Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 5.1908

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DER KUNSTMARKT

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VERMISCHTES
Durch die Presse geht die Nachricht, daß eine Dame
in Schöneberg bei Berlin durch direkten Erbgang große
Schätze aus dem ursprünglichen Besitz Tizians ge-
erbt hätte. Richtig ist, daß die Dame wirklich einige Dinge
aus Cadore geerbt hat, darunter ein Diplom, das Tizian
betrifft. Die Zugehörigkeit etwa der ganzen Masse zu
Tizian ist aber nach unseren Informationen mit größter
Vorsicht aufzunehmen.
Vom Londoner Kunstmarkt.
Die Firma Puttick and Simpson beendigte am 1i. Februar
die Versteigerung des zweiten Teiles des Warenlagers der
Firma S. N. Ny bürg and Co., wobei zwischen 5—6000 £
eingingen. Wir heben aus dieser Auktion noch folgende
Preise hervor: ein altholländischer Teetopf aus Silber,
101 £ 2s 6d; ein versilbertes französisches Schreibzeug,
Empire, 23 £ 1 s 8 d; ein altdeutscher Kelch, teilweise ver-
goldet, mit vier Email-Medaillons der Kreuzigung, 46 £;
ein Renaissancekelch, versilbert und Kristall, 39 Gs; drei
altfranzösische Teebüchsen, 20 £ 7 s 10 d.
In einer Auktion von Stichen und Radierungen, die
am 12. Februar in Christies Räumen stattfand, wurden
folgende gute Preise erzielt: Bartolozzi nach Reynolds,
»Jane Countess of Harrington and Children« und »Lady
Smyth and Children«, beide in Farben gedruckt, 162 £ 15 s;
Bartolozzi nach Downman, »The Duchess of Devonshire«
und »Lady Duncannon«, 84 £; J. Ward nach Höppner,
»Children Bathing« und »Juvenile Retirment«, 136 £ 10 s;
S. Cousins, R. A., nach J. Raoux, »The Sunshine of Love«,
erster veröffentlichter Zustand, 64 £ 1 s, und nach Lawrence,
»Lady Acland and Children«, 42 £; S. W. Reynolds nach
Höppner, »The Duchess of Bedford«, zweiter veröffent-
lichter Zustand, 44 £ 2 s; W. Ward nach Morland, »The
Warrener«, 52 £ 10 s; V. Green nach L. F. Abbot, »William
Innes«, 28 £ 7 s; A. Dürer, »Melancholia«, 78 £ 15 s; »Isis«
aus Turners »Liber Studiorum«, Künstlerdruck, 36 £ 15 s;
Radierungen von D. Y. Cameron: »St. Laumer, Blois«, 42 £,
»North Porch, Harfleur«, erster Zustand, 26 £ 5 s und
»The Workshop«, 21 £.
Am nächsten Tag versteigerte dieselbe Firma englisches
Silberzeug aus dem 16. und den zwei folgenden Jahr-
hunderten, darunter folgende Nummern: ein 5^2 Zoll hoher
Kelch, 1567, eingraviert: »Richard Horre of Henton, Church
warden«, 80 £ 12 s (310 s per Unze); ein »Maidenhead«-
Löffel, 1559, 72 £; ein Apostel-Löffel, 1535, 37 £; eine kreis-
runde Schale mit getriebener Arbeit, 1640, 35 £ 10 s 6 d
(290 s per Unze); eine glatte Patene, eingraviert: »The
Guift of Edward Kinge«, 38 £ 19 s (190 s per Unze); ein
Suppennapf mit getriebener Arbeit, 1679, 174 £ 7 s 6 d
(155 s per Unze); zwei große glatte Becher aus den Jahren
1678 und 1679, J3° und ]4° £ (65 s und 78 s per Unze);
ein kleiner zweihenkeliger Suppennapf, 1698, 26 £ (80 s per
Unze); vier gerillte Tafelleuchter, von R. Syngen, 1697,
125 £ 19 s 5d (78 s per Unze); aus der Queen Anne-Periode:
zweihenkeliger Suppennapf, 56 £ (135 s per Unze), ein
Schokoladetopf, 33 £ 15 s 2 d (112 s per Unze) und ein
glatter Becher, 133 £ 13 s (66 s per Unze).
In der Auktion, die Christie am 14. Februar abhielt,
war die wichtigste Nummer ein großes längliches Stück
alter gewirkter Brüsseler Tapete, 12 Fuß 6 Zoll X 20 Fuß,
eine Allegorie Asiens, ausgeführt nach einem Gemälde von
L. van Schoor von A. van Wercx, 598 £ 10 s. Andere Preise
waren: Zwei Stücke alter gewirkter Brüsseler Tapete mit
Entwürfen aus der klassischen Geschichte, 14 Fuß X 17 Fuß
6 Zoll und 14 Fuß X 15 Fuß 3 Zoll, 300 £; ein brauner,
englischer, steinerner Krug, silberbeschlagen, 1570,81 £ 18 s;

