Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Ledertapeten. Von Julius Lessing.

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obige Bcschreibnng nur eincn Teil aller der
wicdcrholten Verfahren und besondcren Vor-
sichtsmaßregeln im Aufrciben, Troünen nnd
Wiederaufreiben
der Firnisse und
Farben, von deilen
uns die alten Bc-
schreibungcn be-
richtcn.
Diese Arbeit
scheint, wie so viele
anderc Knnstfer-
tigkcitcn, die wir
nnrineuropäischer
Form kcnnen, aus
dem Orient herzu-
stammen. Jm Mit
telalter bersorgtc
das maurische
Spanien Enropa
mit dcn feineren
Lederarbeiteindas
Kordnan, wclchcs
schon im 12. Jahr-
hnndert in Frank-
reich erwähnt wird
und dessen Name
sich noch bis heute
erhalten hat, ist
nichts als Ledcr
von Cordova in
Spanien, nnd als
die Maurcn sich
nachAfrikazurück-
ziehcn mnßten,
wurde Marokko
der Hanptplatz für
dieseArbeiten, wo-
»ach wir bis heute
das Maroquin be-
nenncn.
Die ältesten Arbeitcn, von denen wir
wissen, im 14. und 15. Jahrhundert, waren
nicht gepreßte jeinzelne Tafeln, sondern sic
waren vielmehr.. zu grvßen, teppichartigen


Flächen znsammengenäht und ans freier Hand
über die ganze Fläche hin mit figürlichen nnd
andcren Darstellnngen gemustert. Diese Stückc
pflegte man auch
nicht an der Wand
fcstzunageln, son-
dern im Ganzen
aufzuhängen; fic
dienten also dnrch-
aus als Ersatz der
gewirktcn,figuren-
rcichen Wandtep-
piche. Es cntspricht
dics dcr Sitte der
Ritterzeit, in wel-
cher die streitbaren
Herre» von Burg
-- znBnrgzogen nnd
A ihren Hausrat an
Wandtcppichen
Z mitnahmen, nm je
" nachBcdarfcinzel-
Z ne Näume wohn-
I lich herzurichten.
Z Erst als mil-
dere Zeitcn ein-
§ tratcn, als m Jta-
lien im 15. Jahr-
hundert wirkliche
Paläste zum stän-
digen friedlichen
Wohnsitz gebant
wnrden, konnte
man an eine blei-
bcndeAusstattung
derWände denken,
und in dicse Zeit,
in dic Blüte der
Renaissance, fällt
auch die Blüte der
Ledcrtapeten.
Diese Tapeten galten als etwas sehr Kostbares
und waren nur hohcn Herren zugänglich, für diese
aber auch fast nncrläßlich. Jn jener Zeit hatte
sich die Kunst dcr Malerei von der monumen-
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