Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

seien, sei verhängnisvoll für die Ausfuhr. Der Amerikaner
konsumire vom Auslande nur, was er nicht selber fabriziren
könne. Auf äußere Ausstattung gewerblicher Gebrauchs-
gegenstände müsse besonders große Sorgfalt verwendet
werden, wie für schöne Ausstattung von Musterbüchern und
Katalogen. Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit seien Haupt-
erfordernisse im Transportwesen, in der Industrie und im
Handwerk; diesen Anforderungen müssten die anzubietenden
Maschinen und Geräte entsprechen. Auch müssten Ersatz-
nnd Reservestücke einzelner Teile stets schnell zu haben
sein. Bei Abschlüssen und Preislisten seien die dem Käufer
gewohnten Maße, Gewichte und Münzen der Berechnung zu
Grunde zu legen. Schriftstücke sollten in guter englischer
Sprache und möglichst mit der Maschine geschrieben sein.
Gewissenhaft innegehaltene Lieferfristen und mäßige Preise
seien Hauptbedingungen. Das wirksamste Mittel zur Aus-
dehnung des Absatzes sei die Anstellung eines tüchtigen
Vertreters, der mit der Sprache, Sitte und den Geschäfts-
methoden des Landes vollkommen vertraut sei. Da sich der
Westen bemühe, sich vom Osten mehr und mehr unabhängig
zu machen, so sei Chicago allmählich das Zentrum des frem-
den Welthandels für den ganzen Nordwesten geworden. Vor
allem sei es notwendig, dass der deutsche Ausfuhrhandel
sich zweckentsprechend organisire. Es müssten sich Inte-
ressentengruppen verwandter Branchen mit einem Zentral-
bureau in Deutschland, einem für die Zwecke des Ausfuhr-
handels bestimmten Betriebskapital und einer gemeinsamen
sicher gestellten Vertretung im Auslande bilden.

-u- Berlin. Im Verein für deutsches Kunstgewerbe
hielt am Mittwoch den 22. Mai Herr Ernst Flemming,
I. Lehrer der städtischen Webeschule, einen Vortrag über
die Herstellung von Linoleum, Inlaid und Linhrustc. Von
jeher sei man bemüht gewesen, die Übelstände, welche die
verschiedenen Fussbodenkonstruktionen mit sich bringen,
durch Fussbodenbeläge verschiedenster Art zu vermindern.
Aber weder Ölfarbenanstrich, noch Decken und Teppiche
oder Wachstuch hätten diesen Zweck, wobei das Ver-
mindern der Wärmeleitungsfähigkeit, vollständige Porosität
und höchste Widerstandsfähigkeit die Hauptsache seien, er-
reicht. Allen diesen Anforderungen entspreche nur das seit
etwa 30 Jahren im Handel befindliche Linoleum. Bei diesem
Fabrikate bilde Leinsamenöl den Hauptbestandteil, welches
durch eine eigentümliche Behandlung und durch das Mischen
mit Harz und Korkmehl eine dem Kautschuk ähnliche Be-
schaffenheit annehme Frederik Walton in Denton bei
Manchester habe die Eigenschaft des Leinöls i. J. 1SG0 der
Industrie zuerst nutzbar gemacht. Seine Erfindung beruhe
auf der Eigenschaft des Leinöls, an der Luft zu einer zähen
Masse auszutrocknen, indem es Sauerstoff aufnehme, oxydire
und erhärte. Eine gefährliche Konkurrenz sei diesem Fa-
brikat erwachsen durch die Erfindung des William Parnacott,
wodurch das Leinöl mittelst Einblasen von Luft und oxy-
direnden Substanzen in eine zähe Masse verwandelt und die
Dauer des Oxydirungsprozesses von 4— G Wochen auf 24 Stunden
verkürzt werde. Diese beiden Arten der Oxydation seien
die Hauptunterschiede in der heutigen Linoleumsfabrikation.
Die Einführung der Linoleumsfabrikation in Deutschland
falle erst in den Anfang der achtziger Jahre, wo die Fabriken
in Delmenhorst, mit dem Walton'schen Verfahren, in Köpenick
und Rixdorf, mit dem Parnacott'schen Verfahren, gegründet
wurden. Das Linoleum habe sich schnell eingebürgert, und
man nehme bei Neubauten schon besondere Rücksicht darauf,
indem man Betondecken mit eisernen Trägern konstruire
und durch Auflegen von Cement oder Gipsstrich eine äußerst
günstige. Belagfläche schaffe. Dns Linoleum sei an sieh ein-

Schwarzgraphitirter Pracht-Kachelofen im iiathause zu Augsburg.

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