Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

Page: 97
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^^BLECH ERSCHAU-

Handbuch der Spitzenkunde. Technisches und Ge-
schichtliches über die Näh-, Klöppel- und Maschinenspitzen.
Von Tina Fraubcrgcr. Vorsteherin der Kunststickereischule
in Düsseldorf. Mit 183 Illustrationen. Leipzig, E. A. See-
mann, 1894. Seemann's Kunsthandbücher XI. Gbd. M. 5.G0.
Es war ein glücklicher Griff, für das den Männern un-
zugängliche Gebiet der Nadelarbeiten als Verfasserin eine
Dame zu gewinnen, die durch langjährige Praxis mit allen
weiblichen Handarbeiten vertraut und als Lehrerin geübt
ist, aus der Fülle der technischen und formalen Erschei-
nungen das Wesentliche herauszufinden und vorzutragen.
Mit einer auch bei Männern ungewöhnlichen Klarheit ist
der schwierige Stoff gesichtet, gegliedert, in seinen Zusam-
menhängen und seiner Entwicklung dargelegt; durch weise

Trennung des Technischen von den geschichtlichen Belegen
ist das Sichere von dem Ungewissen und Lückenhaften ge-
sondert worden. Wir glauben nicht, dass die Aufgabe besser
gelöst werden könnte. Der erste Abschnitt behandelt die
Vorläufer der Spitzen; die genetzten Kopfbedeckungen aus
den ägyptischen Gräbern koptischer Herkunft, das Filet
die Franse und die Knüpfarbeit, die Leinendurchbrucharbeit.
Die letzteren Leinenarbeiten, der einfache Durchbruch (punto
tirato) und die Doppeldurchbrucharbeit (punto tagliato), bei
welcher ganze Quadrate ausgeschnitten und mit Stickerei
wieder gefüllt werden, bilden die unmittelbare Vorstufe der
Spitzen. Bei der Verzierung des Stoffrandes nach außen
durch die Kanten und Zacken, sei man dann leicht darauf
gekommen, dergleichen Gebilde auch ohne ein gewebtes
Gerüst herzustellen. Die ersten genähten Spitzen hielten
an den geometrischen Formen der Durchbrucharbeit fest
(Reticella); bald lernt man die freiere Technik zu freieren
Mustern verwenden; so entstehen die Ranken- und Blumen-
muster der Renaissance, zum Teil als Reliefspitze umrändert,
bis die französischen Spitzen die Technik auf das höchste
verfeinern. Auf Grund der Technik werden dann die histo-
rischen Gruppen der Nadelspitze anschaulich dargestellt.

ßeliefepitre; Point de Venise genannt 17. .Jahrb. (Aus Tina Fiiauueuuer: Handbuch der Spitzenkunde.)
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