Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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KAYSERZINN

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nicht einer gemei-
nen Masse, son-
dern eher eines
Edelmetalls ver-
lebendigt. Beim
Kayserzinn na-
mentlich kommt
dazu noch eine
modern impres-
sionistische Note,
welche das ein-
schmeichelnde We-
sen dieses Metalles
bis in alle Folge-
rungen inszeniert.
An den einzelnen
im Bilde vorgeführ-
ten Arbeiten sehen wir, wie die wuchtige, schwere
Form, welche das Material erfordert, durch die Deko-
ration allemal individuell variiert wird. In der Haupt-
sache kommt es darauf an, den edlen weichen Glanz
des Zinns durch
Lichtund Schat-
ten, durch den
Kontrast von
glatten und pla-
stischen Teilen
zu modulieren.
An der Braten-
schüssel würde
die große glatte
Ovalfläche et-
was Ödes und
Charakterloses
erhalten, wenn
sie nicht durch
daszarteSchlän-
gelrelief, das
außerdem noch
dem darauf lie-
genden Fleisch einen gewissen Halt gibt, belebt wäre.
So aber macht sie den Eindruck einer Wasserfläche,
über welche ein Windstoß kleine Wellen treibt. An
dem Deckel ist das Motiv des Thorax mit sichtbarer
Rippenformation kein übler Gedanke. An der

Menage ist das
scharfe, spitzige
Kristallgefunkel in
Einvernehmen ge-
setzt zu dem Zinn-
glanz , auf dem
flächig ruhigen
Metallpostament ist
das Glas mit einer
pikanten Pointe in-
szeniert, aber die
Unruhe überspannt
dann beruhigend
der von feinfühli-
ger Hand model-
lierte Bügel. Das
ästhetische Wohl-
gefallen, welches das Kayserzinn erweckt und das so-
zusagen aus dem Handgelenk in eine Form der
geistreichen Laune eingerenkt scheint, ist indessen das
Ergebnis langer Versuche und vielfacher Bearbeitung

ein und dessel-
ben Motivs. Der
Bier-oderWein-
krug sodann
verkörpert zu-
meist die wuch-
tende Schwere
des bürgerlich
soliden und für
die Ewigkeit
ausdauernden
Tischgeräts.
Der Schwere
entspricht die
große Form der
Silhouette. Der
Henkel ereifert
und verdichtet
sich im Auf-
steigen und spielt den Höcker oben als einen
Trumpf aus, um sich der Hand griffig und stützend
darzubieten. Das daraufmodellierte Ornament ordnet
sich dem ruhigen Glanz unter, es will sich nicht
selbstherrlich markieren, es soll nur so etwas sein

J. P. KAYSER

SOHN, BOCHUM

BEI KREFELD,

KAYSERZINN,

CABARET
UND BRATEN-
SCHÜSSEL MIT

DECKEL
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