuchtet. e. m.

VEREINE

Leipzig. Die Gesellschaft der Freunde des Kunst-
gewerbemuseums hat in diesem Jahre zwei Sitzungen
abgehalten. Im Februar besprach Herr Rudolf Brockhaus

eine Sammlung französischer Flugblätter und Karikaturen
aus den Kriegsjahren 1870/71, die im Kunstgewerbe-
museum ausgestellt war. In der März-Sitzung sprach
Herr Geheimrat von Seidlitz über den Raffael und Lio-
nardo der Sammlung Czartoryski, die jetzt in der König-
lichen Gemäldegalerie in Dresden ausgestellt sind. Herr
Dr. Wackernagel hielt einen Vortrag über Baseler Rokoko-
bauten und Herr Direktor Graul besprach neue Erschei-
nungen über deutsche Porzellane und einige neue Er-
werbungen des Kunstgewerbemuseums. Als Geschenk der
Gesellschaft wurde dem Kunstgewerbemuseum eine ober-
italienische geschnitzte Kassette mit reichem Grotesken-
schmuck, eine Arbeit vom Beginn des 16. Jahrhunderts
überwiesen.

VERMISCHTES

Das Berliner Universitätsbild von Kampf voll-
endet. Nach beinahe einjähriger, fast ununterbrochener
Arbeit hat Professor Arthur Kampf sein Monumentalbild
»Fichte als Redner an die deutsche Nation« vollendet. Das
Gemälde, das die Stirnwand der neuen Universitätsaula
schmückt, dürfte bei der nächsten Universitätsfeierlichkeit
am 3. August enthüllt werden. Zurzeit steht noch das
wandgroße Gerüst, auf dem Kampf sein Bild unmittelbar
auf die Mauer gemalt hat. Ein solch großes Fresko be-
darf noch längere Zeit nach der Fertigstellung der Beobach-
tung, um Ungleichmäßigkeiten des Trocknens usw. auszu-
gleichen. Die weitere Umgestaltung der Stirnwand der Aula,
für die Kampf auch Vorschläge gemacht hat und die Auf-
stellung von zwei Büsten, des königlichen Stifters der
Universität, Friedrich Wilhelms III. und unseres Kaisers,
befürwortete, ist bisher noch nicht in Angriff genommen.

Ein neues Hindenburg-Bildnis. Professor Karl
Ziegler, der am Posener Kaiser-Friedrich-Museum wirkende
Bildnismaler, hat jetzt ein großes Bildnis des Generalfeld-
marschalls von Hindenburg nach dem Leben vollendet.
Ziegler hat den Sieger von Masuren im Profil, stehend
in ganzer Figur gemalt. Der Heerführer hat im Haupt-
quartier des Ostens dem Künstler fast eine Woche hin-
durch für sein Bildnis gestanden.

Die durch den Tod des bisherigen Inhabers
freigewordene Stelle

des Erften Direktors des
MufeumsWallraf-Richart^ in Cöln

ilt neu zu hefe^en.

Die Anftellung erfolgt auf gegenseitige
halbjährige Kündigung mit Ruhegehaltsberech-
tigung und Anbruch auf Witwen- und Waifen-
verforgung. Das Gehalt beträgt 7000 Mark,
fteigend alle 3 Jahre um 400 M. bis 9000 M.

Bewerber wollen ihre Meldungen mit
Lebenslauf bis zum 1. Juli 1915 unter der
AdrelTe: „An den Herrn Oberbürgermeifter
in Cöln, Rathaus" einreichen. Perfönliche Vor-
stellung vorläufig nicht erwünfcht.

CÖLN, den 24. Februar 1915

Der Oberbürgermeifter.

Inhalt: Aus den Münchener Museen. — Christoph Lenzt- - Personalien. — Der Umzug der Londoner Parthenon-Skulpturen. — Ausstellungen
in Amsterdam und Chemnitz. — Sitzungen der Oesellschaft der Freunde des Kunstgewerbemuseums in Leipzig. — Vermischtes. — Anzeige.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E.A.Seemann in Leipzig, Hospitalstraße IIa
Druck von Ernst Hedrich Nachf., o. m. b. h., Leipzig
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