Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 28.1917

Seite: 176
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führung des Planes erfolgte sehr bald. Bereits im April
1867, also gerade vor 50 Jahren, trat auf Anregung Delbrücks
ein kleiner Kreis meist jüngerer Männer zur Gründung des
Berliner Gewerbemuseums zusammen, dem der [Herzog
von Ratibor, der Maler Ewald, der Architekt Martin Gropius,
der Bildhauer Sußmann-Hellborn, der Baumeister Grunow,
der verdienstvolle erste Leiter der Anstalt, der Kunsthistoriker
Alfred Woltmann angehörten. Schon im August 1867 er-
hielt der Verein die Rechte einer juristischen Person und
zog im Monat »darauf in das fürs Museum gemietete
Gropiussche Diorama ein. Äußerst dürftig und unbehaglich
war der Sitzungsraum; es war aber, als ob gerade diese
Dürftigkeit das Interesse an der Sache erhöhte. Mit den
Sammlungen wurde aus dem Vereinsvermögen und durch
hochherzige Geschenke begonnen; vom Handelsministerium
wurden dem Museum hervorragende Erzeugnisse des Kunst-
gewerbes überwiesen, die auf der Pariser Ausstellung an-
gekauft waren. Auch der Unterricht fing bald an, es wurden
Zeichenschüler des Handwerkervereins dazu übernommen.
Aus diesen kleinen Anfängen hat sich dann das großartige
Kunstgewerbemuseum der Reichshauptstadt mit seinen
reichen Sammlungen, seiner vortrefflichen Bücherei und
seinen zahlreichen Schülern herausgebildet, das nun schon
seit Jahrzehnten eine große und berühmte Staatsanstalt ist.«

Bremen. Vereinigte Werkstätten für Kunst im Hand-
werk A.-G. Eine einschneidende Sanierung wird die Ver-
einigte Werkstätten für Kunst im Handwerk Akt.-Ges. in
Bremen vornehmen, nachdem mehr als die Hälfte des
Aktienkapitals von l3/4 Mill. Mark in Verlust geraten. Das
Unternehmen, das Zweigniederlassungen in Berlin und
München hat, hat nur für das erste Geschäftsjahr (1907)
eine Dividende, und zwar mit 5 Prozent, zur Verteilung
gebracht. Die jetzt beantragte Zusammenlegung der Stamm-
aktien im Verhältnis von 10:1 und der Vorzugsaktien von
4:1 bei gleichzeitiger Wiedererhöhung des Grundkapitals,
ist bereits die zweite Sanierungsoperation.

Breslau. Wir entnehmen nachstehende Mitteilung über
das Geschenk einer japanischen Sammlung- Breslauer Zei-
tungen. »Eine erfreuliche Anhänglichkeit an unsere Provinz
und an Breslau hat mit der Schenkung einer bedeutenden
Sammlung japanischen Kunstgewerbes der Generaldirektor
Viktor Zuckerkandl in Berlin-Grunewald und dessen Gattin
Paula, geb. Freund, bewiesen. Durch jahrzehntelange Tätig-
keit ist Schlesien dem Stifter zur zweiten Heimat gewor-
den, und Breslau ist die Vaterstadt seiner Gattin. Die Samm-
lung, die im Museum für Kunstgewerbe und Altertümer
aufgestellt werden soll, umfaßt in ungefähr 1240 Nummern
die eigenartigsten Zweige der japanischen Kleinkunst, ins-
besondere Lackarbeiten und die verschiedenen Schwert-
zierarten. Die Sammlung gehört zu den bedeutendsten
ihrer Art und umfaßt hervorragende Reihen der japani-
schen Kleinkunst aus der Blütezeit des japanischen Kunst-
gewerbes unter Berücksichtigung aller stilistischen und
technischen Mannigfaltigkeiten. Soweit sich die Sammlung
gegenwärtig schätzen läßt, kann ihr ein Geldwert von
mindestens 150000 Mark zuerkannt werden. Die Samm-
lung bildet für unser Museum eine äußerst dankenswerte
Bereicherung. Das Museum besitzt nur eine kleine japa-
nische Abteilung, die die Stadt aus Mangel an Mitteln in
absehbarer Zeit nicht hätte vermehren können. Die Vor-
führung einer so reichhaltigen Sammlung wie die Samm-
lung Zuckerkandl ist besonders geeignet, auch dem Kunst-
gewerbe unserer Provinz neue Anregungen und Bildungs-
mittel zu geben und zur Hebung des Geschmackes und

