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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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365

Sammlungen — Forschungen — Vermischtes — Krieg und Kunst

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SAMMLUNGEN
Die Gemäldegalerie des Berliner Kaiser-Friedrich-
Museums ist durch Tausch in den Besitz des Entwurfes
zu einem Deckengemälde von Joh. Evang. Holzer gekom-
men, eine günstige Bereicherung der Abteilung deutscher
Barockgemälde.

G. Bestelmeyers Pläne für den Erweiterungsbau des
Germanischen National-Museums in Nürnberg sind
so weit fortgeschritten, daß man jetzt mit der Ausführung
beginnen kann. Der Abbruch der Fabrikgebäude, an deren
Stelle der Erweiterungsbau des Germanischen Museums
treten wird, ist schon erfolgt. Mit der örtlichen Bauleitung
wurde der Architekt Theodor Treutlin betraut.

FORSCHUNGEN

Neues von Bernh. Strigel. Im 31. Band, Heft 2
der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins« fährt
Geh. Rat Dr. Obser fort, seine Studien und Forschungen
aus den Akten der ehemaligen Zisterzienser-Abtei Salem
am Bodensee zu veröffentlichen. Einer größeren Abhand-
lung über die »Epitaphien, Gedenk- und Wappentafeln im
Kloster Salem« (S. 176—215 mit Plan), die für die kirchen-
und geschlechtergeschichtlichen Verhältnisse der Bodensee-
gegend außerordentlich ergiebig und interessant sind, geht
eine kleinere, aber für die deutsche mittelalterliche Kunst-
foischung außergewöhnlich bedeutungsvolle Arbeit über
»Bernhard Strigels Beziehungen zum Kloster Salem« (S. 167
bis 175) voran, die erstmalig gewisse Werke Strigels, die
von der bisherigen Kunstforschung noch als unbestimmt
behandelt wurden, genau nach Urheber, Stifter, Zeit und
Ort bestimmt, trotzdem diese Werke der Forschung in der
Gioßherzogl. Kunsthalle zu Karlsruhe seit langem zugäng-
lich waren. Stifter des Bildes ist Abt Jodokus II. Necker
von Überlingen (1510—1529), der auf der »Beweinung
Christi« (Katalog Nr. 59/60) auch im Porträt und mit Wappen
überliefert ist.

Weiterhin ergab sich auch noch aus erhaltenen Akten
ein Vertrag, der einzige bis jetzt bekannte, nach welchem
Strigel für Salem ein größeres Altarwerk zu liefern hatte.
Auch dieses Altarwerk ist gefunden und wohlverwahrt im
sog. gotischen Zimmer des Schlosses Eberstein bei Baden,
wohin, es durch Schenkung der Salemer Eigentümer, der
Markgrafen Wilhelm und Max, an Großherzog Leopold
kam, der diese Werke in die Zimmervertäfelung des durch
Baurat Fischer neu hergerichteten Raumes fassen ließ.

Bemerkenswert ist noch, daß auf einem dieser vier
Bilder (Anbetung der hl. drei Könige) der eine König die
Züge Kaiser Maximilians I. trägt und daß Strigels lebens-
großes Porträt dieses Kaisers vom Jahre 1507 für die
Johanniterkommende in Straßburg von Großherzog Fried-
rich 1. aus ehemaligem Gimbelschen Besitz in die Straß-
burger Galerie geschenkt wurde.

Beringer.

VERMISCHTES
Ein lesenswerter Aufsatz von Wilhelm Trübner
stand jüngst in der bei E. A. Seemann erscheinenden
»Werkstatt der Kunst«. Trübner spricht sich darin über
die Monumentalaufgaben der deutschen Malerei nach

