Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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KLEINE MITTEILUNGEN.

verworrenen Zeilen herauslesen sollen. Vielleicht giebt uns
ein Satz S. 60 darüber einen Aufschluss. Dort weist er die
Äußerungen der 43 Besprechungen, die der Notruf gefunden
(er ist offenbar sehr stolz auf diese meist wenig schmeichel-
haften Kritiken), als „zu sehr theoretische Auslassungen"
zurück und verlangt, die Kreise des Handwerks sollten in
Anlass des Notrufs sich selbst über ihre eignen Zustände
äußern; eine gesunde Darlegung sei nur dui-ch „das Ein-
gelebtsein in die ganze Sphäre" möglich. „Das Denken nach
dieser Richtung beginnt vom 1. Tage der Lehre. Es be-
gleitet den Menschen fortan bis zu seiner Selbständigkeit
als Meister." Sollte es von da an vielleicht öfters aufhören?
Unmittelbar darauf verdammt K. den „Bildungswahn, der
von oben hineingedrängt wird" (unverständlich!), der ihm
nicht förderlich sein könne, und leistet sich dann den geist-
reichen Satz: „Entweder lernt man, von dem Austritt aus
der Schule beginnend, einen fachlichen Beruf, oder man
lernt ihn nicht", ohne uns auch nur im mindesten weiter
zu sagen, was in jedem der beiden Fälle dieser gewaltigen
Antithese die Folge sein wird! Dass es bei dem Lernen
eines Handwerks wie überall auch gradweise Verschieden-
heit geben kann, scheint dem Verfasser unbekannt zu sein.
Übrigens erweist er sich der Kritik nicht so ganz unzugäng-
lich: Er hat meiner Mahnung, sich etwas besser auf dem
Gebiete umzusehen, wenigstens in einem Falle Rechnung
getragen: Hier spricht er von der Sauermann'schen Tischlerei-
schule in Flensburg und erklärt sie S.44 für die relativ beste,
„und zwar: Weil der Direktor ein tüchtiger, praktischer,
weitsehender Fachmann ist". Als ob nicht auch vorkommen
könnte, dass ein solcher trotzdem ein schlechter Lehrer ist!
Abgesehen von einigen über den Zeichenunterricht der Hand-
werker, über Zeichensäle, Mittel z. B. nicht reißende Wand-
tafeln etc. handelnden Teilen des Büchleins, über die sich
mit ihm reden ließe, deren Besprechung aber nicht hierher

gehört, ist das Opus ein Sammelsurium von Ideen über die
Produktionsweise und den Handel mit den gewerblichen
Erzeugnissen, über Innungen und Befähigungsnachweis, über
unsere neuere sociale Gesetzgebung und ihre Mängel, kurz
so ziemlich über die ganze sociale Frage, zu deren Lösung
indessen die Schrift auch mit keinem Deut beizutragen ge-
eignet ist. Wenn wir auch zugeben, dass hin und wieder
einige treffende Bemerkungen z. B. S. 104 über die Mode
vorkommen und dass die Ansichten des Verfassers, soweit
sie sich erkennen und herausschälen lassen, nicht weit
entfernt sind von einer gesunden, uns zusagenden Auf-
fassung der Lage des Handwerks; so müssen wir uns doch
dahin schlüssig machen, dass wie der Notruf auch dieses
Büchlein besser ungeschrieben, wenigstens ungedruckt ge-
blieben wäre. dr. GL.

ZEITSCHRIFTEN.
Bayerische Gewerbe-Zeitung. 1895. Nr. 12.

Wilhelm Ziesehs Berliner Manufaktur für Gobelins. (Schluss.)

Journal für Buchdruckerkunst. 1895. Nr. 23/25.

Eine Rivalin der Linotype. Von 0. S chlotke. — Vom Verleger-
Verdienst. —13er erste Buchdrucker in Riga. — Vom französischen
Druckwesen. — Über Ausführung von Korrekturen an Holz-
schnitten und Zinkätzungen. — Die Anwendung der Schriftkasten-
Schilder. — Die Vorteile der Monoline. — Ulustrirte Zeitschriften.

— Die amerikanische Zinkätzung.

Mitteilungen des k. k. österr. Museums für Kunst und
Industrie. 1895. Heft (>—7.

Das Museum Francisco Carolinum. — Das Parament und seine
Geschichte. Von Dr. H. Swoboda. — Galland's Einfluss auf
die französische Dekorationskunst. Von J. Folnesics. — Das
neue Museum in Graz.

Zeitschrift des bayerischen Kunstgewerbevereins in
München. 1895. Heft 6.

Deutsches Kunstgewerbe um das Jahr 1000. Von Dr. W. M.
Sc hm id. — Die Mittel zur Hebung des Kunstgewerbes.

Zeitschrift für Innendekoration. 1895. Heft 7.

Amerikanische Innendekoration. Von F. Jaffß. — Das Vene-
zianische Kunstgewerbe der Gegenwart. Von E. Zimmerman n.

— Fenster-Ausbildungen. Von H. Schliepmann. — Auf den
Pariser Boulevards. — Die Kunstmöbelausstellung in London.

Holzkonsole um 1720, im Kunstgewerbemuseum in Köln.

Herausgeber und für die Redaktion verantwortlich: Architekt Karl Ilofl'ackcr in Charlottenburg-Berlin.

Druck von August Pries in Leipzig.
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