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Kunstgeschichtliche Gesellschaft zu Berlin [Editor]
Kunstchronik und Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner und Sammler — 54.1918/​1919 (April-September)

DOI issue:
Nr. 36 (20. Juni 1919)
DOI article:
Glaser, Curt: Akademie und Sezession
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https://doi.org/10.11588/diglit.29582#0247

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KUNSTCHRONiK UND KUNSTMARKT
HERAUSGEBER: GUSTAV KIRSTEIN
BERLINER REDAKTION: CURT GLASER WIENER REDAKTION: HANS TIETZE
NR. 36 20JUNI 1919

AKADEMIE UND SEZESSION
VON CURT GLASER
AN zwei aufeinanderfolgenden Tagen wurden in Berlin die beiden Aus-
Heilungen eröffnet, deren Namen feit faft zwei Jahrzehnten die Kampfe
rufe im Streit um die moderne Kunft gewefen lind. Akademie bedeutete
das Veraltete, das Traditionelle, das fdiutmäßig Unpersönliche, Sezefhon das
Jugendliebe, das Neuartige, das im eigentliAften Sinne Individuelle. So
war es einmal oder foHte doch einmal fo fein. Heute wollen alle diefe Be-
griffe nicht mehr reAt paffen. Die Akademie fuAt lieh zu erneuern, und
wenn es auA in der Stimmung der revolutionären Umwälzung ein wenig
krampfhaft und niAt in affem glüAfiA gefAah, fo wurden doA Perfön-
fiAkeiten gewonnen, deren Werke zu zeigen bis dahin ein VorreAt der
Sezefhon gewefen war. Und die Sezefhon ift gealtert, he krankt an einer
Tradition, die doA wieder kaum diefen Namen verdient, und he legt mehr
Wert auf einen fAufmäßigen Stif afs auf die freie Betätigung der Individualität.
So fteht die Sezefhon heut im ZeiAen einer neuen Akademie, während
die Akademie da etwa angefangt ift, wo die Sezefhon einft begonnen hat.
Denn die neue Vereinigung war niAt begründet worden als eine Gemein^
fAaft des Stiles, Sondern eine GemeinfAaft von PerfönliAkeiten verfAiedenfter
RiAtungen. Bedingung war nur die Qualität, niAt die imprefhoniftifAe Dar-
ftellungsform, die erft im Laufe der folgenden Jahre zum KennzeiAen wurde.
Ein ähnliAes Ideal fAwebt heut wohl den Veranitaltern der Akademie^
ausftellung vor. Nur daß he allerdings weit entfernt hnd, es zu verwirk^
liAen. Es nützt wenig, daß man ein paar neue Porträts von Liebermann
zeigen kann, wenn in denfelben Sälen Konrad Kiefel hängt, daß man den
gewagten ^Geiger« von Corinth zeigt, wenn Carl Seilers öde GenrebildAen
die NaAbarfAaft bilden. Und diefe Lifte von Beifpielen und Gegenbeifpielen
ließe hA beliebig verlängern. Aber es heht in der Sezefhon im Grunde
niAt viel anders aus, und es ift ledigliA GefAmaAsfaAe, ob man hA über
privilegierte Impotenz mehr entrüften will oder über neumodifAen KitfA,
ob man den öden FamilienblattJdindenburg Hugo Vogels und Dettmanns
 
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