Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

Seite: 125
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KLEINE MITTEILUNGEN.

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den Bundesrat und den Hof auf. Hier auch hat Ed. Puls-
Berlin Proben seines tüchtigen Könnens auf dem Ge-
biete der Schmiedetechnik in den reich behandelten und
vergoldeten Treppengeländern und den zu Kandelabern
für die elektrische Glühlichtbeleuchtung ausgebildeten
Pfosten geliefert. So bietet sich überall sinnvoll er-
dachtes und meist mit hoher Kunst ausgeführtes Werk
der Hand dar, das stimmungsvolles Leben verbreitet.
Man merkt, jeder der hier geschaffen hat. ist von dem
Bevvusstsein tief durchdrungen gewesen, wie es für ihn
Ehrensache sei, das Beste zu leisten und seine Arbeit
durchströmen zu lassen von jenem echten deutschen
Geiste, der seit jeher wurzelt im Tüchtigen und Starken.
Zum Schhiss sei noch ein Blick in die beiden Höfe geworfen.
Dem Hof einen intimen Reiz zu verleihen, liebten
in hohem Grade Mittelalter und Renaissance. In unse-
ren Tagen ist leider an Stelle dieser Vorliebe eine ab-
scheuliche Nüchternheit getreten. Aber die Reichstags-
höfe sind dieser Nüchternheit und Poesielosigkeit nicht
verfallen, vielmehr ist ihnen durch die streng geglie-
derte Werksteinarchitektur ihrer Fronten der würdige.
stille Ernst verliehen worden, der hier so angemessen
erscheint. jAn der -östlichen Seite des Nordhofes ist

nach der einen Ecke hin die strenge Frontgliederung
von schräg ansteigenden Steinflächen als Markirung des
zur Bibliothek emporführenden Treppenlaufes unter-
brochen. Turmartig steigt das Treppenhaus hinan, hoch
oben geschmückt mit einer Cartouche. Von dem maß-
vollen ornamentalen Schmuck der übrigen Flächen fallen
die Wappen der vier Königreiche auf. Von oben wirkt
in diese Architektur der machtvoll und reich gestaltete
Saalüberbau des Mittelbaues prächtig hinein. Erleuchtet
werden die Höfe von großen schmiedeeisernen Laternen,
die aufgehängt sind an kräftigen, von Front zu Front
gespannten Ketten. So gelangt auch an dieser Stelle
das Große, Mächtige und Eigenartige, das den Bau durch-
strömt, zum packendsten Ausdruck.

Sicherlich, der Name des Meisters, der dieses stolze
Haus zur Elire des deutschen Namens und zum Wohle
des deutschen Volkes aus der gewaltigen Kraft seines
künstlerischen Geistes geschaffen, wird hineinragen in
die ferne Zeit. Und mit ihm wird die Kunstgeschichte
auch die Namen aller jener Männer zu bleibendem Ge-
dächnis bewahren, die dem Meister treue und wackere
Gehülfen bei der Errichtung und Ausgestaltung des
großen Werkes gewesen sind. GEORG BUSS..' '

_M.S.

Berlin. [Der Vorstand des Vereins für Deutsches Kunst-
gewerbe besteht nach den Wahlen in den Generalversamni-
^ngen vom 16. Januar und 8. Februar für das Jahr 1895
aus folgenden Herren: Vorsitzender: Karl Hoffacker, Archi-
tekt; 1. Stellvertreter: Otto Schulz, Fabrikant; 2. Stellver-
treter: Geh. Hofrat E. Schröer; Schatzmeister: L. P. Mitter-
dorfer, Fabrikant; Schriftführer: W. Qnehl, Bildhauer und
Fabrikbesitzer; 1. Stellvertreter: Ernst Flemming. I. Lehrer
der städtischen Webeschule; 2. Stellvertreter: W. Zieech, In-
haber der Berliner Gobelinmanufaktur; Ausschussmitglieder:

Heinrich Göhring, Vertreter der Allgemeinen Elektrizitäts-
Gesellschaft, Ludwig Lüdtke, Tischlermeister, A. Müller, Fa-
brikbesitzer, Otto Rau, Fabrikbesitzer, in Firma: Meisen-
bach, Riffarth & Co., Rudolph Schaale, Schlossermeister,
Louis Schluttig, Goldwarenfabrikant.

-u- Berlin. Im Verein für Deutsches Kunstgewerbe
sprach am Mittwoch den 13. Februar der Ingenieur der All-
gemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, Herr Richard
<>/>il:. über die Anicendimg des elektrischen Stromes für i/c-
tvcrbliche Zwecke. Redner erläuterte zuerst in sachlicher
Weise die theoretischen Prinzipien der elektrischen Kraft-
übertragung und verglich dann diese moderne Art des Fabrik-
betriebes mit jenem, wo die Kraft mittelst Wellen und
Riemen übertragen und verteilt wird. Hervorzuheben ist
besonders die Objektivität, mit welcher er die Vorteile aber
auch die Nachteile beider Betriebsarten rückhaltslos erläu-
terte, und wenn er schließlich doch bewies, dass die elek-
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