ein Swansea Dessertservice, mit Blumen bemalt, 73 £ 10 s
ein Paar bemalter altchinesischer Krüge, 110 £ 5 s; Dres-
dener Gruppe, Dame mit Harlekin, 6V4 Zoll, 262 £ 10 s;
eine Directoire-Uhr in vasenförmigem Porzellanbehältnis,
bemalt mit Blumen, 18 Zoll hoch, 304 £ 10 s; ein alter
Dresdener Tischaufsatz, schneckenförmiger Korb auf be-
malter Unterlage, darüber vier Figuren, die Jahreszeiten
darstellend, das Ganze auf einem geschnitzten hölzernen
Ständer, io72 Zoll, früher Eigentum des Lord Byron,
194 £ 5 s.
Der heutige Kunstmarkt schätzt die Werke der eng-
lischen Maler der sechziger und siebziger Jahre des letzten
Jahrhunderts bedeutend niedriger ein als ihre Zeitgenossen,
springt aber im ganzen mit ihren Aquarellen gnädiger um,
als mit ihren Ölgemälden. Aquarelle dieser Periode bildeten
den wichtigsten Bestandteil der Halford-Sammlung, deren
ersten Teil Christie am 15. Februar versteigerte und für
die im ganzen recht gute Preise gezahlt wurden. Für
121 Aquarelle und 41 Ölgemälde gingen 6075 £ 16 s 6 d
ein. Wir heben unter den Aquarellen folgende Nummern
hervor: Rosa Bonheur, »Peasants and Sheep on the Landes«,
1866, 131/4X21, 340 Gs: J. Israels, »Sailing the Toy Boat«,
121/2Xi81/2> 310 Gs; Vicat Cole, R. A., »Harvest Time«,
1866, 13X19, 120 Gs; T. S. Cooper, R. A., »A Cow and
Four Sheep«, 1866, n3/4Xi8, 48 Gs; D. Cox, »The Menai
Suspension Bridge«, 8xn3/4l 42 Gs; T. Collier, »Ben More,
Cumberland«, 133/'iX201/2, 48QS; Copley Fielding, »ABeach
Scene«, 1841, 8xnVa, 42Gs, »LlynTal-y-Llyn«, 1072X14%,
140 Gs (1881 175 Gs, 1890 110 Gs), »The Entrance to
Glencoe«, 1844, 9X12, 52 Gs und »Dolbadan Castle«, 1838,
7X10, 65 Gs; Birket Foster, »A Landscape«, 51/4X73/4,
100 Gs, »A Girl Gathering Water-Lilies«, 6%X9%, 90 Gs,
»The Rialto Venice«, 6X9, 100 Gs, »Qenoa and Sesti from
Pegli«, 5X7x/4, 7° 6s, »Marseilles«, 5X774, 7° Gs, »Mo-
naco«, 5X71/4> 60 Gs und »The Lake of Geneva, 81/2X41/4,
56 Gs — in letzter Zeit hat sich eine steigende Nachfrage
nach den winzigen Aquarellen Birket Fosters bemerkbar
gemacht —; Sir J. Gilbert, R. A., »On the March«, 1873,
19X30, 82 Gs (1876 280 Gs) und »The Standard Bearer«,
1863, 1772X12, 84 Gs; A. C. Gow, R. A., »The Inn of
Doubtful Repute«, 1874, iiV4X143/4, 72 Gs, »The Sign of
the White Giove«, 1870, 14X9%, 72 Gs und »The Girls
School«, 1868, 10x14, 55 Gs; J. Holland, »In Venice«,
14Xio1/4, 120 Gs; W. Hunt, »A Boy with the Candle«,
16X1274, 48 Gs; W. C. T. Dobson, R. A., »Kate Kearney«,
1873, i672X2o72, 9V2 Gs (1876 130 Gs, 1881 1306s,
1890 65 Gs, 1907 20 ös) und »Sappho«, 1873, 1972X1672,
6 Gs (1881 100 Gs, 1890 60 Gs); E. Duncan, »AWreck«,
1865, 1972X2972, 18 Gs (1881 146 Gs, 1890 80 Gs); H. S.
Marks, R. A., »Experimental Gunnery in the Middle Ages«,
9X1772, 26 Gs (1890 43 £) und F. W. Topham, »The Ve-
netian Water-Carriers«, 1870, 21X29, 65 Gs (1881 200 Gs).
Unter den modernen Ölgemälden waren folgende: T. S.
Cooper, R. A., »Cattle in a Meadow«, 1866, 1772X2372,
Holz, 52 Gs und »Sheep on the Cliffs«, 1864, 1772X2372,
Holz, 64 Gs; H. W. B. Davis, R. A., »Ewes and Lambs«,
1885, 1972X30, 68Gs; J. Docharty, »Kilchurn Castle«, 1876,
2372X3572, 9° Gs; T. Faed, R. A., »Returning from Market«,
1881, 29X19, 756s; Sir Luke Fildes, R. A., »Dolly«, 1881,
46X2372, 200 Gs (letztes Jahr 270 Gs), »The Pet Dog«,
31X23, gsGsund »öathering Roses«, 1875, 22X14%, 82 Gs;
B. Riviere, R. A., »Spring Chicken«, 1880, 1872X25, 46 Gs;
J. Veyrassat, »Towing the Barge« und »After the Day’s
Work«, ein Paar, 1072X1872, Holz, 1456s. 0.0.
Die Firma Christie führte am 17. Februar die Ver-
steigerung der /7aZ/brr/-Bildersammlung zu Ende, wobei
die einzigen bemerkenswerten Nummern folgende waren:
Bordone, Porträt einer Dame in reichem, rotem Kleid, ihre
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