Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 8.1911

Page: 105
DOI issue: DOI article: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstmarkt_ws1911/0113
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DER KUNSTMARKT

105

den angehenden Sammler, der nach einem Überblick über
sein Spezialgebiet verlangt. Daher werden diesem speziell
das Kapitel Literatur, welches eine vollständige Übersicht
über die in Betracht kommenden Publikationen bietet, so-
wie das über 60 Seiten umfassende Signaturenverzeichnis
gute Dienste leisten.
Die wirtschaftlichen Grundlagen der Malkunst. Ein
Versuch zur Betrachtung der wirtschaftlichen Fragen der
Kunst. Von Dr. Paul Drey. Verlag der J. G. Cotta-
schen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin.
Geheftet 6 M.
Unsere umfangreiche Kunstliteratur vernachlässigt in
auffallender Weise über kunsttechnischen, ästhetischen und
kunsthistorischen Betrachtungen die Beschäftigung mit den
materiellen Grundlagen der Kunst, den praktisch-wirtschaft-
lichen Problemen künstlerischen Schaffens. In dem vor-
liegenden Buch nun befaßt sich ein Nationalökonom mit
diesen wirtschaftlichen Fragen der Kunst und betrachtet
— unter steter Berücksichtigung der kunstwissenschaftlichen
und technischen Gesichtspunkte — die Kunst, speziell die
Malkunst, als eine privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit, als
Beruf.
Der Verfasser untersucht das Wesen, die kulturgeschicht-
liche Entwicklung und die Psychologie des Kunstbedürf-
nisses, behandelt die künstlerische Produktion sowie die
gewerblichen und sozialen Verhältnisse im Künstlerberuf,
die Organisation des Kunstmarktes und des Kunsthandels,
ferner Ausstellungswesen, Kunstverlag und Kunstgewerbe;
er erörtert eingehend die Probleme der Preisbildung und
Preisbewegung bei Gemälden und der künstlerischen Über-
produktion. Es folgt eine Betrachtung der kunstpolitischen
Tätigkeit deutscher Staaten und Städte, woran zum Schluß
eine Erörterung kunstwirtschaftlicher Bestrebungen und
Postulate geknüpft wird.
So liefert diese Ökonomie der Kunst einen Beitrag zur
Kenntnis eines kulturell wichtigen Ausschnittes unseres
Wirtschaftslebens und gibt der Künstlerschaft die Möglich-
keit, sich über die wirtschaftlichen und sozialen Zusammen-
hänge im Bereich ihrer Berufstätigkeit zu orientieren. Sie
erfüllt damit ein aktuelles wissenschaftliches Bedürfnis und
ist für Künstler, Kunstgelehrte und Kunstfreunde gleicher-
maßen von Interesse.
Neue künstlerische Kinder-, Bilder- und Märchen-
bücher. Die CI. Altenhofer’sehe Verlagsbuchhandlung in
Straubing hat soeben eine Anzahl von Kinderbüchern her-
ausgegeben, die auch dem verwöhntesten künstlerischen Ge-
schmack entsprechen und trotzdem für die jugendlichen
Gemüter leicht verständlich sind. Es liegt hier z. T. das
Resultat eines internationalen Wettbewerbes für moderne
Bilderbücher vor. In dem Buche »Goldene Fädchen«
(3 Mark), Bilder von Klara Hensel, fesseln die frischen,
farbenfrohen Bilder und der ausgezeichnete Text von O.
P. S. Cabanis. — In den »Süddeutschen Städtemärchen«
von H. Dreßler mit Bilder- und Buchschmuck von W.
Ehringhausen (2 Mark), das auf sehr gutem Papier gedruckt
und in einer guten Type gesetzt ist, führt uns der Autor
hinter die alten Wälle von Regensburg und durch die
nächtlichen Straßen von Nürnberg und durch andere süd-
deutsche Städte. Die Märchen sind leicht verständlich und
die Federzeichnungen ein schöner graphischer Schmuck.
— Das Buch »Neue Märchen (3,50 Mark) mit Bildern
von Joseph Streic und Text von A. E. Forschneritsch,
bietet tatsächlich neue Märchen. Auch hier schmücken
vortreffliche, künstlerische Bilder das Buch, die von
feinem Humor durchdrungen sind. — »Bruder Strau-
binger« (3 Mark), von Joseph Fumian ist von dem be-

