Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 22.1911

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NEUE MEDAILLEN VON CARL POELLATH

nicht auf die Einsendungen unserer besten Architekten
und Bildhauer zu, die aus der Aufgabe: dem Reichsgründer
ein ewiges Nationaldenkmal in ausgedehnter Landschaft
zu setzen, die Notwendigkeit der weithin wirkenden räum-
lichen Größe entnahmen. Aber man kennt ja die zaghaften
und dem eigentlichen Wettbewerbspian nicht mehr ent-
sprechenden, grundsätzlichen Ansichten mancher Preis-
richter, die in mündlichen Äußerungen in die Öffentlich-
keit durchgesickert sind. Aus dem Protokoll aber erfährt
man sie nicht. Dort heißt es nur: »Eine ausführliche Be-
sprechung über den Charakter der Landschaft, über die
Wirkung der Elisenhöhe in dieser Landschaft und über
die Gestaltung des Geländes ergab Gemeinsamkeit der
Anschauungen über die Eigenart des Platzes und seine
Eignung zu Denkmalzwecken«. Abgesehen davon, daß,
wie ja schon oft gesagt, diese Anschauungen dem ursprüng-
lichen Plan nicht mehr entsprachen, darf man ihre »Ge-
meinsamkeit« füglich bezweifeln, denn sonst wäre man
wohl zu einer klaren Formulierung gekommen, worin denn
nun eigentlich diese Anschauungen bestanden haben. Eine
solche prinzipielle und positive Feststellung wäre man aber
den vielen Bewerbern, die eben »prinzipiell« ausscheiden
mußten, mindestens schuldig gewesen. 338 von 379 Ein-
sendungen sind vom engeren Wettbewerb ausgeschlossen
worden, ohne daß man für diese negative Entscheidung
irgendeinen positiven Maßstab erhielte. Mag man sich ihn
aus der kurzen Beurteilung der 41 Entwürfe, die in die
engere Wahl kamen, herausfischen, wenn man kann! Selt-
sam, dies Preisgericht, das durch heftige Meinungs-
verschiedenheiten beinahe zersprengt worden ist und sich
beinahe niemals einig war, hat dennoch einen Kompromiß
geboren, um der Welt aus viertägigen heißen Kämpfen
wenigstens ein Resultat mit heim zu bringen: Einstimmig
preisgekrönt wurde nur der Hahnsche »Siegfried«. Mag jetzt
der Klingelbeutel im deutschen Volke weiterwandern. Doch,
selbst wenn man beim Ausschütten in ihm statt der Silber-
linge nur Hosenknöpfe fände, so wäre Polen noch nicht
verloren, — denn der Hahnsche Entwurf ist für die
800000 Mark, die man bis jetzt gesammelt hat, ausführbar.
Man kann sich des Verdachtes nicht erwehren, daß auch
dieses Motiv mit ausschlaggebend gewesen ist. Das durfte
aber nicht sein, denn man hatte den Bewerbern die mehr
als doppelt so hohe Bausumme von 1800000 Mark ge-
boten. Ebensowenig durfte Hahn den pekuniären Schwie-
rigkeiten des Komitees eine solche Konzession machen. □
□ Liest man nun das »einstimmige« Urteil über Hahns
Entwurf, so faßt man sich an den Kopf: ist’s Ernst oder
Scherz? »Das Denkmal entspricht in seiner edlen und
sinnvollen Form der Größe der Aufgabe und der Forde-
rung des Geländes.« Edel? Ja, das mag man zugeben)
denn Hahn ist ein guter und geschmackvoller Künstler.
Aber: sinnvoll? O, nein! Man würde, wenn nicht ein
ganz kleines Bismarck-Medaillon oben am Steinkranze an-
gebracht wäre, eher an den romantischen Jung-Siegfried
Richard Wagners denken, als an die monumentale Per-
sönlichkeit des Reichsgründers. Und: der Größe der Auf-
gabe entsprechend? Wo sind hier die Wehen und die
Jahrhunderte dauernde Not des nun endlich durch Eisen
und Blut geschaffenen einigen Deutschen Reiches aus-
gedrückt? Ein liebenswürdiger Münchener Zierbrunnen
kann wirklich nicht als Völkerdenkmal angesprochen werden.
Schließlich, daß dieser Entwurf nicht den Forderungen des
Geländes entspricht, ist wohl in der vorigen Nummer be-
wiesen worden. (Diese Entscheidung und ihre Formulie-
rung fordern derart zum Widerspruch heraus, daß es wohl
berechtigt ist, wenn wir heute einen der »Monumentalen«,
Prof. Wilhelm Kreis, eine entgegengesetzte Ansicht in
Wort und Bild begründen lassen. Die Redaktion.) □

