Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 5.1908

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DER KUNSTMARKT

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Ernst Frensdorff, Berlin. Katalog aNr. 47: Auswahl
wertvoller Werke und Kunstblätter (Chodowiecki. Menzel).
Gilhofer & Ranschburg, Wien. Katalog Nr 87:
Kaiser Franz Josef I. und seine Zeit. Porträts und histo-
rische Blätter. Mit 21 Tafeln; — Bibliothek der Bücher-
freunde 1908 Nr. 1: Kunstgeschichte, Kunstgewerbe. Illu-
strierte Werke. 1215 Nrn.; — Anzeiger Nr. 82.
Leo Liepmannssohn, Berlin. Katalog Nr. 168:
Deutsche Literatur.
Vom Londoner Kunstmarkt.
Ein wichtigstes Ereignis der letzten drei Wochen war
die Versteigerung der großen Kunstsammlung, die der
verstorbene Begründer des Nineteenth Century Magazins,
Sir James Knowles, angelegt hat. Christie begann am
25. Mai mit der Versteigerung seiner griechischen Münzen,
wobei folgende hohen Preise erzielt wurden: eine Silber-
Tetradrachme aus Amphipolis, 400 v. Chr., 170 £; ein
schöner Silberstater aus Elis, 400 v. Chr., 200 £; ein Syra-
kuser Silbermedaillon, Kopf der Persephone, ca. 380 v. Chr.,
ioo£; eine Silbertretradrachme aus Kamarina, ca. 410 v. Chr.,
78 £; ein 8 Litraestück, Syrakus, 241 v. Chr., 52 £. Für
zwei 8 Zoll hohe Tanagrafiguren, 4. Jahrh. v. Chr., wurden
60 £ 18 s gezahlt.
Unter den Radierungen und Stichen, die am nächsten
Tage an die Reihe kamen, waren am bemerkenswertesten
folgende: ein Schabkunstblatt von J. R. Smith nach Rom-
neys berühmtem Bild, »Lady Hamilton as Nature«, farbig
gedruckt, 260GS (ein Rekord für diesen Druck); Radierungen:
C. Meryon, »Le Stryge«, 36 Gs, »St. Etienne du Mont«,
30 Gs, «La Pompe Notre Dame«, 46 Gs, »Le Pont au
Change«, 56 Gs, »L’Abside de Notre Dame«, zweiter
Zustand, 56 Gs; Whistler, »Putney Bridge«, 44 Gs, »The
Doorway«, 60 Gs, »The French Set (13) 68 Gs, Selbst-
porträt des Künstlers und eine Lithographie, 72 Gs; Turner,
»The Liber Studiorum«, alle 71 Platten mit Ausnahme
von dreien im ersten veröffentlichten Zustand, 350 Gs, und
ein Künstlerdruck einer unveröffentlichten Platte für das
Liber Studiorum, 80 Gs.
Am 27.-29. Mai folgten die Bilder und Zeichnungen
der Sammlung, wobei für 443 Nummern 10191 £ 13 s ein-
gingen. Unter den Zeichnungen sind zu nennen: Rem-
brandt, Landschaft, Feder und Bister, und eine Ansicht
bei Amsterdam, 165 £, Studie eines liegenden Löwen, Feder
und Sepia, 135 £, die Präsentation im Tempel, Feder und
Bister, 70 £, ein Mann, der ein Kamel führt, Feder und
Tinte, 70 £, Skizze für sein Gemälde Die Geburt Christi,
Feder und Bister, 105 £, der Engel und Zaccharias, Feder
und Bister, 76 £, ditto Christus vor Pilatus, 30 £, und
bergige Landschaft, 54 £, Strohhütte und Karren und An-
sicht einer Stadt und Brücke, Feder und Sepia, 60 £; zwei
Kreide- und eine Federzeichnung von Rubens, 70 £; D.
Ghirlapdajo, Anbetung der Weisen, Federzeichnung, 160 £;
Filippo Lippi, Studie für Figurengruppe, Tempera, 52 £;
eine Landschaft von Claude, Feder, Bister und schwarze
Kreide, 58 £; Fragonard, große Sepiazeichnung, Landschaft
mit Bäumen und Schafen, 200 £; ditto, »Eingang in einen
Park«, 660 £; Watteau, Studie in schwarzer und roter
Kreide, sitzende Dame mit Fächer, 350 £; Canaletto, Vor
Venedig, Feder und Bister, 80 £; T. Girtin, »Porte St. Denis«,
Aquarell, i51/2Xi91/4> 120 £ 15 s; Turner, »Lake of Lucerne«,
Aquarell, 93/4Xi472> 12& Unter den 57 Ölgemälden
waren die bedeutendsten Nummern folgende: Sir J. Rey-
nolds, waldige Landschaft, 28X28, 410 Gs (1876 65 Gs,
1885 8Gs); J. van de Capelle, Flußmündung mit Schiffen,
18X18, 1050 Gs (1885 380 Gs); J. Ruysdael, »Die Bleiche«
bei Haarlem, 17X21, 940 Gs (1867 13 Gs), Greuze, Kopf

