Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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DER GEWERBLICHE CENTRALVEREIN IN DANZIG.

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durch ein gütigst bewilligtes Geschenk des Danziger
Aktiensparkassenvereins im Betrage von 3000 Mark.
Sind auch die Mittel, über welche der Verein zu
Gunsten seiner Sammlung verfügen konnte, oft recht
spärliche gewesen, so hat er trotzdem in den ver-
flossenen zwei Jahren ganz Erhebliches geleistet.
9000 Vorlageblätter kunstgewerblicher Gegenstände
in 30 Kästen beher-
bergt die Sammlung,

182 geschlossene
Werke in 300 Bän-
den finden sich in
der Büchersamm-
lung, 20 Zeitschrif-
ten stehen den Mit-
gliedern, sowohl wie
überhaupt jedem in
der Provinz, der sich
für sie interessirt, un-
entgeltlich zur Ver-
fügung. Der Samm-
lung ist es daher
auch geglückt, so-
wohl das große Pu-
blikum als auch den

Handwerkerstand
nicht minder, wie
die Danziger Damen
heranzuziehen.

Aber nicht auf
Danzig allein be-
schränkte sich der
Verbrauch unserer
Vorbilder, die ganze
Provinz hat aus ihr
Nutzen gezogen,
Handwerker und
Publikum in den
kleinsten Städtchen
haben sich Vorbilder
zusenden lassen; ja auch über die Provinz hinaus
hatte die Sammlung Objekte zu verschicken, so nach
Königsberg, Breslau, Köslin und Stettin. Das ist
sehr erfreulich für die Weiterentwickelung unserer
Sammlung, darf aber andererseits nicht wunder-
nehmen, denn für das ganze Deutschland nordöstlich

Spiegelrähmchen, im Besitze des Herrn Karnauth, Fachschuldirektor
in Bozen. Im Original 27 cm hoch. (Siehe S. 18.)

von Berlin gelegen ist das Institut das einzige in
seiner Art.

Besucht wurde die Sammlung in den zwei Jahren
von 1391 Personen (1890 589 Personen, 1891 802),
an 884 Entleiher wurden 6339 Objekte verabfolgt,
außerdem wurden 2407 in die Provinz geschickt.
Ein Vergleich der Besuchs- und Entleihungsziffern

der einzelnen Monate
zeigt eine stetige
Zunahme der Be-
sucher und Ent-
leiher, woraus man
mit Recht auf die
Brauchbarkeit unse-
rer Sammlung und
auf das Bedürfnis
einer solchen für
unsere Provinz

schließt.

Bleiben auch
die oben angeführ-
ten Zahlen unserer
Sammlung hinter
denen west- und
süddeutscher Insti-
tute sehr bedeutend
zurück, so ist zu
bedenken, dass bei
uns der Handwerker
nicht die Aufträge
erhält, wie im We-
sten und Süden
Deutschlands, dass
unserem Publikum
ein großer Zug nach
Westen innewohnt,
der sich häufig selbst
bei Beschaffung der
kleinsten Gegen-
stände in Fahrten
nach und Kaufen in Berlin zeigt. Es fehlt unserem
Osten aber auch die Großindustrie von Mittel-,
West- und Süddeutschland und es fehlt unserem
konsumirenden Publikum nicht so sehr am Wollen
als vielmehr am materiellen Können.
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