Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 3.1906

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DER KUNSTMARKT

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Rembrandt van Rhyn.
Kat. Nr. Mrrk
480 Rembrandt mit Saskia.185
481 Abraham die Engel bewirtend. S. 29 . . . . 175
484 Jacob den Tod Josefs beklagend. S. 38 ... 300
486 Die Beschneidung, in Breitformat. S. 47 . . . 110
48g Die Ruhe auf der Flucht. Skizze. S. 58 . . . 390
491 Christus lehrend, genannt La petite Tombe. S. 67 4110
495 Cristus die Kranken heilend, gen. das Hundert-
guldenblatt. S. 74.410
497 Die Kreuzabnahme bei Fackelschein. S. 83 . . 1000
501 Der heilige Hieronymus in bergiger Landschaft,
genannt in Dürers Geschmack. S. 104 .... 7100
502 Der heil. Franziskus. S. 107 .3550
506 Der Dreikönigsabend. S. 113.205
507 Der Goldschmied. S. 123 .110
517 Ansicht von Amsterdam. S. 210.6go
518 Die Landschaft mit den drei Hütten. S. 217 . 8800
519 Dasselbe seltene Blatt.1700
520 Die Landschaft mit dem Turm. S. 223 . . . . 6100
521 Dieselbe schöne und seltene Landschaft . . . 2400
522 Die Landschaft mit dem Kahn. S. 236 .... 230
524 Clement de Jonghe. S. 272.6400
526 Uytenbogaert, gen. der Goldwäger. S. 281 . . 200
535 Jacob Ruysdael, Die zwei Bauern mit dem
Hund. B. 2. 520
540 Georg Friedrich Schmidt, Der Maler Pierre
Mignard. H. Rigaud pinx. J.59.100
544 Martin Schongauer, Die Geburt Christi. B. 5 . 6300
545 Derselbe, Christus in Gethsemane. B. g . . . 105
547 Derselbe, Die Grablegung. B. 18.720
548 Derselbe, Der heil. Christophorus. B. 48 . . 2300
549 Derselbe, Die dritte kluge Jungfrau. B. 79 . . 425
554 Spielkarten, Stephano della Bella. Das Spiel mit
den berühmten Königinnen. 52 Bl. 120. . . . 120
600 Martin Zasinger, Salomos Götzendienst. B. 1 . 690

Vom Londoner Kunstmarkt.
Der Londoner Kunstmarkt hat in den letzten Wochen
zahlreiche Auktionen gesehen, die zum Teil mit recht be-
deutenden Resultaten geendet haben. Unter ihnen ver-
dient die am 12. Mai stattgefundene Versteigerung der
Sammlung des Lord Grimthorpe an erster Stelle genannt
zu werden, da sie einige längst bekannte und hochgeschätzte
Bilder alter Meister auf den Markt brachte, die mit gutem
Erfolg in anderen Besitz übergingen. Lord Grimthorpe
hatte zwei Tage vorher seine bedeutenden Sammlungen
von Bronzen, Marmor, Fayencen, Möbeln und Porzellan
bei Christie versteigern lassen. Diese Auktion brachte im
ganzen 4727 £, hatte aber im einzelnen keine bemerkens-
werten Resultate aufzuweisen. Anders war es dagegen
bei der Versteigerung alter und moderner Gemälde aus
dem gleichen Besitz, die bei Christie am 12. Mai stattfand.
Ein wundervolles Frühbild des Botticelli einer anbetenden
Jungfrau vor einem Felsgemäuer mit weitem Ausblick in
die Landschaft brachte allein 5250 £ und ging in den
Besitz des Kunsthändlers Agnew über. Das Porträt der
Mrs. Home in weißem Gewände mit einem schwarzen
Schleierüberwurf von Höppner brachte es auf 2475 £ und
wurde von Shepherd erworben. Ein dem jüngeren Hans
Holbein zugeschriebenes Porträt eines Kardinals, an sich
ein vortreffliches Stück, das aber bezüglich seiner Herkunft
noch einigem Zweifel unterliegen dürfte, ergab bei der
Versteigerung 1312 £, während die Bildnisse des Nicolas
Daubermont und der Jeanne de Gavre von demselben
Meister zusammen 3150 £ brachten. Ein prächtiger, früher
der Sammlung van Loon in Amsterdam angehöriger
F. Mieris unter dem Titel »Die Liebeserklärung«, der vor