□ Nachdem so über den ersten Entwurf das ganze Füll-
horn des Lobes ausgeschüttet war, fand das Preisgericht
bei den übrigen, in die engere Wahl gekommenen und zum
Teil preisgekrönten oder angekauften Entwürfen wieder
Worte der sachlichen Kritik. Heiße Kämpfe scheint es
bei der Beurteilung des heute hier abgebildeten Entwurfes
»Faust«, gegeben zu haben. »Das Preisgericht verschließt
sich nicht dem Eindruck, daß dieser Versuch, die Aufgabe
in heroischem Sinne zu lösen, Anerkennung verdient. Das
Verhältnis zwischen dem Bauwerk und der Landschaft
wird jedoch beanstandet. Aus diesem Grunde konnte das
Projekt, nach der Auffassung der Mehrheit, nicht zur engsten
Wahl kommen, um so weniger als es, nach der Ansicht
des Preisgerichtes, die Kosten wesentlich überschreitet.«
(Abgelehnt nach längeren, wiederholten Erörterungen mit
neun gegen sieben Stimmen, aber schließlich zum An-
kauf empfohlen.) Von den in der vorigen Nummer abge-
bildeten, preisgekrönten Entwürfen erhielt einen zweiten
Preis »Heiligtum« (Alfred Fischer) nur mit neun gegen
sieben Stimmen, wobei, nach unserer Ansicht sehr mit
Recht, die zum Teil verfehlte und noch nicht durchge-
arbeitete Architektur getadelt wurde; bei der Erteilung
eines dritten Preises an den Entwurf »Der Berg« (Richard
Riemerschmid) ergab sich sogar Stimmengleichheit, die
nur durch die Stimme des Vorsitzenden zu gunsten des
Bewerbers überwunden werden konnte. Einstimmig in
der engsten Wahl verblieben und mit einer Entschädigung
bedacht ist (außer dem ersten Preise) nur ein Entwurf,
nämlich »Minzelstein«. (Architekt Prof. Paul Pfann und
Bildhauer Prof. Ernst Pfeifer in München.) Das Urteil
lautet: »Ideenreicher, durch Einfachheit ausgezeichneter
Entwurf, der auch die besondere Figur des Platzes be-
rücksichtigt. Die ovale Form der Steinsetzung harmoniert
nicht mit der Linie des Unterbaues.« Das kann man
wörtlich unterschreiben, sollte aber dazu bemerken, daß
hier diejenigen Fehler, die dem ersten Preisentwurf an-
haften, glücklich vermieden wurden. Während Hahn das
Dolmen-Rondell unvermittelt und unverstanden auf einem
sich spitz vorschiebenden und einseitig abfallenden Berg
stellte, haben Pfaun und Pfeifer ihr ähnliches Denkmal
der Figur wenigstens des Platzes angepaßt, indem sie es
in spitzer und vorn abgerundeter Winkelform durchbildeten.
Und sie haben es auch verstanden, daß in die Mitte einer
solchen Anlage eine Steinplatte gehört, der sie allerdings
verfehlt eine ovale Form gegeben haben. Es ist bemerkens-
wert, daß nur dieser und der Hahnsche Entwurf die Stim-
meneinheit zu erzielen vermochten. Wer A sagte, mußte
eben auch B sagen. Fritz Heitwag.
MEDAILLEN VON CARL POELLATH
n Die Firma Carl Poellath in Schrobenhausen (Ober-
bayern) ist vorteilhaft bekannt durch die Ausführung
vieler von Künstlern entworfener Plaketten und Me-
daillen. Als Vermittlerin zwischen Kunst und Technik
hat sie es verstanden, eine recht erfreuliche Harmonie
zu erzeugen. Der Münchener Bildhauer zeichnet sich
in der Plaketten- und Medaillenkunst nicht nur durch
geschmackvolles Erfassen und räumliches Gestalten
der besonderen Aufgaben aus, sondern auch durch
die verständnisvolle Rücksichtnahme auf die Technik.
Hier ist wohl der Firma Poellath das Verdienst der
Vermittelung dieses Verständnisses mit zuzuschreiben.
Die heute nebenstehend gezeigten Abbildungen lassen
die verschiedenen Erfordernisse, die von den Guß-
und Prägetechniken an den künstlerischen Entwurf
gestellt werden, deutlich erkennen. F. H.
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