Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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PORZELLANSTIL

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die fast völlige Verneinung seines plastischen Elementes
dar, aber zugleich auch den gänzlichen Verzicht auf
die stoffliche und farbige Schönheit des Porzellan-
stoffes selber, die nicht zu seinen geringsten Vor-
zügen gehört. Er ist darum auch der seltenere ge-
blieben. Zu welchem Zwecke ein schönes Material
herstellen, wenn es nachher nicht sichtbar bleibt?

Der zweite Stil, der eigentliche Hauptstil des Porzellans,
geht von diesen Vorzügen des Materials aus. Er gibt
sich durch die Sichtbarmachung der schönen Masse und
des schimmernden Weiß des Porzellans, das mit dem
Gefühl für seine Delikatesse zugleich auch das der
Sauberkeit erweckt, von vornherein Reize, die freilich,
da sie rein stoffliche sind, noch als keine eigentlich
künstlerischen bezeichnet werden können. Aber dann
beginnt auf der weißen Fläche das Spiel scheinbar
unbegrenzter Möglichkeiten, das sich jeder Laune an-
zupassen scheint. Doch gerade in dieser scheinbaren
Freiheit liegt die stilistische Schwierigkeit dieses Stils,
dessen Grenzen hier weit weniger technische, als
ästhetische sind. Kein äußerer Zwang zwingt zu jener
Selbstbeherrschung, die jede dekorative Kunst ver-
langt, und nur um so mehr, je kräftiger die dekorative
Wirkung ist, die sie auszuüben vermag. Hier vor
allem stellen sich jene stilistischen Forderungen ein,
die oben bei der Besprechung des koloristischen
Charakters des Porzellans in ihren Hauptzügen dar-
zulegen versucht wurde, hier vor allem ist es, wo

unsere von jeglichem dekorativem Gefühl so lange
beraubte Zeit sich auch heute noch nicht wieder zu-
recht zu finden scheint. Aber gerade auf diesem
Gebiet, in diesem Stile gilt es zu arbeiten und zu
jenem Geschmack und jenem Stilempfinden wieder
zurück zu gelangen, die frühere Jahrhunderte als
scheinbar unverlierbare Güter besessen haben, da ge-
rade mit diesem Porzellanstil in erster Linie die eigent-
lich praktischen Aufgaben des Porzellans verknüpft
sind, um derentwillen es bei uns in Europa mit so
vieler Mühe nacherfunden ward. Porzellangeräte und
-geschirre sind nur in diesem Stile künstlerisch zu
gestalten. Sie verlangen das Weiß des Porzellans
als Grundlage ihrer Erscheinung, als Ausdruck ihrer
Sauberkeit. Doch auf diesem Gebiete, da seine künst-
lerische Bewältigung so äußerst schwierig, ist auch
die heutige wieder aufgewachte dekorative Kunst noch
so erstaunlich weit zurück. Man kann hier bisher
überhaupt nur von vereinzelten künstlerischen Ver-
suchen reden, nicht von geschlossenen Stilbildungen,
und auch jene müssen fast immer noch als ziemlich
verfehlt gelten. Es fehlt eben überall, wo derartige
Versuche gemacht werden, jene stilistische Erkenntnis,
jenes stilistische Empfinden, das allein auf diesem
schwierigen Gebiet Garantie für ein künstlerisches
Gelingen gewährt und Leistungen herbeizuführen ver-
mag, die denen der alten Zeit sich ebenbürtig zur
Seite stellen dürfen. ERNST ZIMMERMANN.

LATERNEN,

ENTWURF VON

OTTO KLÖDEN,

DRESDEN

AUSFUHRUNO:
DRESDENER KUNST-
WERKSTÄTTEN,
K. M. SEIFERT

KLEINE MITTEILUNGEN

SCHULEN

HANAU. Jahresbericht der königl. Zeichenaka-
demie über das Rechnungsjahr igo4. Während
der Pfingstferien fand in der Aula eine Aus-
stellung der in den letzten zwei Jahren angefertigten
Schülerarbeiten statt. Die von der Zeichenakademie
in Gemeinschaft mit der Hanauer Edelmetallindustrie

in St. Louis veranstaltete Kollektivausstellung wurde
durch den »Großen Preis« bezw. die Zuerkennung
der goldenen Medaille ausgezeichnet und erzielte
durch Verkauf einen Reingewinn von über 14000 M.
Die Einrichtung der im vorjährigen Berichte erwähnten
Fachklasse für Lithographie und Buchdruck wurde
genehmigt und wird mit Beginn des Sommerhalb-
jahres 1905 stattfinden können, da infolge des In-
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