Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

für Holzschnitzerei hatte diesmal die auf Professor Meurer's
Anregungen hin eingerichtete Naturklasse manche interes-
sante und tüchtige Arbeit aufzuweisen. —■ Einen großen
Verlust erlitt die Anstalt dadurch, dass der langjährige,
bewährte Leiter der Malklasse, Prof. Max Koch, mit Oktober
seine Lehrthätigkeit aufgegeben hat. Auf die dekorative
Malerei Berlins hat er namentlich durch Ausbildung einer
großen Anzahl tüchtiger Schüler vortrefflichen Binfluss aus-
geübt. Ein Schüler des Herrn Professor Koch, Maler Max
Seliger, hat für das mit Oktober begonnene neue Schuljahr
die Leitung der freigewordenen Klasse übernommen. — Aus
Anlass der Ausstellung und zur Besprechung über die ein-
zuhaltenden Lehrgänge fand eine Konferenz der Kunst-
gewerbeschuldirektoren von Berlin, Dresden, München und
Wien in Berlin statt.

Stuttgart. Landesgewerbeausstellung. Aus Anlass der
Eröffnung des neuen Landesgewerbemuseums in Stuttgart
plant man eine Gewerbeausstellung, zu der der Wüittern-
bergische Kunstgewerbeverein, dem von Seiten der Staats-
finanzverwaltung im neuen Gebäude ein Raum für seine
permanente Ausstellung überlassen werden wird, nunmehr
Stellung genommen hat. Man ist im allgemeinen gegen
die Beteiligung an einer allgemeinen, mit mehr oder weni-
ger Kosten verknüpften Ausstellung mit den in den letzten
Jahren stetig gesteigerten Vergnügungszuthaten, zumal bei
den gegenwärtigen geschäftlichen Verhältnissen, bringt aber
einer Eliteausstellung des Kunstgewerbes größtes Interesse
entgegen, namentlich wenn es sich ermöglichen lässt, unter
gewissen Bedingungen hervorragende Stücke den Ausstellern
abzukaufen und dem Landesgewerbemuseum als Zeugen des
hohen Standes des württembergischen Kunstgewerbes einzu-
verleiben. Sollte aber eine allgemeine Landesgeweroeaus-
stellung im Anschluss an die schon erwähnte Eröffnung des
Landesgewerbemuseums definitiv in Aussicht genommen
werden, so behält sich der Kunstgewerbeverein volle Frei-
heit für seine Stellungnahme zu der Ausstellung vor.

Düsseldorf. Rheinisch- Westfälische Baufachausstel-
lung. Unter diesem Titel ist in einem eigens dafür gebau-
ten Hause von den Herren Friedrich und Emil Woker eine
permanente Ausstellung eingerichtet worden zum Zwecke
der Hebung des Baugewerbes durch eine übersichtliche Zu-
sammenstellung mustergültiger Artikel für alle Zweige des
Baufaches, wobei die Centralstelle die Anbahnung von ge-
schäftlichen Beziehungen zwischen Konsumenten und Pro-
duzenten zu vermitteln sucht. Bei freiem Eintritt ist die
Ausstellung täglich von morgens S Uhr bis abends 8 Uhr
geöffnet. Während im Kellergeschoss hauptsächlich Bau-
konstruktionsartikel, Rohmaterialien etc. Aufstellung finden
werden, werden beispielsweise Kunstschlosser- und Kupfer-
schmiedearbeiten, Majolika- und Porzellanwaren, Bronze-
gusswaren, Drechslerarbeiten, Glasmalereien, Lampen und
Laternen, Spiegelrahmen, Möbel und Möbelstoffe, Tapeten
u. s. w. in den drei Etagen zur Ausstellung gelangen. Auch
wird neben einer Kollektivausstellung der Buchhändler ein
Lesezimmer für die bezüglichen Fachschriften des In- und
Auslandes zur Verfügung stehen.