dem Kriege aus und macht dabei folgende Bemerkung:
»Bei Monumentalaufgaben soll die Oberleitung ebenso-
wenig wie bei Feldzügen in die Hände mittlerer Kräfte
gelegt werden. Künstler zweiten und dritten Ranges
können wohl solche Monumentalwerke ausführen, aber sie
können sie nicht entwerfen. Der Entwurf muß von einem
überragenden Meister herrühren, wenn das Werk einen
bleibenden Wert behalten soll, aber die Ausführung kann
von anderen geschehen, wie dies zu Raffaels und Rubens
Zeiten uns in vorbildlicher Weise gezeigt wurde. Ebenso
wie ein großer Baukünstler die Ausführung seiner ent-
worfenen Gebäude und Skizzen nur leitet, ebenso braucht
auch ein Monumentalmaler oder ein Monumentalbildhauer
seine Werke nicht selbst auszuführen, sondern er wird die
Ausführung nur überwachen. Der oberste General ist wohl
die Seele des Ganzen, aber nicht die ausführende Hand.
Nur wenige bedeutende Künstler sind für eine Zeit not-
wendig, um alle Künstlerhände erfolgreich zu beschäftigen,
ebenso wie nur wenige Feldherren allerersten Ranges
nötig sind, um die übrigen Generäle samt der ganzen
Armee zum Siege zu führen.«

Louis Tuaillon hat jetzt seinen beiden berühmt ge-
wordenen Reiterdenkmälern Kaiser Wilhelms II. (auf der
Kölner Eisenbahnbrücke) und Kaiser Friedrichs III. (in
Bremen) nunmehr auch ein Denkmal des alten Kaiser
Wilhelm angereiht. Es ist für Lübeck bestimmt und im
Modell bereits im Atelier des Künstlers fertig.

KRIEG UND KUNST
Im österreichisch-ungarischen Kriegsministerium

ist eine eigene Abteilung für die Überwachung der Anlage
von Kriegergräbern eingerichtet worden; und zwar wird
in Verbindung mit Künstlern und Sachverständigen eine
würdige Gestaltung der Grabstätten auf den Kampffeldern
angestrebt. Dagegen soll die Errichtung von Erinnerungs-
denkmälern im Lande selbst möglichst auf spätere, ruhigere
Zeiten verschoben werden. Damit hat die österreichische
Regierung also ähnliche Maßnahmen getroffen, wie sie
auch in den deutschen Bundesstaaten teils schon getroffen
sind, teils angestrebt werden.

Der künstlerische Beirat für den Wiederaufbau
Belgiens hat jüngst in Brüssel auf Veranlassung des
Generalgouverneurs zum ersten Male getagt. Es haben
an der Sitzung die Herren Dülfer-Dresden, Frentzen-Aachen,
Graessel-München, Saarau und Stübben-Berlin teilgenommen.

In der Ecole des Beaux-arts in Paris fand am 21. Mai
eine Feier für die im gegenwärtigen Kriege gefal-
lenen Schüler der Anstalt statt. Da Frankreich keine
Verlustlisten veröffentlicht, kann man aus den bei dieser
Gelegenheit bekanntgegebenen Zahlen auf die Größe der
französischen Gesamtverluste schließen. Von Schülern der
Ecole des Beaux-arts sind 133 gefallen, 628 verwundet.
Im ganzen sind, — da nur ein Bruchteil der französischen
Künstler durch die Staatsakademie geht — bisher 987 fran-
zösische Maler, Bildhauer, Radierer, Architekten und Mu-
siker gefallen. Unter den Künstlern, die sich besonders
ausgezeichnet haben, wird der Leutnant Besnard, der Sohn
des bekannten Malers Albert Besnard, genannt.

Inhalt: Die Gemälde-Sammlung Carl Sachs. Von A. Lindner. — Alfred Mohrbutter f; Kurt Freise t; Gustav Ebe f. — Jubiläumsausstellung in
Stuttgart. — Gemäldegalerie des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums. G. Bestelmeyers Pläne für den Erweiterungsbau des Germanischen
National-Museums in Nürnberg. — Neues von Bernh. Strigel. — Wilhelm Trübner über die Monumentalaufgaben der deutschen Malerei
nach dem Kriege. — Denkmal Kaiser Wilhelms I. in Lübeck von Louis Tuaillon. — Krieg und Kunst. — Anzeigen.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig, Hospitalstraße 11 a
Druck von Ernst Hedrich Nachf., G.m.b.H., Leipzig
 
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