kannten Lothar Meggendorfer illustriert. — Das Armee-
Bilderbuch »Der deutsche Soldat mit Waffe und
Werkzeug« (4 Mark) Text von Generalmajor z. D.
Karl Staudinger enthält 16 Vollbilder in Zehnfarben-Stein-
druck und ein Titelbild von Anton Hoffmann und läßt
an dem kindlichen Beschauer ein Stück Soldatenleben
vorüberziehen. —- Das Buch »Wer Kommt?« Reime
von J. Neunhöffer und farbenfrohe Illustrationen von Julie
Conz (3,50 Mark), ist aus dem veranstalteten Wettbewerbe
von Kinder-Bilderbüchern für das Alter von drei bis sechs
Jahren mit Recht mit dem ersten Preise hervorgegangen.—
In dem Buche »Der Märchenkessel« von Juliane Richarde
Peter und Aurelie Obermayer-Wallner (3 Mark) zeigt L.
Fahrenkrog in acht Vollbildern, einem Titelbilde und zwölf
Schwarzdruckbildern eine glänzende Phantasie. Diese
prächtigen Märchen von hohem ethischem Werte dürften
allen Eltern und Kindern hochwillkommen sein.
Die Straße vom Urwald bis zur Eisenbahn. Berlin,
Verlag Neues Leben (Wilhelm Borngräber). 230 Seiten
mit zahlreichen, zum Teil farbigen Illustrationen. M. 8.—
Leinen M. 10.—, Leder M. 12.—.
Der Begriff Straße ist hier im weitesten Sinne gefaßt.
Das außerordentlich geschmackvoll ausgestattete Werk stellt
schlechtweg eine kleine »Kulturgeschichte im Freien« dar,
denn es behandelt bis zum beginnenden 19. Jahrhundert
alle kulturgeschichtlich wichtigen Dinge, die sich außerhalb
der vier Wände abspielen. »Ein bekannter Dichter verband
sich zu diesem Werke mit einem unserer hervorragendsten
Kulturhistoriker. Sie lassen das Werk ohne ihren Namen
erscheinen, weil es eine Frucht ist, die abseits von ihrer
eigentlichen Lebensaufgabe reifte«. An der Hand der Ge-
schichte der »Straße« führen sie uns durch die Jahrtausende
von der Tierfährte des Urwaldes über die Heerstraßen
Roms, über die Züge der Kreuzfahrer, die Zeiten der Re-
naissance und des Rokoko bis zum Anmarsch der Revulo-
tionäre. Dem Sammler alter wertvoller Blätter werden die
vortrefflichen Reproduktionen (zum Teil in Farben) und
die Faksimiledrücke seltener Flugblätter sehr willkommen
sein. Bei einer zweiten Auflage, die wir dem Buche wün-
schen, wird es sich empfehlen, bei sämtlichen Abbildungen
die alten Quellen anzugeben. — Das 19. Jahrhundert soll
in einem besonderen Bande behandelt werden.
Die Kunst des Schmückens. Eine Klärung des Schmuck-
problems durch Wort und Bild für Schaffende und Ge-
nießende. Von Carl Knoll und Dr. Fritz Reuther. Mit
217 teils farbigen Abbildungen. Dresden, Gerh. Küht-
mann, 1910. Brosch. M. 10.—, geb. M. 12.—.
In den Kreisen aller kunstgewerblich interessierten
Menschen wird die Lektüre dieses Werkes willkommen
sein. Es behandelt die Frage nach dem Wesen und den
Aufgaben des Schmückens am Zweckgebilde. Ausgehend
von der organischen Gestaltung eines Zweckgebildes will
es diese wichtigen Fragen erschöpfend beantworten. Die
Verfasser haben dabei in erster Linie die Frauenkleidung
im Auge, behandeln aber auch alle anderen in Betracht
kommenden Gebiete, wie Gärten, Häuser, Innenräume,
Möbel, Kleingeräte u. s. w. Ein außerordentlich sorgfältig
gewähltes und sehr reiches Bildermaterial unterstützt die
Ausführung in zweckmäßigster Weise. Aus dem Inhalte
möchten wir nur einige Kapitel hervorheben, um die Reich-
haltigkeit des Werkes zu veranschaulichen. Es sind dies:
»Organisches Gestalten«, »Organischer Schmuck«, »Bedeu-
tung der Farben« und »Einheitliche Erscheinung«.
loading ...