eines jungen Mädchens, 20X17, 110 Gs; Claude Lorrain,
»Fischer und Angler«, 25X30, 630 Gs (1876 66 Gs); An-
drea Schiavone, »Jupiter und die Nymphe Lara«, 9X45,
85 Gs (1886 110 Gs); Lord Leighton, »Clytie«, 61X53,
170 Gs; Poynter, »High Noon«, i6X83/4, 1889, 110 Gs;
Fürst P. Troubetskoy, Gladstone Porträt, 1893, 35X27,
125 Gs; G. F. Watts, »The Rider on the White Horse«,
25X20, 1897 260 Gs.
An demselben Tag, am 29. Mai, versteigerte Christie
die 20 Bilder des verstorbenen Sir Robert Loder, für die
9986 £ 11 s eingingen. Nicht weniger als 7200 Gs davon
fielen auf zwei Gainsborough-Porträte, die Loder in der
Heugh-Auktion 1878 für 6go Gs erstanden hat. Das erste,
ein ovales Porträt von Reynolds’ Tochter Mary, die den
deutschen Musikanten Johann Christian Fischer heiratete,
30X26, brachte 4550 Gs gegen 350 Gs 1878 und das zweite,
ein Porträt von Reynolds’ Frau, 28X23, 2650 Gs (1878
340 Gs). Wir erwähnen außerdem: A. und L Le Nain,
»Kinderkonzert«, 1629, 2Ö3/4X33, i27° Os (1875 47° Gs);
Millais, »My First Sermon«, Holz, i33/4X93/4, 100 Gs, Law-
rence, unvollendete erste Studie von »Heads of Emily and
Laura, daughters of C. B. Calmady Esq.«, 2i3/4 im Um-
kreis, 560 Gs; A. Ostade, Bauernstube, i51/4X2i1/4, Holz,
110 Os. Aus anderen Quellen stammten folgende Bilder,
vier Familienporträte, zwei Mr. Dawson und ihre Gattinnen,
alle 29X24, die der Katalog Höppner zuschreibt, 1990 Gs
(von einem Mitglied der Dawson Familie gekauft); Sir
W. Beechey, »Miss Holl«, 28x23, 170 Gs und »The For-
tune Tellers«, 23X16, 75 Gs; Burne Jones, »Angeli Lau-
dantes«, 84x60, 1878, Pastell, 75 Gs (1907120 Gs); Rossetti,
»Proserpina«, 30X15, 1882, 310 Gs (1907 440 Gs); Sir
T. Lawrence, Zwei Kinder mit Früchten in einer Landschaft,
50X40, 380 Gs; W. Müller, »The Acropolis, Athens«,
38x64, 1843, 130 Gs (1887 760 Os); Romney, Damenporträt,
23X19,300 Gs; J. Constable, »Young Waltonians«, 11 ’/4X 5V2,
Holz, 75 Gs; T. M. Richardson, Paß von Glencoe, 36X50,
1859, Aquarell, 230 Gs; Turner, »The Trial of the Ring«,
Vignette, 85 Gs; zwei Pastellporträts von D. Gardner,
1572X1272, 150 Gs.
Aus einer Versteigerung alter Silberzeuge, die Christie
am 27. Mai abhielt, sind folgende Nummern hervorzu-
heben: ein zum Teil vergoldeter Becher, 6]/4 Zoll, London,
1611, 4io£; ein achteckiges Schmuckkästchen, i683,258£ios;
ein Pokal mit Deckel, 1671, 255 £ 11s und ein deutscher
Pokal, die Schale geformt von einer geschnitzten Kokos-
nuß, i2i/4 Zoll, Anfang 17. Jahrhundert, 136 £ 10 s.
Am 28. Mai versteigerte Christie altes Porzellan und
einige andere Kunstgegenstände. Die Preise waren durch-
weg so hoch, daß für 120 Nummern 22887 £ 7 s 6 d ein-
gingen. Wir nennen wenigstens die wichtigsten: ein Paar
alte Sevres-Vasen, von Tandart, 1763, 11 Zoll, 1650 Gs;
ein altes Worcester-Service, 24 Stück, 940 £; ein ovales
Sevres-Ecuelle, von Dodin und Baudouin, 1773, 490 £;
eine altengliche Uhr, das Gehäuse aus blauem Chelsea-
Porzellan, igV4 Zoll, 750 Gs; eine Chelsea-Vase, 16J/4 Zoll,
350 Gs — diese Nummern gehörten bisher der Marquise
von Ely — ein Paar Dresdner Kinderbüsten, 6 Zoll, 380 Gs;
ein Paar chinesische Becher, emailliert, i43/4 Zoll, Ming,
1300 Gs; eine Garnitur fünf kleiner, emaillierter Ming-Vasen,
950 Gs; eine g3/4 Zoll hohe Kang-he-Vase, 600 Gs; zwei
hohe eiförmige, schwarze Kang-he-Vasen, 2400 Gs; eine
alte Sevres »Vase ä Ornements«, 1272 Zoll, 1771, 620 Gs;
ein Paar tulpenförmige Sevres-Vasen, 9 Zoll, 580 Gs; eine
becherförmige, schwarze Kang-he-Vase, 2772 Zoll, 700 Gs;
ein Paar Kang-he-Vasen, Familie verte, 18 und 1772 Zoll,
560 Gs; eine Louis XVI.-Uhr und zwei Leuchter, 900 Gs;
eine Garnitur Louis XVI.-Möbel, Sofa und 12 Fauteuils,
900 Gs; eine Mahagoni-Chippendale-Kommode, 460 Gs;
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