Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 6.1909

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DER KUNSTMARKT

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VOM LONDONER KUNSTMARKT
Die Firma Christie hielt am 24. April die letzte ihrer
Samstags-Bilderauktionen ab; für den Rest der Saison
werden die wichtigeren Bilderauktionen Freitags stattfinden.
Wir verzeichnen nur folgende Nummern: ein keineswegs
erstklassiger Constable, »Yarmouth Jetty, with boats, figure
and cart«, 27X35, 1428 £; drei kleine Bilder von Cazin,
»An Italian Village«, 9X12, 54 Gs, »A Sandy Common«,
lOXiöVa, 56 Gs und »A River Scene, Evening«, 121'4XQ,
52 Gs; eine der wenigen Landschaften des trefflichen
schottischen Künstlers Sir W. F. Douglas, »Stonehaven
Harbour«, 4772X2372, 1874, die die schottische National-
galerie für nur 28 Gs erstand; A. C. Gow, »News from
the Front«, 1877, 85 Gs.
Es ist mit den japanischen Farbendrucken des 18. Jahr-
hunderts ähnlich gegangen, wie mit den gleichzeitigen
englischen Schabkunstblättern. Ursprünglich für wenige
Pfennige publiziert, waren sie noch vor zwanzig Jahren in
London und Paris für weniger Schillinge zu haben als sie
heute Pfund Sterling kosten. Die viertägige Happer-Auktion,
die Sotheby vom 26.-29. April abgehalten hat, zeigt, daß
die Nachfrage nach diesen japanischen Kunsterzeugnissen
seit den Tagen der De Goncourt-Auktion nur gewachsen ist.
Händler aus faktisch allen zivilisierten Ländern waren er-
schienen und für die 708 Nummern sind 6013 £ 14 s ge-
zahlt worden! Herr John Stewart Happer aus New York,
der seine Sammlung während eines vieljährigen Aufent-
haltes in Japan angelegt hat, ist von dem Erfolg der Auktion
so erbaut, daß er nun auch seine ganz einzigartig voll-
ständige Sammlung von Hiroschige-Drucken — an 10000
Nummern — im Juni bei Sothebys und nicht, wie ursprüng-
lich geplant, in Paris wird versteigern lassen.
Die höchstbezahlten Nummern waren: am ersten Tag
(1452 £ 16 s) Toyonobu, Kurtesane, die einen Brief liest,
zirka 1750, 41 £; Harunobu, eine Nachtszene, 40 £ und
ein junges Mädchen, das zur Meyamairi-Zeremonie nach
dem Tempel geführt wird, 1770, 50 £; Schigenaga, ein
Schauspieler, c. 1730, 37 £; Kiyomasu, »Schönheiten der
drei Hauptstädte«, c 1746, 25 £ 10 s; Harunobu, zwei
Mädchen auf einem Balkon, 1770, 25 £ 10 s; Kiyonaga,
eine Yoschiwara-Schönheit, 20 £ 10 s; Scharaku, Mann mit
Pfeife, c. 1795, 35 £ und Mann mit Fächer, 20 £; Hokusais
36 Ansichten des Fujiyama, 1823—29, 316£ 10 s und seine
»Große Welle in Kanazawa« 23 £ 10 s. Am zweiten Tag
(1334 £ s 6d): Kitao Masanobus »Spiegel der Schön-
heiten von Neu Yoschiwara«, erste Ausgabe, Yedo, 1782,
14 Seiten farbiger Illustrationen, 59 £; Harunobu: Mädchen
im Sturm, Windgott Futen über ihr, 56 £, Schneeszene,
1766—70, 25 £, junge Dame mit Dienerin, 24 £, Regentag,
Straßenszene, 25 £, Szene auf einer Landstraße, 23 £ und
ein Samurai mit einem jungen Mädchen, 25 £; Okumura
Masanobu, Schauspieler, 22 £ 10 s; Toyonobu, Frau, die sich
fürs Bad auszieht, c. 1760, 42 £; Koriusai, Frau, die mit
einem Kind im Arm aus dem Badzuber steigt, c. 1775,
21 £ 10 s; Schunscho, zwei Frauen auf einem Feld, 1776,
18 £ und Ono No Komachi, die einen Sakura-Zweig ab-
pflückt, 20 £; Hokusais acht Wasserfälle, Originalausgabe,
c. 1827, 42 £ 14 s. Am dritten Tag (1919 £ 8 s 6 d): Ho-
kusais Serie von zehn Farbendrucken: »Die Einbildung der
Dichter«, c. 1830, 340 £; Kiyoschige, der Schauspieler
Danjiuro, c. 1725, 38 £ und ein Schauspieler, c. 1725, 40 £;
Suzuku Harunobu, zwei fischende Mädchen, 1766—70, 30 £,
»Der kranke Gockel«, 26 £, zwei Mädchen auf einem
Balkon, c. 1766, 24 £; Kitao Masanobu, zwei Damen, 52 £;
Kitawaga Utamaro, Frau, die auf ihr Büblein herabblickt,
c. 1804, 46 £; Yeischosai Tschoki, Dame mit Fächer, c. 1797,
54 £; Kubo Schunman, Triptych mit Teehausszene, 32 £;
Tschobunsai Yeischi, Triptych mit acht Schönheiten von

