Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Die achte Ausstellung der Ilulou osutraiö äö« L.rts äsooratik« in Paris.

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lität und der sich darin manisestirendcn Bcstrebun-
gen halber den Borrang. Nach eingehendem Stu-
dium dieser Abteilung wollcn wir vorerst kon-
statiren, daß viele auffallende Neuerungen seit
1878 auf diesem Gebiete nicht zu registriren
waren; wir möchten den unstreitigen Fortschritt
eher dahin formuliren, daß diejenigen Errungen-
schasten, die damals im ausschließlichen Besitze
einiger großen Fabrikanten waren, heute allge-
meine Verbreitung gefunden haben. Andrerseits
tritt die Absicht der Fabriken immer klarer
hervor, den Stein aus der Architektur zu ver-
drängcn und dem keraniischen Ornamente den
Platz, dcn es seit Jahrhunderten verloren hatte,
wieder zu erobcrn. Jch meinesteils begriiße freu-
dig diefen Zug uud betrachte es als Gewinn,
wenn in unserem farblosen Jahrhundert das
Gefiihl siir Polychrvmie auch in der Architektnr
wiedcr erwacht.
Wie schvn cinmal bemerkt, bestcht in Frank-
reich eine starke Reaktivn gegcn srcmdc Einfuhr.
Um der ausländischen Jndnstrie den französischen
Markt zu sperren, haben sich Verbände gebildet.
Ein solcher Verband ist auch die im Jahre
1870 entstandene Gesellschast „llnion Oäranric>ns
ot Olmnlonrniöro äo Uranes's Sicnahm mit
50 ihrer Mitglieder an Ler Ausstellung teil. Da
ihre Statutcn sich nur auf die Erforschuug, Mit-
teilung und Priisung aller auf den gebrannten
Thon nnd kalkhaltige Gesteine bezüglichen
Fragen erstrecken, konnte ihre Ausstellung weder
eine ciuheitliche noch umfassende sein. Auch sind
es meist Gebrauchsartikel und architektonischc
Teile, die von den jeweiligen Fabrikanten erzeugt
werden. Sehr wichtig hingegen sind die Be-
mühungen der Gesellschaft zur Verbesserung der
Gasheizung, um so wichtiger, als meines Wissens
diese Heizung nur bei der Königl. Porzellau-
Manufaktur zu Berlin mit Erfolg gebraucht
wird und alle Lbrigen in Böhmen als auch
anderweitig angestellten Versuche bis jetzt ge-
scheitert sind. Leider hat unser verhältnismäßig
kurzer Aufenthalt in Paris und die etwas lang-
wierigen Bvrbereitungen des cigens zu diesem
Behufe gebauten Ofens uns nicht gestattet die
Resultate bevbachten zu können.
Auf der Tagesordnung der französischen
Thonwarenfabrikanten scheint die Frage der
Flambö's zu stehen. Alle größeren Firmem haben
sich mit mehr oder weniger Glück in denselben
dersucht; auch die kleinen in ihrer Weise. Obenan
steht, wie überhaupt so auch in dieser Hinsicht,

Th. Deck. Mit wunderbar feurigen und durch-
sichtigen Farben streifen dessen Arbeiten hart an die
chinesischen. Bemerkenswert sind auch die zart
abgetönten Cöladons „eölaäon transluoiäs snr
xäts ä'spxlioation". Alle übrigen Arten, die
cloisonirten Gesäße, die große Porträts-
Schüsiel, deren durchsichtiger Schmelz, zarte und
einfache Modellirung Meisterwerke in ihrer Art
sind, dürsten hinlänglich bekannt sein, so daß wir
auf nähere Beschreibung verzichten kvunen. Nächst
Th. Deck trat am meisten ferner die Firma
Utzschneider <L Co. in Saargemiind mit eini-
gen dekorativen Panneaux, deren harmonische
Farbenstimmung mit der Reinheit und dem


Fig. 8. Porzellan-Kamie. Meunccy. 1S. Jahrh.
(Sammlnng Darcel.)
Glanz der Glasuren Ivetteiferte, dann Havi-
land L Co. und Jules Honry mit Scharf-
feuer-Farben hervor, die sür die ganze Limousiner
Porzellanindustrie charakteristisch sind; L oebnitz
mit teilweise emaillirten Bisguits und architek-
tonischen Details, mit schönen und billigen
Fliesen die Firma Gaidan LVidal aus Tours.
C. A. Barbizet und T. Pull haben sich, wie
bekannt, auf die Jmitation der Palissy-Waare
verlegt, mit dem Unterschied, daß der eine, Pull,
aller Originalität entsagend nur alte Stücke
kopirt, während Barbizet mit Benutzung der
alten Elemente Neues zu schaffen trachtet.
Emige Fabrikanten aus der Gegend von
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