Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 29.1918

Seite: 255
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1918/0140
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
255

Personalien — Ausstellungen — Vereine — Anzeige

256

aber er hat sie wenigstens noch erlebt, während Schlich
vorher von dannen mußte. Hagemeister hat über Schuch,
mit dem ihn die aufrichtigste Freundschaft verband, ein
ausgezeichnetes, persönliches Buch geschrieben.

Ebenfalls ein Siebziger ist der Radierer Bernhard
Mannfeld geworden, der am bekanntesten durch seine
' großen Architekturradierungen wie den Dom zu Limburg,
Albrechtsburg in Meißen u. a. wurde. 1875 berief man
ihn als Lehrer an das Städelsche Institut in Frankfurt a. M.,
wo er noch heute tätig ist.

Am 5. März ist der bekannte Holzschneider Professor
Martin Hoenemann sechzig Jahre alt geworden. Seine
Holzstiche, in denen er Kreidezeichnungen von Menzel
und Leibi täuschend wiedergibt, bilden einen Höhepunkt
in der manuellen Reproduktionstechnik. Heute sucht man
solche Wirkungen nur noch auf mechanischem Wege zu
erreichen. Hoenemann war ein Schüler der Berliner Akade-
mie und der Akademie Julian in Paris.

AUSSTELLUNGEN
Die große Berliner Kunstausstellung 1918. In

die Ausstellungs-Kommission sind folgende Künstler ge-
wählt worden: von der Berliner Akademie der Künste die
Professoren Hans Looschen, Otto H. Engel, Friedrich Kall-
morgen, August Vogel, Wilhelm Haverkamp und Geh.
Baurat Ludwig Hoff mann; vom Verein Berliner Künstler
die Professoren Max Schlichting, Adolf Schlabitz, Arthur
Lewin-Funke, Fritz Roeber und die Maler Franz Stassen,
Gustav Schmidt-Cassel, F. A. Börner; von der Düsseldorfer
Künstlerschaft Prof. Eugen Kampf, Wilhelm Hambüchen;
außerdem zehn Ersatzmänner.

Hamburg. Unter den jungen Hamburger Malern,
die in der Anfangszeit Lichtwarks sich enge an ihn ge-
schlossen, war der im Jahre 1870 geborene Arthur Illies
einer der rührigsten. Kein Gebiet der freien und ange-
wandten Kunst, auf dem er sich nicht versucht und von
dessen Art er nicht einiges übernommen hätte. Diese Be-
weglichkeit hat ihn vor dem Schicksal des Festgeratens auf
der Bahn des unfruchtbaren Nur- Experementierens bewahrt.
Und wenn er ebenso wie dieser das Traumbild Lichtwarks,
das auf Schaffung einer ausgesprochen Hamburger Kunst-
schule abzielte, vor dem Zerfließen auch nicht zu bewahren
vermochte, so ist er doch für sich nicht unbemerkt geblie-
ben. Lehrend und lernend hat Illies seinen Weg seither
in ruhigem Aufstieg fortgesetzt. Eine zur Zeit in der
Galerie Commeter veranstaltete Ausstellung von Werken
zeigt ihn nun gereift und zu einer der stärksten Indivi-

dualitäten innerhalb der Hamburger Maler-Gemeinde ent-
wickelt. Seine Seemannstypen sind so völlig in sich ab-
geklärte Produkte der sie umgebenden Umwelt, daß er
nicht erst des von einer leichten Brise gekräuselten Wellen-
hintergrundes bedarf, um über Art und Herkunft dieser
Menschen vollen Aufschluß zu erlangen. Sein eigenes,
wie überhaupt das Beste, das seit Jahren in der Ham-
burger Bildnismalerei hervorgebracht worden, bietet Illies
auf dieser Ausstellung in den Bildnissen der Schöpfer der
beiden Hamburger Kunst-Museen, Lichtwark und Brink-
mann, nicht bloß zufallsweise, in einem gemeinsamen
Rahmen eingespannt sind. In den Linien großzügig, sind
beide schlichte Menschheitsdokumente von überzeugender
Innerlichkeit, zu deren Beglaubigung es nicht erst des
kunstgewerblichen Allerlei im Hintergrunde des einen, noch
des Museumsdieners und Bildausschnittes im Hintergrunde
des anderen bedurft hätte. Daß in die Ausstellung zwei ältere
Bildnisse — Liliencron und Otto Ernst — mit aufgenom-
men sind, bietet einen wertvollen Maßstab zur Feststellung
der ganz außerordentlichen Fortschritte, die der Künstler
seither in der Betonung des Seelischen gemacht. Mit zu
den diese besondere Fähigkeit erhärtenden Dokumenten
gehört auch das Bild eines am grünen Meeressaum in brün-
stigem Gebet knienden Mönchs oder Apostels. Und wie
die bisher erwähnten Bildtafeln, so zeigen auch eine in
schillernden Astralfarben gehaltene figurenreiche Allegorie
»Es werde Licht« und eine in Kohle ausgeführte, dramatisch
stark bewegte »Kreuzigung« Illies auf neuen, von seinen
ursprünglichen weit abliegenden, höchsten künstlerischen
Zielpunkten zugekehrten Pfaden.

W. v. Ruckteschell, ein anderer Hamburger Maler, der
gleichfalls zur Zeit mit einer Sammlung bei Commeter ver-
treten ist, interessiert vornehmlich in einigen durchsichtig
klar gemalten Ausschnitten aus den winterlichen Hochalpen,
die indes mehr dekorativ denn als Spiegelungen jener tief-
ernsten und rauhen Wirklichkeit ansprechen, die seit Se-
gantini von der Vorstellung der Hochalpenlandschaft un-
löslich ist.

Einen wichtigsten Anteil an der diesmonatigen Ausstellung
hat endlich auch das Werk von Käthe Kollwitz, das in einem
hier noch nie gesehenen Umfang ausgelegt ist. h. e. w.

VEREINE

In Darmstadt wurde kürzlich unter dem Schutze des
Landesherrn eine Hessische Gemeinschaft für Kunst-
pflege gegründet. Sie veranstaltet in diesem Sommer auf
der Mathildenhöhe eine Ausstellung von Malerei, Plastik
und Graphik, deren Beschickung aber nur auf persönliche
Einladung der Künstler erfolgen kann.

Griechische Originale

Von EMIL WALDMANN

Ein stattlicher, vornehmer Band mit 207" Tafeln und zugehörigen Erläuterungen
sowie einer Einführung in die Griechische Skulptur. Geb. in Halbperg. M. 8.—

VERLAG VON E. A. SEEMANN IN LEIPZIG

Inhalt: Lovis Corinth. Ausstellung der Berliner Sezession. Von W. Kurth. — Mitteilungen aus ausländischen Kunstzeitschriften. — Personalien.
— Die große Berliner Kunstausstellung 1918. Ausstellung in Hamburg. — Hessische Gemeinschaft für Kunstpflege. — Anzeige.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E.A.Seemann, Leipzig, Hospitalstraße IIa
Druck von Ernst Hedrich Nachf., o.m.b.H., Leipzig
loading ...