Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 6.1909

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DER KUNSTMARKT

Die am 8. Oktober beendete Versteigerung der
Sammlung Schmidt-Leda (erster Teil) ergab, wie uns die
Firma Rud. Bangel in Frankfurt a. M. mitteilt, inklusive
Aufgeld zirka 23000 M., etwa den vierten Teil der sehr
mäßigen Taxe. Die Bronzen, Holz und Elfenbeinsachen
erzielten etwa die Hälfte, die schönen Netzki ganz geringe
Preise, Töpfereien und die prächtigen Lackarbeiten kaum
ein Viertel und die prachtvollen Farbenholzschnitte noch
nicht einmal ein Drittel des Anschlags. Die Ungunst der
Verhältnisse scheint sich hier fühlbar zu machen, denn
sonst wäre es nicht möglich, daß die Preise so niedrig
bleiben. — Am 3. und 4. November wird der zweite Teil
der Sammlung bei derselben Firma zur Versteigerung
gelangen, beginnend mit einer prachtvollen Kollektion
japanischer Farbenholzschnitte, darunter einer reichen
Sammlung von Blättern Hokusais (1760—1849) und des
berühmten Utamaro (1753—1805). Auch Torii Kiyonaga
und Katsukawa Shunsho aus dem Zeitalter Harunobus
sind sehr gut vertreten. Als weitere Abteilungen schließen
sich an: Arbeiten in Lack, Medizindosen, Skulpturen aus
Holz und Elfenbein, Netzukes und Schwertzieraten. Auch
dieser Katalog bringt die wichtigsten Stücke in wohl-
gelungenen Abbildungen auf acht großen Lichtdrucktafeln.
Es wäre sehr zu wünschen, daß die schöne Sammlung
die ihr gebührende Beachtung fände.
Ebenfalls bei Rud. Bangel kommt am 27. und 28. Okto-
ber die Antiquitätensammlung der Firma Dav. Bam-
berger-Frankfurt unter den Hammer. Durch zwei
Menschenalter und noch länger hatte in Liebhaber- und
Händlerkreisen die Firma Bamberger einen guten Klang.
Mit feinem Verständnis und geübtem Auge hatten die Be-
sitzer verstanden, Echtes von Imitation zu unterscheiden
und nur Originales zu erwerben. Oute alte Sammelobjekte
werden von Tag zu Tag seltener und intensiver gesucht.
Der Erblasser hat aber nicht nur gekauft, weil ein Gegen-
stand »alt« war, sondern es war ihm ganz besonders darum
zu tun, seine Sammlung mit künstlerischen Erzeugnissen
früherer Jahrhunderte zu bereichern. Es kommen somit
nur gediegene, kunstgewerblich schön ausgeführte Arbeiten
in Porzellan, Keramik, Metallen, Emaillen u. dgl. m. zum
Verkauf. Sammlern und Wiederverkäufern ist daher Ge-
legenheit zu Erwerbungen geboten, die ihnen reine Freude
bereiten werden.
Eine Bronzebüste Goethes. — Leo Hamburger in
Frankfurt bringt am 21. Oktober, wie wir der Frankf. Ztg.
entnehmen, die bisher verschollen gewesene, ursprünglich
aus dem Nachlasse des Hofrat Bolzenthal in Berlin stammende
Bronzebüste Goethes zur Versteigerung, die der Berliner
Medailleur Heinrich Franz Brandt (1789—1845) hergestellt
hat. Brandt ist 1825 und 1826 in Weimar gewesen und
hat in diesen Jahren Goethe nach dem Leben gezeichnet.
Diese Zeichnungen befinden sich im Goethe-National-
museum zu Weimar und könnten sehr wohl als grundlegende
Entwürfe dieser Büste angesehen werden.
Zwei bedeutende Münzauktionen zeigt Adolf Heß
Nachf, Frankfurt a. M., an. Am 2. November und den
folgenden Tagen gelangen bayerische und pfälzische Münzen
und Medaillen des Hauses Wittelsbach, sowie Münzen und
Medaillen von dessen Agnaten als geistliche Führer und
Könige von Schweden zur Versteigerung (II. Serie,
Nr. 1521—380t, beschrieben vonj. V. Kull). Am 6. November
werden Münzen und Medaillen verschiedener Länder aus
dem Besitze eines preußischen Sammlers sowie moderne
Kunstmedaillen und Plaketten (Sammlung des Herrn

