Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Weitere U)erke des (Lhristoph Iannritzer.
Von Arthur pabst.
Ntit Abbildung.

Schneller als man
erwarten durfte. l>at
sich die am Schluß
des Aufsatzes iu Nr.
2 dieser Zeitschrift
ausgesprochene
Hoffnung ersiillt,
daß sich noch weiterc
Werke deSCHristoph
Jamnitzer findeu
würden. Heuteschon
kann ich hier einige
Nachtrcige geben;
den Nachweis der
hier neu verzeichne-
ten Werke verdanke
ich meinem Freunde
Marc Rosenberg.
Zunächst hat
meine auf stilistische
Beobachtungen ge-
gründete Vermu-
tung (S. 23), die
Kanne des grünen
Gewölbes (IV, Nr.
293 des neuen Ka-
Pokal in Gestalt eiiies Mohrenkopfes. talogs des Herrn
Arbeit dcs Lhristoph JamniHer. Extzstein) sei eill
Werk des Chr. Jamnitzer, eine urkundliche Be-
stätigung erhalten: die Kanne hat nach Angabe
des neuen Katalogs die Marke des Meisters.
Ein bezeichnetes Werk des Meisters bewahrt
die St. Johanneskirche zu Ansbach. Es ist eine
runde Hostienbüchse auf vier aus Engelköpfen
gebildeten Füßen ruhend. Am Kvrper ein Or-
nament in flachem, wohl gegossenem Relief,
welches dem bandartigen Flechtwerk an der
Unterseite des Gebälks des dorischen Tempels,
der von Bötticher sog. torsutusom gleicht. Dar-
auf zwei Wappen in Allianz: das männliche
Wappen mit dem Andreaskreuz gehört der säch-
Kunstgewerbedlatt. I.

sisch-thüringischen Familie von Gräfen an ^),
das weibliche halbirt zeigt im oberen Felde
ein wachsendes Lamm, im unteren drei Ähren (?).
Auf dem Deckel ein Kruzifix. Gesamthöhe:
13 Centimeter.
Das an sich wenig interessante Stück ist
immerhin beachtenswert, insofern es zeigt, daß
in den Werkstätten der großen Meister nicht nur
Prunkgeräte angefertigt wurden. Genau wie heute
ist dort auch gewöhnlichere, wir würden sagen,
Handelsware, entstanden, die im Gebrauch meist
zu Grunde gegangen ist; die auf Bestellung ge-
fertigten Prachtgefäße haben dagegen der Zeiten
Sturm überdauert: in ihnen müssen wir die
höchsten Leistungen der Meister erblicken, dürfen
sie aber nicht als die Durchschnittsarbeiten der
Werkstätten ansehen.
Ungleich wichtiger als das besprochene ist
ein anderes mit dem Meister-, Wardein- und
Wüchsenzcichen versehenes Werk des Meisters,
welches wir in Abbildung nach einer Skizze mit-
reilen. Es ist ein silberner Pokal in Form eines
Mohrenkvpfes, dessen oberer Teil den Deckel
bildet. Der Kopf ist mit ciner breiten Binde
geschmückt, auf welchcr sich wiederhvlt ein einem N'
ähnliches Ornament befindet. Auf dem Scheitel
ist ein rundes Glied mit einem Strauch aus Glas-
blumen und Glasperlen als Griff angebracht.
Der Kopf ruht auf einem runden mit getrie-
benen Buckeln und gegossenen Bügeln geschmückten
Fuß. Auf dem schrägen Halsabschnitt sindet sich
ein getriebenes Wappen: einköpfiger Adler n. r.;
über seinen Körper und Flügel läifst ein horizon-
tales Band mit drei zunehmenden Mondsicheln.
Es ist das Wappen einer Nebenlinie der Flo-
rentiner Familie Strozzi. Der Kopf ist mit
schwarzer Lackfarbe naturalistisch bemalt, ein Ver-

1) Die Bestiimmmg dieses wie des weiter unten
beschriebenen Wappens verdanke ich dem Herrn Ge-
heimsn Regierungsrat Dielitz.
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