Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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MUSEEN.

-u- Nürnberg. Nach dem Jahresbericht des Bayerischen
Gewerbemuseums *w Nürnberg für 1894 war die Arbeit des
verflossenen Jahres hauptsächlich den Vorarbeiten zu der für
1896 geplanten Bayerischen Landesausstellung und dem Neu-
bau des Museums geweiht. Die Zahl der Besucher des
Museums betrug 18433, abgesehen von denen der permanenten
Ausstellung für Industrie und Handel. Die Erwerbungen für
die Mustersammlung umfassen im abgelaufenen Jahre 124
Inventarnummern. Die meisten Zugänge haben die kera-
mische, die Holz- und Metallarbeiten-Abteilungen zu ver-
zeichnen. Maßgebend war bei allen Erwerbungen der Ge-
sichtspunkt, wesentliche Lücken so zu ergänzen, dass bei
der Neuaufstellung der Sammlung im neuen Museums-
gebäude alle Gruppen ein möglichst vollständiges Bild der
Entwicklung gewähren. Dabei wurde der alten einhei-
mischen Industrie eine besondere Benehtung zu Teil. Die
Gesamtankäufe erforderten die Summe von 0023 M. Die Ver-
waltung der Sammlung musste vor allem Rücksicht auf
deren in Aussicht stehende Übersiedlung in das neue Ge-
bäude nehmen. Eine Umstellung im alten Gebäude oder
eine bessere Anordnung verboten die nämlichen Gründe,
welche den Neubau notwendig machten. Abgesehen von
dem Besuch durch Einheimische und Fremde diente die
Sammlung wesentlich zur Erläuterung der öffentlichen, der
Reihen- und Wandervorträge. Namentlich hei letzteren Vor-
trägen in den Gewerbe vereinen erregen die erklärten Gegen-
stände das regste Interesse der Zuhörer und ebenso, wenn
im Winter diese Sammlungen den Schülern der höheren
Klassen der Mittelschulen erklärt werden. Einen wesent-
lichen Dienst bietet die Sammlung den Gewerbetreibenden
dadurch, dass eine größere Anzahl von Gegenständen in
der bayerischen Gewerbezeitung abgebildet wird. Der Be-
such der Vorbildersammlung mit den Zeichensälen und dem
Zeichenbüreau umfasste 9670 Personen. Den Besuchern
wurde durch Korrektur und Hinausgabe geeigneter Vorbilder
möglichst an die Hand gegangen. Seit dem Inkrafttreten
des ersten deutschen Patentgesetzes im Jabre 1877 hielt es
das Museum für eine seiner wichtigsten Aufgaben, die baye-
rischen Industriellen und Gewerbetreibenden mit den Ge-
setzen zum Schutze des geistigen gewerblichen Eigentums
bekannt zu machen und die Interessenten auch bei der
Erwirkung des gesetzlichen Schutzes für ihre Neuerungen
und Erfindungen zu unterstützen. Die Thätigkeit der zu
diesem Zweck ins Leben gerufenen mechanisch-technischen
Abteilungen erweiterte sich entsprechend, als im Jahre 1876
das Geschmacksmusterschutzgesetz und im Jahre 1891 das
revidirte Patentgesetz und das Gebrauchsmusterschutzgesetz
geschaffen wurde. Die seitens der mechanisch-technischen
Abteilung ausgeführte Beratung der Interessenten auf dem
Gebiete des gewerblichen Rechtschutzes musste, um den

JM.S

Bedürfnissen der Praxis zu entsprechen, eingehendei\organi-
sirt werden, sodass sich allmählich eine mit der mechanisch-
technischen Abteilung verbundene „Technische Stelle für
gewerblichen Rechtsschutz" herausgebildet hat, für welche
besondere Bestimmungen festgesetzt wurden. Der Umfang
ihrer Thätigkeit erhellt am besten daraus, dass 1139 den
gewerblichen Rechtschutz betreffende Anfragen und Eingaben
im Berichtsjahre ihre Erledigung fanden. Eine weitere, den
praktischen Bedürfnissen der Gewerbetreibenden entspre-
chende Thätigkeit der mechanisch-technischen Abteilung
bildet die „Nachweisung von Bezugsquellen" für Rohprodukte
und Fabrikate aller Art Hierzu eine öffentliche unent-
geltlich benutzbare Sammlung von Adressbüchern, die gegen-
wärtig über 200 Bände umfasst. Die Einrichtungen der
mechanisch-technischen Abteilung werden von allen Teilen
Bayerns in hohem Maße in Anspruch genommen. Der im
Jahre 1892 von der chemisch-technischen Abteilung ins Leben
gerufenen.Papierprüfungsanstalt wurde im Berichtsjahre die
Befugnis zuerkannt, Prüfungen von Papier mit Wirkung
der amtlichen Anerkennung vorzunehmen. Wie sehr diese
Anstalt einem Bedürfnisse entsprach, geht aus der großen
Anzahl der notwendig gewordenen Beanstandungen hervor.
Die permanente Ausstellung für Industrie und Handel hatte
zu Beginn des Jahres 1894 207 Aussteller und vermehrte sich
im Laufe des Jahres um 41 Firmen.

Karlsruhe. Die Großherxogliche Kunstgewerbeschule

hielt am 26. v. Mts. ihren Schlussakt, verbunden mit Preis-
verteilung. Dem von der Direktion der Anstalt soeben ver-
öffentlichten Jahresberichte entnehmen wir, dass die Kunst-
gewerbeschule im abgelaufenen Schuljahre von 205 Schülern
besucht wurde. Dieselben verteilen sich auf die Architektur-
schule mit 34, Bildhauerschule 18, Ciselirschule 11, Dekora-
tionsschule 49, Zeiehonlehrerschule 9, Winterschule 40 und
Abendschule 44. Auf Karlsruhe entfallen 49, auf die übrigen
Teile Badens 112, auf die weiteren Staaten des Deutschen
Reiches 35, und zwar 14 Preußen, 8 Bayern und Pfalz,

5 Württemberg, 3 Sachsen, 2 Elsass-Lothringen, je 1 Lippe,
Hessen, Anhalt; ferner auf das Ausland 9 und zwar Schweiz 4,
Österreich-Ungarn 2, Frankreich 2, Russland 1. — Dem Be-
rufe nach waren es: 76 Dekorationsmaler, 27 Zeichenlehrer-
kandidaten, 20 Bildhauer, 15 Möbel- und Musterzeichner,
12 Lithographen, 11 Ciseleure, 8 Schreiner, 7 Photographen,

6 Xylographien, 4 Schlosser, 4 Modelleure, 3 Graveure, 2
Hafner, je 1 Architekt, Tapezier, Buchbinder, Glasmaler,
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