Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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DIE VEREDELUNG DES HOLZES

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□ 2. Wurde Gerbsäure als Beize benutzt, so erzielte ich
unter denselben Bedingungen eine etwas hellere Tönung.
□ 3. Mit Gallussäure erzeugte ich eine oberflächliche,
ins Gelbrötliche überspringende Braunfärbung. □
□ 4. Eine 0,5°/0ige Resorzinlösung endlich gab nach der
Ammoniakbeize eine eigenartige, nicht unschöne Vergrauung.
Nach Politur mit Wachsmasse trat ein Stich ins Grünliche auf.
□ Es zeigte sich bei den Versuchen mit Resorzinlösung,
daß die Konzentration noch zu stark gewählt war, es genügte,
wie sich später herausstellte, eine 0,2 °/0ige Lösung, ja es
wurden sogar mit dieser bessere Erfolge arzielt. Fichtenholz
erwies sich infolge des Harzgehaltes als nicht sehr geeignet,
es wurde wohl stellenweise eine eichenähnliche Färbung
erzielt, doch hoben sich die Harzgänge zu dunkel ab, sehr
harzreiche Stellen des Holzes wirkten geradezu unschön.
□ Erfolg hatte ich dagegen, namentlich bei Verwendung
von Pyrogallussäure, wenn ich die Ammoniakbeizung bei
gewöhnlicher Temperatur vornahm und auf 24 Stunden
ausdehnte. Das Ausschwitzen des Harzes wurde so ver-
mieden und es konnten angenehm wirkende brauner Farben
mit hervortretender dunklerMaserung hervorgerufen werden,
o Meine kurz skizzierten Versuche sollen nur den Weg
zeigen, der zum Erfolg führt, ich möchte darauf hin weisen,
daß ich auf Grund meiner Erfahrungen die Verwendung ganz
schwacher, höchstens 0,5 °/0iger Beizen empfehlen kann,
n Auch die erwähnten Vorschläge von Thimm, im Holze
charakteristische Metallverbindungen zu erzeugen, habe ich
geprüft und zwar benutzte ich übermangansaures Kali in
0,1 °/0iger Lösung. Kadmium und Kupfersalze in 0,5°/0iger
Lösung Silberoxydammoniak mit 0,5 °/0 igem Silbergehalt,
sowie Chlorsilberammoniak. □

□ Die Behandlung der mit Chemikalien inprägnierten
Bretter war natürlich verschieden. Die mit Kadmium bezw.
Kupfersalz gebeizten wurden mit Schwefelwasserstoff ge-
räuchert. Es trat die charakteristische Sulfidfärbung hervor,
sie ist aber keineswegs von Dauer und wirkt unnatürlich,
so daß die Schwefelwasserstoffräucherung meines Erachtens
kunstgewerblich nicht in Betracht kommen kann. n
□ Einen recht schönen Erfolg erzielte ich dagegen mit
übermangansaurem Kalium. Die imprägnierten Hölzer
färbten sich im direkten Sonnenlichte schnell tief braun.
Ließ ich die Strahlen durch Uviolglas treten, so erzielte
ich schon nach 48 Stunden ein mattes Schwarz, welches
die Maserung fein hervortreten ließ. Natürlich handelt es
sich nur um eine Oberflächenbeizung, tief in das Innere
dringt die Färbung nicht. □
n Beachtung verdient die Einwirkung des direkten und
durch Uviolglas geleiteten Sonnenlichtes. Es wurde schon
erwähnt, daß die Alpinen Holzhäuser durch ihre warme
Farbe so angenehm wirken und daß die ultravioletten
Strahlen des Sonnenlichtes die Erzeugung des Tones in
erster Linie bedingen. Ich habe versucht, den Einfluß der
in dem Bergland vorhandenen natürlichen Lichtverhältnisse
nachzuweisen, indem ich die mit Gerbstoffbeizen imprä-
gnierten Bretter einmal der direkten Sonnenbelichtung aus-
setzte, sodann die Sonnenstrahlen durch Uviolglas treten
ließ. Meine Erwartung, daß die chemisch wirksamen
Strahlen des Lichtes eine Beschleunigung des Beizprozesses
bedingen, wurde nicht getäuscht. Ich konnte ferner ex-
perimentell feststellen, daß die Färbungen des Holzes
rascher und intensiver eintreten im direkten Sonnenlichte
als im zerstreuten Tageslichte. □


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