Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

Page: 165
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1904_1905/0172
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
JAVANISCHE KUNST

165

blühen, auch auf Java heimisch sind, würde zu er-
forschen um so wertvoller sein, als derlei nun auch
in deutschen Ländern selbständig gepflegt wird.)

Dies also javanische Kunst, uns bisher noch wenig
bekannt. Nun aber die Frage, welche Bedeutung sie
für uns bekommen kann! Wir leben ein für das
Kunstgewerbe weit reicheres Le-
ben, als jenes Volk von Java.
Wir sind an reichliches Tischzeug
usw. gewöhnt, insbesondere auch
an Dekorierungen, welche eine
durchscheinende Gestaltung des
Stoffes nahelegen: Fenstervor-
hänge, zeltförmigeUmspannungen
und Überspannungen freier Plätze
und Plätzchen, und dergleichen
mehr. In solcher Verwendung
kann das auf dem Stoff belassene
Wachs die vorhin angedeuteten
Wirkungen der Transparenz auf
das beste entfalten. Ja selbst bei
einem nicht durc/ifaUenden, son-
dern ««/fallenden Lichte wirkt, wie
gesagt, das Wachs immer noch ein
wenig leuchtend, zumal wenn der
Stoff nicht zu einer faltigen Um-
schlingung.sondern zu einer glatten
Bedeckungverwendet wird. So z.B.
bei Wandschirmen. Für zahlreiche andere Fälle wird
man natürlich die Abschmelzung des Wachses vor-
ziehen. So ergeben sich z. B. mit Leichtigkeit Tisch-
tücher, Servietten u. s. w., falls man nicht, was ja
auch ein Geschmacksrecht ist, für Tischzeug die rein-
lich harten Linien einer anderen Technik den weiche-
ren Formen des Battiks vorzieht. Ob man die java-
nischen Muster beibehält oder vielmehr die uns
geläufigeren Blumenstilisierungen, Zwiebelmuster, Re-
naissanceranken, Sezessionslinien oder dergleichen ver-
wendet, ist dem technischen Verfahren gegenüber
vielleicht gleichgültig. Nur wird man nicht gut tun,
auf jenes knitterige Gestrichel zu verzichten, das sich
durch das Eindringen der Farbe in die künstlich
herbeigeführten Sprünge des Wachses ergibt, und das
dem fertigen Werk ein so lebendiges, »reizendes«

ZEICHNUNGEN VON ARCHITEKT
AUG. SCHIFFER IN PRAG-WEINBERGE

Aussehen verleiht — für weiblichen Geschmack wohl
noch mehr als für männlichen.

Mit der Übertragung der javanischen Battikkunst
auf unsere Verhältnisse befinden wir uns aber nur
erst in den Anfängen. Ein deutscher Maler, Max
Fleischer- Wiemans in Berlin-Grunewald, hat diese
Kunst auf Java selber studiert und hat sie nach
Deutschland heimgebracht; eine von ihm vor einiger
Zeit im Königlichen Kunstgewerbemuseum zu Berlin
veranstaltete Ausstellung von solchen, zum Teil nach
seiner eigenen Angabe verfertigten, echten Javaarbeiten
machte die Sache hier zuerst weiteren Kreisen be-
kannt, nachdem sie in Amsterdam bereits heimisch,
in Paris bereits Ausstellungsobjekt geworden und
sonst in diesem oder jenem Museum seit längerem
durch Proben vertreten ist. Eine Hauptaufgabe
fällt dabei allerdings der holländischen Regierung
zu. Sie hat es in der Hand, die landwüchsige
Arbeit ihrer wichtigsten Kolonie zu fördern. In
Deutschland und noch mehr in
Österreich ist man seit längerem
so klug, örtliche Kunstfertigkeiten
durch eigene Lehranstalten zu
pflegen und namentlich mit Hilfe
von künstlerischen Musterzeich-
nern weiter zu entwickeln.
Solche Anstalten sind schließlich
nicht bloß Lehrstätten, sondern
auch Stätten zu direkter Pflege
und Weiterbildung der Kunst
selber ■— sowie wissenschaftliche
Schulen neben dem Unterricht
auch die Wissenschaft selber
pflegen. Analog nun, wie die
Holländer in Buitenzorg den welt-
berühmten botanischen Garten
haben, der die reiche Pflanzen-
welt jener Insel studieren läßt,
ebenso könnte sie durch eine
kunstgewerbliche Anstalt an einem
geeigneten Punkt, etwa im Inneren
des Landes, die heimische Kunst nicht nur festhalten
und den kommenden Geschlechtern überliefern, son-
dern sie auch zu noch höherer Entfaltung führen.

Andererseits würden auch
unsere Anstalten und Lehr-
stätten für Kunstgewerbe gut
tun, sich beizeiten einer so
dankbaren Sache zu bemäch-
tigen und namentlich unseren
Hausfrauen etwas zu geben,
das ihnen willkommen sein
kann: eine Erneuerung der
bereits etwas eintönig und
stabil werdenden Weisen des
Hausschmuckes.

Dr. HANS SCHMIDK.UNZ.
loading ...