Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Personalien — Wettbewerbe — Denkmäler — Krieg und Kunst

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Banne nicht mehr zu entwinden, in den ihn sein »Löwen-
bild« geschlagen hatte. Bei jeder passenden und auch
nicht passenden Gelegenheit holte er es hervor, besserte
daran herum und überzog schließlich die Wasserfarben
mit Ölfarben. Natürlich wurde das Werk dadurch nicht
reicher, sein Schöpfer aber zog daraus wenigstens für einige
Zeit erneute Hoffnung . . . Am 22 März hat der Tod dem
Leben des armen Mannes ein Ziel gesetzt. Er starb im
59. Lebensjahre. A. e w.

PERSONALIEN
Künstler im Felde. In letzter Zeit sind wieder eine
Anzahl bekannter deutscher Künstler dem Ruf zu den
Waffen gefolgt. Der Berliner Bildhauer Oskar Oarvens
steht als Offizierstellvertreter eines Landsturmbataillons im
Osten. Der Berliner Maler Willi ter Hell ist beim Pots-
damer Jägerbataillon eingetreten. Sein Kollege Leonhard
Sandrock ist Oberleutnant und Abteilungsadjutant eines
Kriegsbekleidungsamtes. Prof. Hans Müller-Dachau, Lehrer
an der Karlsruher Akademie, ist Inspektor eines Feld-
lazaretts. Der friesische Maler Prof. Feddersen ist Über-
wachungsoffizier eines Telegraphenamtes. Der Dresdener
Maler und Graphiker Prof. Richard Müller steht als Land-
sturmmann in Frankreich. Der Karlsruher Landschafter Her-
mann Goebel, der in den Sezessionsausstellungen bekannt
wurde, ist im Westen verwundet worden und liegt zurzeit
in Rheydt bei Düsseldorf. Hans Schrödter, der Vorsitzende
des Karlsruher Ortsvereins der Kunstgenossenschaft, steht
als Vizefeldwebel beim Landsturm. Der Berliner Bildnis-
maler Alfred Cerigioli trat bei einem Grenadierregiment
ein, der Berliner Bildhauer Otto Richter hat sich freiwillig
als Sanitätshundführer gemeldet. Der Münchener Land-
schafter Olto Bauriedl trat als Kriegsfreiwilliger bei einem
bayrischen Schneeschuhbataillon ein. Der Kölner Maler
und Graphiker F. A. Weinzheimer ist Vizefeldwebel bei der
Infanterie. Prof. Adolf Sautter, der an der Pforzheimer
Kunstgewerbeschule wirkende Bildhauer, ist beim Landsturm
eingetreten.

Die bekannte Berliner Malerin Grete Waldau hat von
der schwedischen Regierung die große goldene Medaille
für ihre Wandgemälde in der Baltischen Ausstellung in
Malmö erhalten. Die Künstlerin besitzt bereits u. a. die
große goldene Medaille der Pariser Weltausstellung des
Jahres 1900.

WETTBEWERBE
Einen Wettbewerb für Arbeiten der Kabinetts-
und Kleinplastik schreibt wiederum im Auftrage des
Kgl. sächsischen Ministeriums des Innern der akademische
Rat der Kgl. Kunstakademie zu Dresden aus. Zugelassen
sind Bildwerke der freischaffenden Kunst aus edlem und
echtem Material: Standbilder bis zur Lebensgröße, Büsten,
Statuetten, Reliefs, Plaketten, Denkmünzen, Medaillen in
Marmor, in Edelmetallen, Bronze, Zinn, Elfenbein, Holz,
gebranntem und glasiertem Ton, Porzellan, Wachs und dgl.
Erwünscht sind für diesmal noch besonders Gedenktafeln
für gefallene Studierende der Kunstakademie und für im
Feld gebliebene Angehörige öffentlicher Behörden und
Bildungsanstalten: Schulen, Hochschulen, Universitäten.
In der Regel sind die Bildwerke in echtem Material ein-
zuliefern. Bei unverhältnismäßig großen Unkosten ist es
jedoch zulässig, daß der Künstler seine Arbeit in anderem
Material (Gips) einreicht, aber derart zugerichtet, daß sich
das Werk von der wirklichen Ausführung in echtem Ma-
terial nicht oder doch nur wenig unterscheidet. Modelle
müssen Originalgröße haben und erkennen lassen, daß der
Künstler seine Arbeit für ein ganz bestimmtes Material

