Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 6.1909

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DER KUNSTMARKT

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erinnert — dürfte das Auftauchen einer ganzen Reihe von
bisher unbeschriebenen Meisterwerken des 15. und des
beginnenden 16. Jahrhunderts berechtigtes Aufsehen erregen,
ca. 20 Unica finden sich in dieser Abteilung. Eingeleitet
wird sie durch vier Arbeiten des Meisters der Berliner
Passion, der in den letzten Jahren als der gleichnamige
Vater Israels van Meckenem festgestellt wurde und dessen
Tätigkeit in die Zeit 1450—60 fällt. Von den hier ver-
zeichneten Blättern waren Nr. 591 und 593 bisher nur in
je einem Exemplare bekannt, während die zu derselben
Folge gehörigen Nr. 592 und 594 ganz unbekannt geblieben
sind. Das gleiche gilt von einer Serie von Kupferstich-
arbeiten des Monogrammisten W. Z., eines bisher in der
Kupferstichliteratur nicht erwähnten niederländischen Künst-
lers, der jedoch möglicherweise mit dem Monogrammisten
LITERATUR UND KATALOGE FÜR SAMMLER
Godefroy Mayer-Paris, 44 Rue Blanche. Catalogue
d’une Collection importante de Portraits anciens, classes
par ordre de graveurs avec index alphabetique de tous les
noms cites. Aux prix marques. Av. suppl. 3070 Nrn.
Av. 8 plchs. — Außerordentlich reichhaltiger Katalog mit
ausführlichen Namen- und topographischen Registern. Aus
der Fülle des Materials seien einige seltene Blätter hervor-
gehoben, von denen der Katalog eine große Anzahl ent-
hält: das Porträt Ludwigs XIV. von Peter van der Banck,
1685 (250 frcs.), das Kniebild Molieres nach Bourdon ge-
stochen von J. F. Beauvarlet (800 frcs.), La Fayette in
ganzer Figur von Debucourt, 1790 (1000 frcs., und dasselbe
Blatt koloriert, gerahmt 2000 frcs.), das Porträt des Kom-
mandeurs Tarleton, Mezzotinto nach Reynolds von J. A.
Smith, 1782 (1000 frcs.), das Brustbild Colberts von Nan-
teuil, 1676 (600 frcs.) und ein prachtvoller Abdruck des
Porträts des Marquis von Marigny von J.G.Wille (1200 frcs )
Graesse-Jaennicke, Führer für Sammler und Lieb-
haber von Gegenständen der Kleinkunst, von Anti-
quitäten sowie von Kuriositäten. 3. Aufl. des Guide de
l’amateur etc. Leipzig, G. Schönfelds Verlagsb. (Rich. Carl
Schmidt & Co.). Lwd. 8. — Im Jahre 1871 erschien der
von Graesse herausgegebene Guide de l’amateur, dem 1877
eine nur unwesentlich vermehrte Auflage folgte. Die jetzige
von Friedrich Jaennicke besorgte dritte Auflage ist so
wesentlich verbessert und vermehrt, daß sie füglich als
ein neues Werk gelten darf, das den Interessenten wärmstens
empfohlen werden kann. Der Band enthält, nach Jahr-
hunderten geordnet, von der Renaissance bis zum 19. Jahr-
hundert die Namen- und Markenverzeichnisse der be-
deutenderen Bildner in Stein, Holz, Elfenbein, Wachs und
Metallen, einschließlich Waffen aller Art, Medaillen, Pla-
ketten, Intaglios und Kameen, sowie der Meister in Email-
Miniatur- und Glasmalerei, Bildwirkerei, Intarsien, Mo-
saiken usw. Jedem Abschnitt ist eine vortreffliche, das
Gebiet orientierende Einleitung beigegeben. Die 38 Tafeln
enthalten an 2000 Marken.
Karl Ernst Henrici-Berlin W. 35. Katalog 2:
Autographen und Porträts berühmter Dichter, Schriftsteller,
Musiker usw. 868 Nrn. — Unter den Heine- Autographen
ist ein wertvoller Brief von 1826 an Adolf Müllner hervor-
zuheben. Es war das Begleitschreiben zum ersten Bande
der Reisebilder: »Er enthält einen Theil der Fußreise, die
. . . mir Gelegenheit gab, Sie zu sehen. Sie und Herr
von Göthe sind übrigens die Einzigen, die ich auf dieser
ganzen Reise besucht habe — und es war eine herrliche
Reise. .. . Möge .. das mich schadlos halten für das lästige
Ungemach, dessen ich des Buchs halber vollauf genieße.
Sie .. wissen ja selbst am besten, um welchen Preis man
die Freymüthigkeit in Deutschland ausübt.« Interessant
ist ein Brief an Therese von Salomon Heine, dem reichen