Matsubaya, 29 £ und Prinz Genji auf einem Gartenfest,
c. 1790, 34 £; Keisai Yeisen, Mondlichtlandschaft, c. 1832,
84 £ und »Der große Karpfen«, 25 £ und Hiroschige, das
Kisogebirge im Schnee, 1854, 22 £. Am vierten Tag
(1306 £ 11s): Schunkyoku, Teehaus-Kellnerin, c. 1754,
31 £; Suzuki Harunobu: knieendes Mädchen, 33 £, Mäd-
chen, das das Tsuzumi spielt, 29 £ 10 s, Schneeszene,
18 £, Knabe und Mädchen, die in einen Brunnen blicken,
22 £, ein windiger Tag, 51 £, eine Oharami-Holzverkäuferin,
24 £, zwei Mädchen in einem Tempel, 78 £ und eine Frau,
die in den Tama-Fluß schaut, 30 £; Kuninobu, junger
Samurai und Mädchen in Wintertracht, 1775, 52 £; Koriusai,
halbbekleidetes Mädchen, c. 1778, 20 £; Kiyonaga, windiger
Tag, c. 1782, 39 £; Masanobu, Dame, die sich fürs Bad
entkleidet, 40 £; Schuncho, »Frühling im Feld«, c. 1785,
22 £ 10 s; Yeiri, adelige Dame mit Gefolge, 25 £ und
25 der 27 Blätter von Hokusais »Hundert Dichtern« zu
Preisen zwischen 4 £ 10 s und 12 £ 5 s.
Am 30. April erzielten in Christies Auktionsräumen
229 Gemälde volle 18500 £. Davon stammten aus der
Garland-Sammlung in New York folgende: Jules Breton,
»Le Goüter«, drei Bauernweiber beim Mittagessen auf dem
Erntefeld, 29X47, 1886, 2700 Gs; C. Troyon, »Vieh in einem
Fluß«, 32X45, 1855, 2550 Gs, »Vieh auf der Weide«,
20X28, 2500 Gs, »Bauern und Schafe«, Holz, 18X13V4,
430 Os; Daubigny, »Les Bords de l’Oise«, 1875, Holz,
13X22, 870 Gs und »Der Standort der Reiher«, 1872, Holz,
12X21, 300 Gs; N. Diaz, »Der Wald von Fontainebleau«,
Holz, 9X12V2, 420 Gs; Gerome, »Sattelmarkt in Kairo«,
3172X25,400 Gs;SirL. AlmaTadema, »Springtime«, 34X20,
900 Gs; Erskine Nicol, »Yours to Command«, 19X25, 1865,
310 Gs; A. de Neuville, »Destroying Communications«, 1884,
46x32, Aquarell, 380 Gs. Von anderen Sammlungen kamen
folgende Nummern: Jakob Maris, »Ansicht von Amsterdam«,
17X44, 1875, 1200 Gs und »Fischerfrau mit Kind an der
Küste«, 16X11, 210 Gs; Ruysdael, Flußszene, 20X28, gez.
mit Initialen und dat. 1644, 310 Os; J. Sustermans, Porträt
des Johannes Bapta Guelph, 78x46, 115 Gs; N. Diaz,
Ansicht im Wald von Fontainebleau, Holz, 15X21, 250 Os;
W. Collins, Cromer Sands, Holz, 9X12, 105 Gs; Turner,
Ingleborough gesehen vom Hornby Castle, Aquarell, 11X16,
1818, 1300 Gs (1881 2200 Gs); Benjamin Constant, Kaiserin
Theodora, 89X49, 360 Gs; Delacroix, »Plünderung eines
Harems«, 21X25, 220 Gs; J. F. Millet, »La Cardeuse«,
34X21, 1000 Os; Jules Dupre, »La Symphonie«, 27X39,
800 Os; A. Neuhuys, Inneres einer Bauernhütte, 5372X40,
1897, 800 Gs; J. B. Jonkind, Hafen von Rotterdam, 1876,
2P/2X26, 380 Gs; J. Maris, Waldige Flußszene, 1372X18V4,
300 Gs und Th. Rousseau, »Die große Eiche«, 1172X1672,
650 Gs.
Am 3. Mai wurden in einer kleineren Bilderauktion
bei Christie folgende Preise gezahlt: eine Skizze von Sir
T. Lawrence, Kopf der Lady Rossmore, 2272Xt77a, oval,
170GS; H. Meyer, Ansicht von Scheveningen, 2272X33,
1787, 85 Gs und A. Cuyp, Flußszene, 1074X1472, Holz,
80 Gs.
Dieselbe Firma versteigerte am 5. Mai altes englisches
Silberzeug, wobei folgende hohe Preise gezahlt wurden:
ein Becher, 1636, 136 £ (520 s die Unze); ein rundes Salz-
gefäß, 1694, 20 £ 13 s 6 d (235 s die Unze); ein Silberver-
goldetes Schreibzeug von Paul Lamerie, 1731, 165 £ (100 s
die Unze); ein glatter Kelch, 1635, 133 £ 6 s 3 d (135 s die
Unze); ein kleiner Suppennapf, 1632, 23 £ 12 s 6 d (150 s
die Unze); ein Teekessel, 1738, 103 £ 7 s 2 d; eine Suppen-
schüssel von Paul Lamerie, 1736, 188 £ 17 s 6 d; ein iri-
scher Kartoffelring von P. John Stoyte, Dublin, 1786, 164 £
(200 s die Unze). o. G.
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