Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

Nadelarbeit, französisch. 17. Jahrh. (Aus Tina Frauberger: Handbuch der Spitzenkunde.)

Es berührt dabei sehr wohlthätig, dass die Verfasserin sich
über die Benennung und örtliche Verteilung der verschiede-
nen Spitzenarten mit großer Vorsicht ausspricht und mit
seltener Beschränkung und geschichtlicher Einsicht die vielen
Zweifel zugiebt, die hier noch bestehen und bis auf weiteres
bestehen werden. Noch schwieriger scheint es, die mannig-
fachen Arten der Klöppelspitzen mit wenigen Zügen zu be-
schreiben und in Gruppen zu sondern; hier werden unter-
schieden die Flechtspitzen, die Formschlagspitzen, die Lei-
nenschlagspitzen ohne und mit Netzgrund, die Ziernetz-
spitzen und verschiedene kombinirte Spitzen. Ein vierter
Abschnitt handelt von den Maschinenspitzen; anhangsweise
wird das Reinigen und Ausbessern der Spitzen gelehrt; end-
lich sind in einem besonderen geschichtlichen Teile Notizen
über die Musterbücher und eine Reihe einzelner Daten ge-
geben, bei denen besonders betont wird, dass es bislang
nur über die Spitzenindustrie von Alencon ein ernsthaftes
Quellenwerk gebe und daher die Zeit noch nicht gekommen
sei, eine Geschichte der Spitzenarbeit zu schreiben. Der
reichhaltige Test wird durch zahlreiche Abbildungen wirk-
sam unterstützt, von denen wir hier mehrere Proben geben
können. Das Buch gehört zu den besten Handbüchern der
Serie und wird allen Freunden der Spitzenkunst willkommen
sein. —e—

Ulke, Robert, Katechismus der Porxellan- und Glas-
malerei. Mit 77 in den Text gedruckten Abbildungen.
Leipzig, Verlag von J. J. Weber, 1894. Preis 3 M.
Dieser Katechismus reiht sich den vielen im Verlage
von J. J. "Weber erschienenen Katechismen würdig an. Mag
es auch gewagt sein, zwei so verschiedenartige Gebiete, wie
Glasmalerei und Porzellanmalerei, in dem knappen Umfange
des Katechismus zu behandeln, so giebt doch der Verfasser
durch seine Erfahrung als Fachmann die Gewähr, dass er
den Stoff in diejenige Form zu kleiden versteht, welche für

den Leser und Lernenden die nutzbringendste ist. Die Kunst
des Porzellan- und Glasmalens kann man freilich aus einem
Buche allein nicht erlernen, es muss die Praxis, die „gol-
dene", wie sie der Verfasser nennt, hinzutreten, wenn das
gedruckte Wort nicht totes Kapital bleiben soll. Die Ab-
sicht, auch dem Anfänger verständlich zu sein, führte den
Verfasser, wie er in der Einleitung selbst angiebt, dazu
mitunter etwas weitläufig zu sein, während er andererseits,
mit Rücksicht auf den beschränkten Raum nicht alles aus
dem reichen Schatze seiner Erfahrungen mitteilen konnte.
In beiden Kapiteln giebt der Verfasser nach einem kurzen
historischen Überblicke Aufschlüsse über die notwendigen
Geräte und Malutensilien, Techniken, Vorlagen und Muster
und die Einrichtung der Brennöfen und das Brennen selbst,
welche Angaben durch zahlreiche Abbildungen nähere Er-
läuterung finden. Wir zweifeln nicht, dass das Büchlein
allen, welche sich selbst auf den betreffenden Gebieten
unterrichten wollen, willkommen sein wird.

— Wie die Zeitungen gemeldet haben, wandert der
hochberiihmte Tafelaufsatz von Wenzel Jamnitxer, der einst-
mals im MerkePschen Besitze und eine Zierde des Germa-
nischen Museums in Nürnberg war, von Frankfurt a. M. mit
der Rothschild'schen Hinterlassenschaft ins Ausland, uns
nichts als die Erinnerung an die herrlichste Schöpfung der
deutschen Renaissance-Kleinkunst hinterlassend. Um diese
Erinnerung in uns dauernd frisch zu erhalten, weisen wir
unsere Leser auf die im Verlage von P. Beile in Berlin
W. 12 erschienene Photographie des Aufsatzes hin; dieselbe
ist 50 cm hoch und kostet 5 M. Im gleichen Verlage sind
auch Faksimiledrucke zweier Entwürfe von W. Jamnitzer,
die aber nicht zur Ausführung gelangt sind, erschienen.
Die Zeichnungen zu denselben befinden sich im Germa-
nischen Museum und -auf der Veste Koburg.
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