Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

Gründen die alexandrinische Herkunft der besten Stücke
(Hiklesheimer Fund u. s. w.) nachzuweisen. Doch ist seine
Beweisführung nicht zwingend. Tragen doch auch die
Schöpfungen der römischen Kunst in der ersten Kaiserzeit
genau denselben Formcharakter, den Verfasser der alexan-
drinischen Kunstweise zuschreibt. Die Fundorte fast aller
Stücke (Italien, Frankreich, Spanien, England, Deutschland)
sprechen nicht für seine Vermutung. Der Entscheid hängt
freilich ab von der Frage, wie hoch das Kunstvermögen in
Italien zu Anfang der Kaiserzeit, das Schreiber wohl zu
gering anschlägt, zu schätzen sei, eine Frage, deren end-
gültige Beantwortung bisher noch nicht gegeben ist.

BRG.

liebenden wie verschuldeten Herzöge von Liegnitz aas Amt
eines Marschalls und Hofmeisters bekleidet hat und als
solcher bei den Festen und Trauerfeierlichkeiten als Ordner
thätig war, hat uns nämlich Aufzeichnungen über das bei
solchen Gelegenheiten vorher genau bestimmte Zeremoniell
hinterlassen, die hier zum ersten Male veröffentlicht und mit
einer erklärenden Einleitung, sowie einem wertvollen Per-
sonen-, Orts- und Sachregister begleitet sind. Ganz beson-
ders interessant sind seine Notizen über die von ihm ar-
rangirten Hochzeiten, denen er gleichsam als Einleitung ein
„Gutachten, was zur Bestellung einer fürstlichen Hochzeit
zu bedenken und in Acht zu halten", voranschickt. Hier
werden wir genau in Zahlen über den ungeheuren Ver-

Holzschnitzerei aus dem Benediktiuerkloster in Stein a. Rh. Aufgenommen von H. Müller, Konstanz.

tTJhM.

Merkbuch des Hans von Sch.weinich.en. Zum ersten
Mal herausgegeben von Dr. Konrad Wutke. Berlin.
Verlag von J. A. Stargardt. 1895. M. 12.—.
Das Buch, von dem schon Heft II des lfd. Jahrg. eine Ab-
bildung des Titelblattes brachte, ist als ein wertvolles Do-
kument für die Genealogie der schlesischen Adelsgeschlechter
des 16. Jahrhunderts dem Adel Schlesiens gewidmet. Aber
auch in weiteren Kreisen Deutschlands dürfte dieses Merk-
buch volles Interesse verdienen. Ist es doch eine wichtige
Ergänzung der bekannten Biographie des Hans von Schwei-
nichen, die, wie der Simplicissimus für die Zeit des Dreißig-
jährigen Krieges, so für die Kenntnis der Kultur unseres
deutschen Volkes während der zweiten Hälfte des 10. Jahr-
hunderts eine der frischesten und klarsten Quellen bildet.
Hans von Schweinichen, der am Hofe der ebenso prunk-

brauch von Fleisch und Fisch, von Wein und Bier unter-
richtet; wir erfahren, welche Bezugsquellen als die besten
galten, und erstaunen, wenn wir hören, dass man den Vor-
rat an Geschirren und Decken zum Behängen der Wände
u. dgl. von allen Seiten zusammenborgte, die erforderlichen
zinnernen Schüsseln, Teller, Kannen von den Innungen der
fürstlichen Städte entlieh. Genaue Liste wird ferner ge-
führt über die Bedienung und Aufwartung bei Tische, die
zum Teil von den Adeligen des Fürstentums verrichtet wurde.
Bemerkenswert sind auch die Verzeichnisse der Hochzeits-
geschenke. Dem trinkseligen Herzoge Friedrich werden
fast nur Becher gewidmet. Kurz, das Buch enthält eine
solche Fülle interessanter Mitteilungen, dass dessen Ver-
öffentlichung uns dem Herausgeber gegenüber zu beson-
derem Danke verpflichtet. ^- BBÜMNOF.
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