Weitung des künstlerischen Gesichtskreises beizutragen
Mit der Sammlung hat Generaldirektor Zuckerkandl auch
seine schönen Schränke und Vitrinen zur Aufstellung eines
großen Teiles der Sammlung mitgestiftet. Der Stifter hat
zur Bedingung gestellt, daß die ganze Sammlung im Kunst-
gewerbemuseum für alle Zeiten ungetrennt und in einem
eigenen Räume unter der Bezeichnung »Sammlung Viktor
und Paula Zuckerkandl« aufgestellt werde. Es bleibt dem
Museum dabei unbenommen, den Bestand durch Hinzu-
fügung von gleichartigen Gegenständen aus dem
Museumsbesitze zu ergänzen. Der größere Teil der Samm-
lung kann in den mitgeschenkten Schränken und Pulten
aufgestellt werden. Zu der unbedingt erforderlichen Auf-
stellung des übrigen Teiles und der aus unseren Be-
ständen zur Abrundung des Gesamtbildes hinzuzufügenden
Gegenstände bedarf es jedoch neuer Aufstellungsgelegen-
heiten. Diese müssen in der äußeren Ausstattung gleich-
artig sein mit den von Herrn Zuckerkandl geschenkten
Schränken.

Der Magistrat fordert nun von der Stadtverordneten-
versammlung zur Aufstellung der Sammlung und zur An-
fertigung einer Büste des hochherzigen Stifters als äußeres
Anzeichen des Dankes der Stadt tdie Bewilligung von
13 000 Mark. Für die Büste, die von Professor von Gosen
aus Marmor für 5000 Mark angefertigt werden soll, ist ein
Platz inmitten der Sammlung ausersehen worden.«

Dresden. Leipziger Messe und Kunstgewerbe. Der
Dresdner Kunstgewerbeverein] beschäftigte sich auf seiner
Hauptversammlung mit der Frage, wie dem Kunstgewerbe
auf der Leipziger Messe größere Geltung zu verschaffen,
und wie es durch die Messe zu fördern sei. Der Vorsitzende
des Vereins für sächsische Volkskunde Prof. Seyffert, der
die Frühjahrsmesse besucht hatte, berichtete, daß das
Münchner Kunstgewerbe durch die Arbeiten Münchener
Künstlerinnen sehr glücklich vertreten gewesen sei. Säch-
sisches Kunstgewerbe sei jedoch verhältnismäßig schwach
auf der Messe vorhanden gewesen: nur zwei Dresdener
Kunstgewerblerinnen hatten allerdings sehr beachtenswerte
Arbeiten ausgestellt und [auf .ihre Muster auch zahlreiche
Aufträge erhalten. Das Kgt. Ministerium des Innern habe
bei der Landesstelle für Kunstgewerbe angeregt, die Frage
zu erörtern, wie dem sächsischen Kunstgewerbe der ihm
gebührende Platz auf der Leipziger Messe erobert werden
könne. Der Vorsitzende des Dresdener Kunstgewerbevereins
Prof. Dr. Groß hob hervor, daß der »Deutsche Werkbund«
eine besondere Abteilung für Kunstgewerbe auf der Leipziger
Messe geplanthabe; der Plan werde jedenfallsnach Friedens-
schluß zur Ausführung kommen.

Königsbergi.Pr. Dem Direktorder Königlichen Kunst-
gewerbeschule in Königsberg i. Pr., Professor Edmund May,
dem früheren Berliner Architekten, ist das Verdienstkreuz
für Kriegshilfe verliehen worden.

Königsberg i. Pr. Kunstgewerbeausstellung in Ama-
lienau. In der ständigen Kunstgewerbeausstellung der ost-
preußischen Werkstätten Amalienau, Kurstraße 3 a, an der
Kronprinzenstraße, sind neu ausgestellt Keramik, Holzar-
beiten, Stickereien, Silber-und Kriegsschmuck, Graphik usw.
von A. Bödewadt, Fr. Haefeke, A. Hauptner, B. Hormann,
M. Jeß, G. Kraut, H. von Kirschbaum, C. von Moeller,
A. Papendieck, C. Pukall des Magdeburger Künstlerinnen-
Vereins, sowie neue Arbeiten der verschiedenen Spitzen-
schulen und Volkskunst.

Für die Redaktion des Kunstgewerbehlattes verantwortlich: Fritz Hellwao, Berlin-Zehlendorf-Mitte
Verlag von E. A. Sehmann in Leipzig. — Druck von Ernst Hedrich Nachf., q. m. b. h., in Leipzig
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