W. mit dem Schlüssel identisch ist. Die Sammlung ent-
hält 6 Blätter dieses hochbedeutenden Künstlers. Neben
diesen Hauptücken sind zu erwähnen: Zwei ebenfalls un-
bekannte Blätter des Meisters S, ferner einige hervorragende
Arbeiten eines anonymen Meisters, der wohl auch in der
Nähe des Meisters S zu suchen ist.
Besondere Erwähnung verdient die prächtige Aus-
stattung des Kataloges, der neben zahlreichen Abbildungen
im Texte 40 große Tafeln aufweist, darunter auch die
farbige Wiedergabe eines Blattes der ersten Ausgabe vom
Blockbuche der Apokalypse. Für Sammler ist der Katalog
neben den bibliographischen Aufnahmen auch wichtig durch
eine Anzahl von Abbildungen nach Formschnitten, die
auch in den oben erwähnten Werken noch nicht publiziert
worden sind, hier also zum erstenmal reproduziert werden!
Hamburger Bankier und Onkel des Dichters. Er nimmt
Bezug auf das Heinesche Gedicht: »Den Gärtner ernährt
sein Spaten — Den Bettler sein lahmes Bein — Den
Wechsler seine Dukaten — Mich meine Liebespein.« —
Der Brief beginnt: ». . . Harry hatt dieses in einem Augen-
blicke geschrieben, Leider Gottes was für ein Talent . . .
Er hatt mir versprochen, Sich zu bessern, sein Geld besser
zu verwenden.. . . Meyer Beer geht so eben weg, grüßt
Dich . .« — Wenige Monate vor seinem Tode schrieb
Heinrich von Kleist einen wertvollen Brief an seinen Ver-
leger Reimer: »Mein liebster! Ich bitte um die Gefälligkeit,
mir Ihre Entschließung wegen des Pr. von Homburg zu-
kommen zu lassen, welchen ich bald gedruckt zu sehen
wünsche, indem es meine Absicht ist, ihn der Prinzessin
Wilhelm zu dediciren. — Dabei zeige ich zugleich an, daß
ich mit einem Roman ziemlich weit vorgerückt bin, der
wohl zwei Bände betragen dürfte, und wünsche zu wissen,
ob Sie im Stande sind, falls er Ihnen gefiele, mir bessere
Bedingungen zu machen, als bei den Erzählungen .. .
Der Dichter erklärt, er müßte sonst, wenn auch ungern,
mit Cotta wieder in Verbindung treten. Es kam nicht
mehr zur Ausführung dieser Pläne, dieser im Briefe er-
wähnte zweibändige Roman ist verschollen. Als unver-
öffentlicht wird ein längeres Schreiben Karl Immermanns
von 1827 bezeichnet; es gibt Aufschluß über sein Ver-
hältnis zur Gräfin Elise von Ahlefeldt. Ein Stück seines
politischen Glaubensbekenntnisses hat Ernst Moritz Arndt
in einen Brief von 1852 gelegt. Darin heißt es: ».. Es
wird von unsern Königen und Fürsten abhangen, ob sie
den gesetzlichen Wegen des Lebens folgen oder es dahin
führen wollen, daß sich ad modum et exemplum Helvetiae
künftige deutsche republikanische Eidgenossenschaften bilden
sollen.« Am Schlüsse erklärt der Dichter: »Wir müssen
es fühlen und bei all unserm Jammer ausrufen: Addio
l’ha cosi voluto. Durch Gottes Willen sind uns die Jahre
1813—1815 und 1848—50 fast ganz verloren gegangen: es
hätte auf dem protestantischen norddeutschen Thron ein
Held und Mann sitzen müssen! Eheu! quando vemet Ille
Futurus! ...« In einem Briefe an den Hamburger Schau-
spieler Galster nennt der Berliner Humorist Glasbrenner
seine literarischen Erstlinge ein schauerliches Geschreibsel:
». . Wir begehen Alle Dummheiten, aber die eines Schrift-
stellers bleiben gedruckt, brrr! . .« In einem Briefe aus
Stuttgart 1883 schreibt Friedrich Vischer zu einen Psychiater:
»Es ist immer herzerwärmend, wenn man sich sagen darf:
dort lebt auch ein Einverstandener, Mitglied der unsicht-
baren Kirche, die keine Kirche ist. Sie dienen . . der
Menschheit als Irrenarzt, wir Schulmeister betreiben etwas
Ähnliches: Lassen Sie uns frisch weiter arbeiten!« Zum
Schluß noch ein Stück aus einem charakteristischen Briefe
Adolf Menzels von 1868 an seinen alten Freund Eitner,
dem er autobiographische Notizen für einen Redakteur
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