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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 13.1902

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Leistikow, Walter: Moderne Tapeten
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https://doi.org/10.11588/diglit.4880#0094

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86

MODERNE TAPETEN

TAPETE VON WALTER LEISTIKOW
AUSGEFÜHRT VON ADOLF BURCHARDT SÖHNE, BERLIN

Weltkonkurrenz einnimmt. Die beigegebenen Illustra-
tionen geben einen schwachen Begriff von der Viel-
seitigkeit, die vorhanden, und von dem Ernst, mit
dem gearbeitet wurde. Die lieben, immer gern ge-
hörten Witze von den wildgewordenen Schlangenlinien,
von dem wirren Geschlinge reichen da doch nicht

ganz aus. Thatsächlich sind hier sehr
wertvolle Ansätze einer modernen, zeit-
gemässen Ornamentik enthalten, die uns
viel mehr geben als das früher mühselig
Zusammengesuchte und Zusammenkom-
ponierte, das die selige deutsche Renaissance
und deren Auswüchse sich leistete. Be-
dauerlich ist nur, dass hier bei unseren
Abbildungen auf farbige Wiedergabe ver-
zichtet werden musste, denn es ist klar,
dass bei der Tapete ein sehr grosser Reiz
in der farbigen Erscheinung der Orna-
mentik liegt, die die Photographie nur
kümmerlich oder annähernd wiederzugeben
vermag. Am meisten leidet darunter die
Einheit, denn alle Ornamente treten viel
zu scharf, viel zu unterstrichen hervor,
während sie doch nur die Aufgabe haben,
die Fläche leicht und diskret zu beleben.
Freilich sind bisher nicht lauter Meister-
werke geschaffen, doch darf man sich
freuen, dass ein so reicher Schatz an
Vortrefflichem vorhanden ist, der den
Vergleich mit dem, was andere Nationen
geschaffen haben, nicht zu scheuen
braucht.

Soviel nun auch diese neuen Tapeten
Freunde und damit Verwendung gefunden
haben — und dies weit über Deutsch-
lands Grenzen hinaus, nicht weniges ist
z. B. nach England gegangen, nach
Russland, Schweden, Dänemark, Schweiz,
Amerika u. s. f., mir ist das alles nicht
genug und ich wünschte wohl den Tag
zu erleben, der auch die kleinste und
ärmlichste Kammer, wenn überhaupt Ta-
peten verwendet wurden, künstlerisch be-
klebt fände.

Aber hier kommen wir zu einem
Hindernis, an dem freilich oft gerüttelt
worden, das aber noch lange nicht be-
seitigt ist. Das ist die ganz gewöhnliche
Preisfrage. Alles, was die neuere künst-
lerische Industrie geschaffen, ist viel zu
teuer, als dass es so verbreitet seinen
Weg in das Volk nehmen könnte, wie
gewünscht werden muss. Thatsächlich
steht das Volk der neuen Bewegung
durchaus nicht ablehnend, abwartend gegen-
über, sondern es finden sich gerade breite
Schichten darunter, die uns ein feines
und inniges Verstehen entgegenbringen.
Darüber ist schon viel geschrieben und viel
gestritten worden, ich meine, der Beweis,
dass ein Bedürfnis, ein Heisshunger
geradezu nach Kunst im breiten Volke steckt, ist lang
erwiesen.

Hat die Industrie wirklich etwas unserem Volke
anzubieten, dann wird man mit beiden Händen zu-
greifen und von dem Guten das Beste wählen. Diese
Bestrebungen: billiger künstlerischer Wandschmuck
 
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