Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 18.1906-1907

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VOM HEUTIGEN KUNSTHANDWERK IN SCHLESIEN

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HANS ROSSMANN, BRESLAU. WANDBILD IM SCHWEIDN1TZER KELLER DES BRESLAUER RATHAUSES

verbreitet, und dem heimischen Kunsthandwerk werden
Aufträge, wenn auch kleinen Umfangs, verschafft,
strebsamen jungen Kräften die Möglichkeit zur Aus-
führung guter Ideen gegeben und Ankäufe gemacht,
soweit die Mittel des Vereins reichen; je mehr er
Förderer hat, desto mehr kann auch er fördernd
wirken.

Dafür einige Beispiele!

In Hirschberg haben jetzt zwei Damen, Margarete
Bardt und Frei in Hedwig von
Dobeneck, eine Spitzenschule auf-
getan, eine alte und schließlich
veraltete und vergessene Industrie
unserer Gebirgsgegend zu heben.
Vorläufig fehlt es ihr noch an jeg-
licher Unterstützung, die ein so
junges Unternehmen natürlich
braucht. Ein Auftrag des Vereins
für seine Verlosung kam ihr des-
halb sehr willkommen und sei
es nur darum, die Leistungen der
Schule bekannt zu machen, was
sie wirklich verdienen.

Dann hat die Porzellanfabrik
von fi. Ohme in Nieder-Salzbrunn
schon Vorjahren den Mut gehabt,
kann man sagen, Porzellanser-
vices nach Entwürfen schlesischer
Künstler: Hampel, Scheinert, Erich
Erler herzustellen und auf den
Markt zu bringen. Doch trotz
des großen Absatzgebietes, das
die Fabrik bis nach Amerika hat,

HANS ROSSMANN, BRESLAU. GLASMALEREI
AUSFÜHRUNO: ADOLF SEILER, BRESLAU

haben sich diese neuen Muster nur schwer und lang-
sam eingebürgert, da nun einmal das Publikum am
Alten hängt und mag das Alte noch so scheußlich
sein. Der Verein aber sorgt immer und immer
wieder, natürlich nur tropfenweise, für die Verbrei-
tung gerade dieser hübschen Services.

Ebenso wendet er anderen kunstgewerblichen
Zweigen seine Aufmerksamkeit zu, wie der Gold-
schmiedekunst, den Bucheinbänden, guten und ge-
schmackvollen Handarbeiten hie-
siger Stickkünstlerinnen, unter
denen Frau Else Wislicenus ihrem
Manne gleichkommt an Phantasie
und feiner Sinneskultur, und der
im Glaslande Schlesien seit alters
heimischen Technik der Glasgra-
vierung, in der die Firma Moritz
Wentzel in Breslau Mustergültiges
leistet.

Auch Sigfried Haertel hat für
den Verein schon manches schöne
Stück, wie z. B. den kleinen, sehr
hübschen Spiegel entworfen; Mei-
ster Tillmann Schmitz ist der ver-
ständnisvolle Verwirklicher seiner
Ideen. Die anderen hier abgebil-
deten Arbeiten Haertels sind Ehren-
preise der Stadt Breslau bei sport-
lichen Veranstaltungen. Sie wur-
den früher im Laden gekauft.
Jetzt wird für jede Gelegenheit
ein besonderes Stück nach einem
Künstlerentwurf angefertigt, das
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