Dr. L. L. in F.) verauktioniert. Gleichzeitig zeigt dieselbe
Firma die im kommenden Winter bevorstehende Versteige-
rung des zweiten Teiles der Sammlung Erbstein an, be-
stehend aus den Münzen und Medaillen der Kaiser und
Könige und der Geistlichkeit seit dem Ende des Mittelalters.
NEUE KATALOGE
Richard Bertling-Dresden-A., Katalog Nr. 61: Wert-
volle Bücher und literarische Seltenheiten aus verschiedenen
Fächern. Drucke des 15. und 16. Jahrhunderts. Alte
Holzschnittwerke. Neuere illustrierte Werke. Chodowiecki,
Ludwig Richter, Beardsley usw. (1440 Nummern.)
Karl W. Hiersemann-Leipzig, Kat. Nr. 354: Ru-
mänien, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Türkei, Neu-
Griechenland, Byzantin. Kunst. Armenische und griechische
Manuskripte. (899 Nummern). Enthält eine große Anzahl
Seltenheiten mit genauer bibliographischer Beschreibung.
Karl W. Hiersemann-Leipzig. Kat. Nr. 355: Prä-
historie. M. d. Unterabteilung: Präkolumbianische und Ar-
chäologische Forschung in Amerika (448 Nrn.)
Georges Rapilly-Paris. Kat. Nr. 87: Livres d’art
(Architectur et decoration, peinture, sculpture, gravure,
arts industriels.)
Gilhofer & Ranschburg-Wien. Kat. Nr. 88: Volks-
kunde. Folklore. (1859 Nrn.) Einer der reichhaltigsten
Kataloge, die über dies Gebiet in den letzten Jahren er-
schienen. Er enthält den ersten Teil der wertvollen Biblio-
thek von A. L. Jellinek.
Edm. Meyer-Berlin W. 35, Kat. Nr. 13: Porträts
und Städteansichten. (1266 Nummern.)
Der sechste Band des wichtigen Katalogs der franzö-
sischen und fremden Porträts, die im Besitze des Kupfer-
stichkabinetts der Bibliotheque Nationale in Paris
sind, ist erschienen. Der Bestand der französischen
Nationalbibliothek an Porträts ist sonst unerreicht, da er
ungefähr 200000 verschiedene Nummern umfaßt. Georges
Duplessis hat den Katalog begonnen, P. A. Lemoine besorgt
die Fortsetzung. Der jetzt vorliegende sechste Band geht
von »Lafayette« bis »Louis Philipp L«. Im ganzen sind für
das Katalogisierungswerk acht doppelspaltig bedruckte
Bände in Aussicht genommen. Zum Verkauf gelangen,
zum Preise von 20 Frs. für den Band, nur 150 Exemplare.
M.
VERMISCHTES
Ein fast 4000 Jahre altes Waschgerät wurde
neuerdings von der ägyptischen Abteilung der Berliner
Museen erworben. Es ist eine aus Bronze getriebene
Kanne und Schüssel, die etwa aus der Zeit 2000 v. Chr.
stammen. Zu den weiteren Erwerbungen gehören eine
Goldschmiedeform für Götter- und Tierfiguren, 4 Klingen
von Kriegsbeilen, sowie 2 Klingen von Zimmermannsäxten
aus Kupfer, Kupferbarren mit dem Namen eines Beamten
aus der Zeit der VI. Dynastie, um 2400 v. Chr., 2 Siegel-
zylinder mit Namen von Königen des Mittleren Reiches,
um 1900 v. Chr., das Bruchstück eines feingeschnitzten
»Zauberstabes« aus Elfenbein, weiter das Bruchstück einer
Fayenceschale des Neuen Reiches, etwa 1200 v. Chr., ein
Amuletttäfelchen gegen schädliche Tiere: »Gott Horus auf
zwei Krokodilen stehend« (Spätzeit nach 600 v. Chr.),
endlich ein Denkstein griechisch-römischer Zeit mit demo-
tischer Inschrift.
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