Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 21.1910

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DIE WELTAUSSTELLUNG IN BRÜSSEL



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meisten chemischen Metallfärbungen sind wohl als eine
Vereinigung beider Vorgänge anzusehen und von diesem
Gesichtspunkt ausgehend, wird man eben auch die mecha-
nische Metallfärbung, soweit sie zur Ergänzung der chemi-
schen Färbung dient und sich nicht auf gewöhnliches An-
streichen beschränkt, nicht ohne weiteres verwerfen können,
n An Vorschriften zur Ausführung chemischer Metall-
färbnngen ist nun
durchaus kein Man-
gel und bei geschick-
ter und sorgfältiger
Ausführung wird
man mit den meisten
dieser Vorschriften
auch gute Resultate
erzielen. °

□ Es kommt bei der
Ausführung einer
Metallfärbung viel
mehr auf das Ge-
schick und den Ge-
schmack des Arbei-
ters an, als auf die
Badzusammenset-
zung. Eine chemi-
sche Metallfärbung
ist eben kein An-
strich einer vorher
hergestellten Farbe,
die man mir gleich-
mäßig aufzutragen
braucht, sondern die
Färbung entwickelt
sich erst auf der
Oberfläche. Be-

schaffenheit dieser
Oberfläche, Konzen-
tration und Tempe-
ratur der Lösung,
sowie die Zeitdauer
der Einwirkung sind
von größtem Ein-
fluß. Im Zeitraum
von wenigen Sekun-
den schlägt häufig
eine schöne feurige
Farbe in einen leh-
migen matten Ton
über. Dazu kommt,
daß die Bäder selbst
während des Ge-
brauchs fortgesetz-
ten, teilweise sehr
schnell verlaufenden
Veränderungen un-
terworfen sind. Ein
neu angesetztes Bad
gibt also häufig ganz

andere Färbungen, ^^^^^^^^^^^^^

als ein schon länger gebrauchtes. Rezepte allein können
hier nicht helfen, sondern die Hauptsache ist, daß man mit
Verständnis arbeitet. n

o Man muß einen Unterschied machen, je nachdem es
sich um eine Färbung von Massenartikeln oder um die
Färbung einzelner kunstgewerblicher Objekte handelt. Bei
Massenartikeln, die nach Muster verkauft werden, wird
man ja gezwungen sein, eine bestimmte Färbung möglichst
genau einzuhalten. Gerade die Färbungen, die dies ge-

R. A. SCHRÖDER, SCHRANK IM ANKLEIDEZIMMER; AUSGEFÜHRT VON DEN
VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN FÜR KUNST IM HANDWERK IN MÜNCHEN

statten, werden aber leicht roh und unschön. Wenn man
nicht dazu gezwungen ist, soll man sich möglichst nicht
auf einen bestimmten Farbenton kaprizieren, sondern einen
schönen Ton, der sich ergibt, festhalten. Gerade bei den
leuchtenden Farben, die die Natur des Metalls nicht ver-
decken, sondern hervorheben, ist die Erzielung eines ganz
bestimmten Farbentons sehr schwer und bei zu langem

Verweilen im Bade
geht die Leuchtkraft
häufig verloren, n
a Von größtem Ein-
fluß ist auch die
Beschaffenheit der
Oberfläche. Diese
muß sorgfältig ent-
fettet und dekapiert
werden, genau wie
bei einem Metall-
gegenstand,den man
mit einem galvani-
schen Überzug be-
decken will. Das
Entfetten geschieht
durch längeres Ein-
tauchen in heiße
Kali- oder Natron-
lauge, die das Fett
verseift, bei Metal-
len, die von diesen
Ätzlaugen zu stark
angegriffen werden,
in Soda- oder Pott-
aschelösung. Bei
empfindlichen Sa-
chen muß man sich
häufig auf ein Ab-
bürsten mit diesen
Lösungen oder ein
Abbürsten mit Kalk-
brei, dem man ge-
wöhnlich etwas
Schlemmkreide zu-
setzt, beschränken.
Bei dem Entfetten
in Ätzlaugen über-
ziehen sich die Ge-
genstände mit einer
Oxydschicht, die vor
dem Färben entfernt
werden muß, ent-
weder durch die so-
genannten Brennen
(Gelbbrenne), durch
Eintauchen in eine
verdünnte Zyankali-
lösung oder durch

Abbürsten mit
Schlemmkreide. o
□ Gegenstände,

welche diese Behandlung nicht vertragen, werden in
Benzin entfettet. Man hat gewöhnlich mehrere Gefäße
und benutzt das ältere, schon länger gebrauchte Benzin
zum Vorentfetten, worauf man die Gegenstände in
ein Gefäß mit frischem reinen Benzin eintaucht, um die
letzten Spuren von Fett wegzunehmen. Benzin löst einfach
das Fett, ohne das Metall irgendwie anzugreifen, isr aber
auch das teuerste Entfettungsmittel. Der Feuergefährlichkeit
des Benzins wegen wird von Stockmeier Tetrachlorkohlen-
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