gedacht hat. Modelle in Ton sind ausgeschlossen. Bild-
werke, die zur Vervielfältigung in Bronze, Zinkguß, Ton,
Porzellan oder dgl. bestimmt sind, dürfen noch nicht im
Verkehr sein. Der Künstler muß eine entsprechende Ver-
sicherung abgeben. Ob der Staat das Vervielfältigungsrecht
erwirbt, wird bei etwaigem Ankauf mit bestimmt. Die
Bildwerke sind mit dem Namen der Urheber versehen
beim Hausinspektor der Kgl. Kunstakademie zu Dresden
bis spätestens Mittwoch den 20. Oktober 1915 mittags
12 Uhr abzugeben. Der Verkaufspreis ist anzugeben.

DENKMÄLER
In Prag auf dem Altstädter Ring wird jetzt ein Denk-
mal für Johannes Hus aufgestellt. Der tschechische Bild-
hauer Saloun hat es geschaffen. Von demselben Künstler
werden jetzt auch am neuen Prager Rathaus zwei Figuren
aufgestellt, Darstellungen von Gestalten aus Prager Lokal-
sagen, der Rabbi Loew und der Eiserne Ritter.

KRIEG UND KUNST
Der Bund deutscher Architekten an die Staats-
ministerien. Infolge der fast vollständigen Stillegung der
Bautätigkeit durch den Krieg und der dadurch hervor-
gerufenen Notlage des Privatarchitektenstandes hat jetzt
für den geschäftsführenden Ausschuß des Bundes deutscher
Architekten Geh. Rat Frentzen-Aachen eine Eingabe an
die deutschen Staatsministerien gerichtet. Sie erbittet ge-
eignete Maßnahmen zur Linderung des Notstandes. Diese
könnten darin bestehen, daß beabsichtigte, wegen des
Krieges jedoch zurückgestellte fiskalische Bauten baldigst
in Angriff genommen und daß zur Herstellung ihrer Pläne
sowie zur Bauleitung nach Möglichkeit Privatarchitekten
herangezogen werden. Dies dürfte den in Betracht kom-
menden Behörden um so leichter sein, als eine große An-
zahl staatlich angestellter Architekten zum Kriegsdienst
einberufen ist. Ferner würden die zu unfreiwilliger Muße
gezwungenen Privatarchitekten es dankbar anerkennen,
wenn seitens der Staatsregierungen Wettbewerbe für solche
in absehbarer Zeit notwendig werdenden Bauten ausge-
schrieben würden, deren Programm entweder jetzt bereits
feststeht oder sich in allgemeinen Zügen für Ideen-Wett-
bewerbe angeben läßt. Diese Bauaufgaben könnten durch
das Aufgebot zahlreicher baukünstlerischer Kräfte gerade
in der jetzigen arbeitslosen Zeit, wo mit doppelter Hin-
gabe an der Aufgabe gearbeitet werden würde, einer glück-
lichen Lösung zugeführt werden.

Arbeiten russischer Kriegsgefangener im Berliner
Museum. Ein paar Geschenke, die jetzt in die Sammlung
für deutsche Volkskunde in der Klosterstraße kamen, lehren,
daß gewisse Arbeiten russischer Kriegsgefangener sogar
museumsreif sein können. Für eine Volkskunstsammlung
haben die in gewissem Sinne.noch primitiven und doch
wegen ihrer dekorativen Reize jetzt vielfach geschätzten
Arbeiten des einfachen russischen Volkes ihr Interesse.
Die Arbeiten, die Leutnant Graf von Schlieben jetzt der
Berliner Sammlung schenkte, sind ein paar Holztauben und
ein Schüsselkranz. Sie sind in einem deutschen Gefangenen-
lager von russischen Soldaten mit den einfachsten Mitteln
hergestellt worden.

Die Münchener Akademie der bildenden Künste
im Kriege. Trotz des Krieges und der militärischen Be-
legung des ersten Stockwerkes der Akademie konnte sie
ihren Unterricht in allen Schulen eröffnen. Die Frequenz
seitens der Schüler ist mit Rücksicht auf die Zeittage über-
raschend gut, sie beträgt 50 Prozent des sonstigen Be-
suches. Von den 212 eingeschriebenen Akademikern sind
96 eingerückt, darunter haben viele als Kriegsfreiwillige
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