Karlsruhe. Der Badische Kunstgewerbeverein veran-
staltet im Januar 1S95 in dem Lichthofe der Großb. Kunst-
gewerbeschule in Karlsruhe eine Ausstellung von Handzeich-
nungen und Aquarellen von Innendekorationen, Fassaden-
malereien, kunstgewerblicher Entwürfe, Aufnahmen und
Reisestudien; ferner Photographieen und Reproduktionen
selbstgefertigter Innendekorationen und kunstgewerblicher
Arbeiten. Die Ausstellung soll vier Wochen dauern und
zu ihrer Beschickung die Vereinsmitglieder, die in Baden
wohnenden Architekten, Maler, Bildhauer, Zeichner und
Kunsthandwerker etc., ferner die außerhalb des Landes woh-
nenden Badenser berechtigt sein.

>v s.

Emaillirte Tischplatte eines Kokokotisches. Die Illustra-
tion auf Seite 41 zeigt eine Tischplatte aus emaillirtem Eisen
in Holzfassung. Die Einlage, welche die Wirkung des ge-
malten Porzellans erzielt, wurde durch die Eisenwerke
Gaggenau (Baden) in vorzüglicher Technik ausgeführt. Der
hierzu gehörige Rokokotisch in polirtem rötlichen Holz und
vergoldeten Bronzedekorationen ist eine Arbeit vom Hof-
lieferant .7. L. Distelhorst in Karlsruhe. Der kostbare Tisch
bildet eine Festgabe Sr. K. IL des Großherxogs Friedrich
von Baden zum Geburtstage S. M. Kaiser Wilhelm IL Die
Entwürfe wurden unter Leitung von Direktor Götz an der
Großh. Kunstgewerbeschule Karlsruhe gefertigt.

Lüsterweibchen für elektrisches Licht. Das in vergol-
deter Bronze nach dem Modell des Professor J. v. Miller in
München ausgeführte Figürchen ist in Verbindung gebracht
mit einem natürlichen, den Fischschwanz darstellenden
schwarzen Hörn. Die Kugel enthält im Innern den Beleuch-
tungskörper — hier die Glühlichtlampe. Die erwähnte, oben
offene Glaskugel mit einiger Kupferarbeit montirt, stellt,
(was in der Profilansicht deutlicher zu erkennen ist) eine
Art Kugelfisch dar, der sich an einer Angelschnur gefangen.
Die Nixe hat in mutwilligem Spiel die Angelschnur ergriffen
und zieht so den Fisch mit sich fort. Der umsponnene Lei-
tungsdraht als Angelschnur gedacht, dient ohne weiteres
zugleich zum Aufhängen des Lüsters.

Weibchen für Zimmerschmuck in Bronzeguss und Kupfer-
treibarbeit ausgeführt von Professor F. v. Miller. Der Um-
stand, dass wohl die Hälfte aller ausgeführten Lüsterweib-
chen nur zur Dekoration dient, hat den Künstler ver-
anlasst, aus der Idee der Lüsterweibchen heraus ein Figür-
chen zu modelliren, das lediglich als Zimmerschmuck die-
nen soll. Das auf der Berliner Kunstausstellung dieses
Jahres ausgestellt gewesene Werk fand durch die technisch
vollendete Ausführung sowohl wie die künstlerisch reizvolle
Auffassung ungeteilten Beifall. Die Nixe hat einen schein-
bar ganz lose an einer Schnur herabhängenden Ring erfasst
und freut sich des lustigen Spiels in ihrem Elemente, graziös
die Luftwellen zerteilend. Wenn auch das Weibchen zu-
nächst nur als Dekorationsstück gedacht ist, so könnte es
eventuell auch leicht zu Beleuchtungszwecken verwendet
werden durch Anbringung eines Glühlichtes an der Stelle,
wo die Schnur mit dem Ringe verbunden ist. Was die Aus-
führung betrifft, so war das Ganze teils gegossen, teils in
Kupfer getrieben und vergoldet.

Herausgeber und für die Redaktion verantwortlich:

Druck von August

Architekt Karl Hoffacker in Charlottenburg-Berlin.
Pries in Leipzig.
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