allem durch seine wunderbaren koloristischen Reize hervor-
sticht, brachte es auf 924 £ und wurde von Agnew er-
worben. Die Gesamtsumme, welche die aus 54 Nummern
bestehende Bildersammlung des Lord Grimthorpe erzielte,
belief sich auf 16229 Erwähnt sei noch, daß dabei
für einen Manet, Bildnis einer Dame, 257 £, für einen
Monet 2046 £, einen Sisley mit der Ansicht der Seine
168 £ und einen Degas, Tamburintänzerin, 36 £ bezahlt
wurden. Zwei Boillys wurden von Seligmann ersteigert:
Das Porträt eines jungen Mädchens am Fenster brachte
168 £, zwei Pendants unter dem Titel »Schmerzliche
Trennung« und »Tröstliche Zusammenkunft« ergaben
294 £. Für einen sogenannten Qaudenzio Ferrari, eine
Grablegung, wurden 52 £, für einen B. Qhirlandajo,
Porträt eines Edelmannes, 157 £ bezahlt (Agnew). Eine dem
Hobbema zugeschriebene Landschaft endlich erzielte 52 £,
während das Porträt eines Edelmannes aus dem Jahre
1632 von J. van Ravesteijn 367 £ erreichte.
An demselben Tage wurden im Zusammenhang mit
der erstgenannten Sammlung noch eine Reihe von Bildern
aus anderem Besitz versteigert, unter denen sich als
pieces de resistance ein echter Tizian, »Das Porträt
Lorenzo von Medicis«, befand, das für 2205 £ an Lane
kam. Eine Landschaft von Salomon Ruisdael ergab 168 £.
Das Porträt der Marie Maitland von P. Lely brachte es
auf 120 £. Zwei Canalettos mit venezianischen Ansichten
kamen auf 84 £, ein Solario, »Herodias mit dem Haupt
Johannes des Täufers«, auf 105 £. Dieselbe Summe er-
reichte auch ein bezeichnetes und datiertes Stilleben von
J. D. de Heern, während eine Waldlandschaft von Jacob
Ruisdael 504 £ einbrachte.
Am 5. Mai fand bei Christie, Manson & Woods die
Versteigerung der Sammlung Frederick Mappin statt, die
ein Gesamtresultat von 6743 £ ergab. In der Hauptsache
bestand diese Sammlung aus englischen Gemälden des
19. Jahrhunderts. Dabei konnte man eine sehr interessante
Preisveränderung konstatieren; denn die Gemälde, die um
1850/70 herum durch ihre historischen Schilderungen hohe
Preise erzielt hatten, erreichten bei der jetzigen Versteigerung
kaum die Hälfte von dem, was sie früher eingebracht
hatten. So wurde u. a. ein Gemälde von F. Goodall aus
dem Jahre 1851 versteigert, das im Jahre 1854 845 £, im
Jahre 1891 567 £ und neuerdings bloß noch 420 £ erzielte.
Ein anderes Werk von W. P. Frith mit einer Szene aus
Shakespeares »Romeo und Julia« hatte noch im Jahre 1873
1417 £ eingebracht und sich 1881 noch mit 1249 £ be-
hauptet. Die jetzige Versteigerung gab es für 483 £ fort.
Ein Gemälde von A. L. Egg hatte im Jahre 1888 noch
400 £ erzielt: aus der Sammlung Mappin ging es für 157 £
fort. Sehr im Preise gesunken ist auch der Franzose G.
Dore. Ein Gemälde »Kirchentür in Sevilla« hatte im
Jahre 1884 noch 157 £ eingebracht; es erreichte diesmal
nur noch 22 £. Ein anderes Bild desselben Meisters mit
spanischen Landleuten, das im Jahre 1884 noch 68 £ er-
reicht hatte, ging diesmal für 21 £ fort. Auch der eng-
lische Landschaftsmaler W. Muller ist stark im Preise ge-
sunken. Ein Gemälde »Der Waldrand von Fontainebleau«,
das im Jahre 1873 mit 630^ bezahlt wurde, konnte bei
der Versteigerung Mappin nur noch 210 £ erreichen. John
Phillips klassizistisch-süßliche Bilder haben ebenfalls unter
dem Zeitgeschmack einen bedeutend niedrigeren Preis
gegen früher erfahren müssen. Ein Bild »Gang zur Quelle«
hatte 1867 535 £ und im Jahre 1886 noch 351 £ erzielt.
Diesmal wurde es für 152 £ ersteigert. Ein anderes Bild
»La Bolera«, das noch im Jahre 1880 mit 220 £ bezahlt
wurde, konnte es nur auf 52 £ bringen, und endlich ein
drittes Gemälde mit einer Szene aus »The Heart of Midlo-
thian« hat im Jahre 1881 472 £ erzielt und mußte jetzt für
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